BURGKUNSTADT

Musik voller Geschichten beim Kultursonntag Burgkunstadt

Musik voller Geschichten beim Kultursonntag Burgkunstadt
Die beiden international bekannten Künstler Pablo Barragán an der Klarinette und Mario Häring am Klavier sind ein perfekt aufeinander eingespieltes Team. Foto: Corinna Tübel

Auf meisterhafte Art und Weise schufen am Sonntagabend die beiden international bekannten Künstler Pablo Barragán an der Klarinette und Mario Häring am Klavier die Verbindung zwischen „Alt“ und „Neu“. Ihre Musik erzählte Geschichten und ließ die Zuhörer in allen bekannten und ihnen selbst unbekannten Gefühlslagen schwelgen.

„Musik ist eine Sprache, die Menschen verbinden soll und kann“, eröffnete der spanische Klarinettist Pablo Barragán den vergangenen Kultursonntag in der Alten Vogtei in Burgkunstadt. Zusammen mit seinem Klavierpartner Mario Häring bewies er dies in beeindruckender Manier zahlreichen Zuhörern, die sogar noch vor dem Saal Platz nehmen mussten.

Den ersten Teil des Abends ließ der 1948 geborene Jazz-Saxophonist Paquito d?Rivera aus Kuba bestreiten: Die Darbietung des „Benny@100“, einer Hommage an den Welt-Klarinettisten Benny Goodman, sowie „Bandoneon“ vermittelt einmal mehr: Bei Jazz-Musik kann man sich nicht zurücklehnen und ausruhen. Schnelle, laute Passagen wechselten sich mit melancholischen Tönen ab. Es geht auf und ab, man ist sich nie sicher, was in den nächsten Sekunden passiert. Diese Mischung aus Jazz, Rock und Klassik hat d?Rivera nicht nur weltberühmt gemacht, sondern ihm auch als bisher einzigem Künstler den Latin Grammy sowohl in der Kategorie Klassik als auch in der Kategorie Latin Jazz beschert.

„Klarinette: Mir gefällt, dass der Klang so sehr der menschlichen Stimme gleicht.“
Pablo Barragán, Klarinettist

Differenziert, elegant und perfekt nuanciert setzte Pablo Barragán diesen Stil um. Man spürte: Er ist mit seinem Instrument, der Klarinette, vollkommen verbunden. „Mir gefällt, dass der Klang so sehr der menschlichen Stimme gleicht“, erzählte er einst in einem früheren Interview.

Musik voller Geschichten beim Kultursonntag Burgkunstadt
Die beiden international bekannten Künstler Pablo Barragán an der Klarinette und Mario Häring am Klavier sind ein perfek... Foto: Corinna Tübel

Dabei sei die Wahl für dieses Instrument rein zufällig gewesen. Ein Musiklehrer habe in seiner Heimatstadt nahe bei Sevilla Instrumente nach Gespür verteilt. Seitdem führte ihn sein Weg über ersten Musikunterricht und das Musikstudium in Sevilla zur Barenboim-Said Foundation in Berlin. Er wurde Mitglied des West-Eastern-Divan Orchestras unter der Leitung von Maestro Daniel Barenboim. Begleitet wurde diese Entwicklung von verschiedenen Preisen bei internationalen Wettbewerben wie etwa dem ARD Musikwettbewerb 2012, dem Juventudes Musicales de Espana 2011 oder der European Competition for Youth 2011. Seine Liebe und Begeisterung für Benny Goodman zieht sich dabei bis heute durch sein Schaffen.

Große spielerische Klasse der beiden perfekt aufeinander eingespielten Künstler Barragán und Häring zeigte sich auch in ihrer Interpretation der Auswahlwerke von Francis Poulenc. Der französische Neoklassizist ist berühmt für seinen Witz und sein flammendes Verhältnis zur Melodik. Die Klarinette und das Klavier schienen sich ebenbürtig: Mal jagt das eine das andere, mal begleiten sie sich.

Beschwingte Preludes von Poulenc und Gewaltiges von Brahms

Nach der Pause luden die beiden musikalisch beschwingt in den zweiten Teil des Abends ein: In die drei Preludes des Komponisten George Gershwin legten sie ebenso höchste Konzentration wie Herzblut. Die Hände Mario Härings tanzten dabei gekonnt über die Tasten des Klaviers. Kein Wunder: Mario Häring ist seit 2011 Stipendiat der Internationalen Musikakademie in Liechtenstein. Zuvor hatte er an der Musikhochschule Hannover studiert und seine Studien anschließend bei Professor Lars Vogt fortgesetzt. Meisterkurse bei Paul Badura-Skoda, Pascal Devoyon, Anatol Ugorski und Andras Schiff gaben ihm zusätzliche musikalische Impulse. Er kann auf zahlreiche Wettbewerbserfolge verweisen und tritt in vielen europäischen Ländern auf.

Die zunächst weicheren Töne der abschließenden Sonate für Klarinette und Klavier Nr. 2 Es-Dur op. 120/2 aus der Feder des deutsche Komponisten Johannes Brahms besänftige zunächst so manch aufgewühltes Gemüt im Publikum. Manche wogten mit geschlossenen Augen hin und her. Doch bald wurden sie mit gewaltiger und melodischer Musik abermals aus ihrer Träumerei geholt.

Der Abend zeigte: Die Brücke zwischen den beiden Musikstilen Jazz und Klassik ist nicht lang. Beide Arten sowie die gesamte Musik erzählen Geschichten vom Leben: mal aufwühlend und stürmisch, dann ruhig und melancholisch. Die Menschen darin: gehetzt und gefordert, nachdenklich und unsicher, glücklich und erschöpft.

Der nächste Kultursonntag findet am 9. Februar statt: Vier Slapstick-Kurzfilme mit Charlie Chaplin und Buster Keaton sowie der Originalmusik. Veranstalter ist die Friedrich-Baur-Stiftung.

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