BURGKUNSTADT

Produzentengalerie Burgunstadt: Malen als Abenteuer erleben

Christine Gruber aus Bamberg zeigt großformatige, abstrakte Bilder in Öl auf Leinwand in der Produzentengalerie. Foto: Mathias H. Walther

Außergewöhnliche Perspektiven, verfremdete Motive und Eindrücke fremder Kulturen beeindrucken den Besucher der Burgkunstadter Produzentengalerie für Gegenwartskunst in der aktuellen Ausstellung. Noch bis zum Sonntag, 8. Dezember, werden Gemälde der Bamberger Künstlerin Christine Gruber und des aus dem Schwarzwald stammenden Malers und Weltreisenden Karl-Herrmann Gänßlen gezeigt. Werke, die zur Vernissage mehr als 100 Kunstinteressierte anlockten.

„Ich male etwas, um es kennenzulernen.“
Christine Gruber, Künstlerin aus Bamberg

Die Ausstellung, die fachlich von Dr. Matthias Liebel, Kunsthistoriker aus Bamberg, und musikalisch vom Marktzeulner Gitarrenvirtuosen Thomas Schaller eröffnet wurde, widmet sich zwei Künstlern, deren Arbeiten sich technisch ebenso wie im Stil deutlich voneinander unterscheiden. Dennoch treffen sich die Kunstschaffenden in ihrer Sehnsucht nach dem Fremden, dem Reisen und anderer Kulturen.

Die Arbeiten von Christine Gruber, die seit den 1980-er Jahren zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in ganz Deutschland bestückt hat, sind in ÖI auf Leinwand ausgeführt. „Thematisch speisen sie sich aus authentischen oder aus medial vermittelten Beobachtungen aus freier Umgebung: Landschaften in Myanmar oder in Indien, heimische, asiatische und australische Seen, suburbane Gärten oder Häuser im Grünen“, sagte Kunsthistoriker Matthias Liebel.

Die Malerin spricht mit ihren abstrakten, überwältigenden Farbkompositionen – halb transparent, einander überlagernd in sich gegenseitig durchdringenden Schichten (Liebel) – den Betrachter mit einer Wucht an, die diesen verführt, ja zwingt, das Unbekannte und Geheimnisvolle in sich aufzunehmen. Und so etwas über sich selbst, über seine Umgebung zu erfahren. Ganz nach dem künstlerischen Credo der Künstlerin, die sagt: „Ich male etwas, um es kennenzulernen“.

Das Kennenlernen fremder Kulturen und Menschen hat den in Baiersbronn im Schwarzwald lebenden Karl-Hermann Gänßlen auf seinen Reisen und beim Malen stets „getrieben“. Er sieht nach wie vor „Malen als Abenteuer“, auf das er den Betrachter mitnimmt. Das tut er, wie Liebel feststellt, „mit expressiv überformten Stillleben und Stadtansichten, mit Landschaften und Reise-Bildern, die er in der Sprache der informellen Malerei in dynamisch bewegte Kompositionen überträgt.“

Die Marabouts in Südmarokko sind die bevorzugten Motive von Karl-Herrmann Gänßlen. Foto: Mathias H. Walther

Gänßlen hat es immer direkt an den Ort seiner Motive getrieben. Nach Südfrankreich und Italien, nach Algerien und Jordanien, auf die Philippinen oder zu den Tuareg auf dem Sinai. So ritt er etwa zwei Wochen lang mit einem Kamel durch die Wüste und versetzte die Beduinen dort in arges Erstaunen darüber, dass jemand mit kostbarem Wasser und Farben durch die Wüste pilgert, um nichts anderes als Sand und Dünen zu Papier zu bringen – und das im Zeitalter der Fotografie. In Marokko faszinierte er die Einheimischen durch seine Begeisterung für die halb verfallenen Grabstätten der Marabouts, die er vor Ort aquarellierte und später, im heimischen Atelier, zu abstrakt-expressionistischen Kompositionen verarbeitete.

Bilder voller malerischer Kraft und rhythmischer Begeisterung

Seine Bilder strotzen, bei aller motivischer Nähe zum Gezeigten, vor malerischer Kraft und vor rhythmischer Begeisterung. Die augenscheinlich auch auf den Kunsthistoriker Liebel übergesprungen ist, als er ausführte: „Gestalterisch manchmal bis zur Unkenntlichkeit verfremdet, im harmonischen Zusammenspiel von behutsam ausgewählten und sorgfältig auf einander abgestimmten Farben, bricht er (Gänßlen) doch mit allen konventionellen Wahrnehmungsmustern. Realweltliche Wirklichkeit gerät ihm zum motivischen Anlass, daran seine gestalterische Energie zu entzünden und sie ein autonomes Eigenleben entfalten zu lassen.“

Ergänzt wird die Ausstellung in der Produzentengalerie Burgkunstadt durch Skulpturen verschiedener Künstler, wie des Me... Foto: Mathias H. Walther

Die Ausstellung ist noch bis 8. Dezember in der Produzentengalerie Burgkunstadt, Schönberg 3, samstags und sonntags, jeweils von 14 bis 18 Uhr, geöffnet. Gezeigt werden auch Skulpturen von Martina Kreitmeier (Landshut), Claudia Katrin Leyh (Meiningen), Patrick Niesel (Nürnberg) und Denis Delauney aus Memmelsdorf/Bamberg.

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