Leserforum: Ohne ein bisschen mehr Gemeinnutz ist das Klima nicht zu retten

Zum Leserbrief „Andere Möglichkeiten für sauberen Strom nutzen" (OT vom 9. Oktober) erhielt die Redaktion folgende Zuschrift:
Windkraftanlagen im Landkreis Lichtenfels. Foto: Markus Drossel

In ihrem Leserbrief meinen Alfred und Beate Kalis, es sei ein Widerspruch, wenn ich behaupte, ich wolle die Belange der Anwohner möglicher Windkraftanlagen respektieren und gleichzeitig Windkraftanlagen fordere. Die Bedürfnisse der Anwohner können beispielsweise dadurch berücksichtigt werden, dass bestimmte Geräuschpegel, die durch die Anlagen erzeugt werden, nicht überschritten werden. Es könnten auch Umbaumaßnahmen an den Wohnhäusern von den Anlagenbetreibern übernommen werden.

Die Belange der Anwohner zu

respektieren heißt aber nicht, keine Windräder zu bauen.

Ähnlich wie die Angst vor Mobilfunkstrahlung geht jetzt anscheinend die

Angst vor Infraschall um. Bisher wurden keine Gesundheitsstörungen

nachgewiesen, die durch von Windrädern erzeugtem Infraschall hervorgerufen werden. Seit 2009 werden in Deutschland nur noch Anlagen installiert, bei denen Infraschall lediglich in geringem Abstand wahrnehmbar ist. Im Innenraum eines mit 130 Kilometer fahrenden PKWs ist man einem um Größenordnungen höheren Infraschalldruck ausgesetzt als in 800 Meter Abstand von einer Windturbine.

Es ist richtig, dass in Dänemark ein paar Gemeinden den weiteren Ausbau der Windenergie gestoppt hatten, um die Ergebnisse einer Studie abzuwarten. Diese Studie ergab keinen Zusammenhang zwischen dem von Windanlagen abgestrahlten Infraschall und Erkrankungen.

Das gefällt den Windkraftgegnern natürlich nicht. Deshalb wurden flugs

Verschwörungstheorien in die Welt gesetzt, dass die Windradmafia diese

Studie zu ihren Gunsten beeinflusst habe, um das große Geld zu machen.

Damit die Energiewende gelingen kann, muss Deutschland jährlich 7 GW

(Gigawatt) Windenergieleistung neu installieren; das sind 1000 bis 2000

Windräder, je nach Leistung und Baugröße. Gebaut wird praktisch nichts

mehr.

Warum man nicht alle Elektrizität aus Solaranlagen erzeugen kann,

sieht man zu dieser Jahreszeit mit einem Blick aus dem Fenster,

besonders in der Nacht. Wir brauchen Solaranlagen, Windräder, Energiespeicher und leistungsfähige Leitungen, sonst wird das nichts mit der Energiewende und dem Klimaschutz. Deshalb müssen alle Betroffenen zurückstecken, genauso wie diejenigen, deren Dörfer dem Braunkohleabbau zum Opfer fallen oder denen eine Umgehungsstraße vor das Haus gebaut wird. Ein bisschen mehr Gemeinnutz vor Eigennutz tut uns allen gut.

Bernd Weickert

Burgkunstadt

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