BURKHEIM

Besenbinder, Bauer und Poet: Franz Josef Ahles aus Burkheim

Besenbinder, Bauer und Poet: Franz Josef Ahles aus Burkheim
Dem Wirken des Besenbinders und Poeten Franz Josef Ahles widmete CHW-Bezirksvorsitzender Prof. Dr. Günter Dippold seinen Festvortrag. Foto: Dieter Radziej

Dem Burkheimer Heimatdichter Franz Josef Ahles widmete das Colloquium Historicum Wirsbergense anlässlich seines 150. Geburtstages einen Veranstaltungsabend. Als Besenbinder und Poet wurde er von der Bevölkerung geschätzt. Mit seinen Liedern und Gedichten hat er bleibende Erinnerungen hinterlassen.

Mit wohlvertrauten heimischen Klängen stimmte die Gruppe „Fränkischer Wind“ im vollbesetzten Saal des Gasthofes Fiedler in den Abend ein, bevor die Vorsitzende der CHW-Bezirksgruppe Burgkunstadt/Altenkunstadt, Jutta Löbling, die Gäste begrüßte. CHW-Bezirksvorsitzender Prof. Dr. Günter Dippold übernahm dann die Aufgabe, das literarische Wirken des „Sängers vom Kordigast“ zu würdigen.

Die Buchdrucker-Arbeit schadet seiner Gesundheit

Franz Josef Ahles wurde vor genau 150 Jahren in Würzburg geboren, wo seine Eltern lebten. 1879 zog die Familie, nach einer Zwischenstation in Ebelsbach, erstmals nach Burkheim, der Heimat seines Vaters. Es folgten weitere Umzüge nach Bamberg, Ebelsbach, Neuschleichach und 1885 wieder nach Würzburg. Dort begann Franz Josef Ahles nach seiner Schulzeit eine Lehre als Buchdrucker, vermerkte aber, dass die Dämpfe in der Arbeitsstätte seine Gesundheit untergruben. Dies war einer der Gründe dafür, dass die Familie 1886 endgültig nach Burkheim – aufs Land – zog.

Ahles schrieb über diesen Lebensabschnitt: „Da haben wir ein kleines Häuschen gebaut, einige Äckerlein erworben und anno 1902 ein Rittergut von nur vier Tagwerk übernommen.“ Er wurde zum Bayerischen Infanterie-Leibregiment in Würzburg einberufen, aber wegen seiner schwächlichen Gesundheit nach wenigen Monaten ausgemustert.

„Im Winter binde ich Besen, während ich im Sommer die kleine Landwirtschaft besorge.“
Franz Josef Ahles über seinen Alltag

Nachdem die Mutter verstorben war und dem Vater die rechte Hand amputiert werden musste, hatte sich Franz Josef Ahles um alles zu kümmern. Er fasste seinen Alltag mit den Worten zusammen: „Im Winter binde ich Besen, während ich im Sommer die kleine Landwirtschaft besorge.“ 1918 heiratete er Anna Kohles. Aus dieser Ehe gingen ein Mädchen und zwei Buben hervor.

Als einen Höhepunkt im Leben von Franz Josef Ahles bezeichnete Prof. Dr. Günter Dippold die Reise des Heimatdichters 1925, dem Heiligen Jahr, nach Rom. Dies ermöglichten ihm Freunde und Gönner mit ihrer Hochherzigkeit. Begleitet wurde er dabei vom Burkheimer Bürgermeister Püls. In einer Serie von Artikeln im Obermain-Tagblatt ließ er die Öffentlichkeit an seinen Reiseeindrücken teilhaben.

Ahles stirbt am Ostermontag 1939 an Lungenentzündung

Ende 1938 schrieb er in einem Brief zu seinem Gesundheitszustand, dass er wenig Hoffnung auf Genesung sehe und nur noch sitzend ganz leichte Arbeiten verrichten könne. Kein halbes Jahr später, am 10. April 1939, es war dies der Ostermontag, starb Franz Josef Ahles im Alter von 69 Jahren in Burkheim an einer doppelseitigen Lungenentzündung. 1946 ließ das CHW an seinem Wohnhaus eine Gedenktafel für ihn anbringen.

Der in bescheidenen Verhältnissen lebenden Besenbinder und Kleinbauer, so Prof. Dippold, hat sich als Lyriker einen Namen gemacht. Sein Gedicht „Das einsame Grab auf dem Kordigast“ zählt zu den ersten Werken, die er publiziert hat. Prof. Dippold trug einige Verse daraus den Geschichtsfreunden vor. Schon in dieser Veröffentlichung war ein hohes Maß an sprachlicher Gewandtheit, wie sie Ahles' Gedichte auszeichneten, zu erkennen.

Religion, Geschichte, Prinzregent Luitpold und Graf Zeppelin

Seine Werke decken eine große Bandbreite ab: Er beschäftigte sich mit dem Schöpfer, etwa in „An Gott“, ebenso wie mit historischen Themen von der Antike bis ins Mittelalter und das 19. Jahrhundert. Er ergriff markante Ereignisse, wie den Geburtstag des Prinzregenten Luitpold von Bayern, auf und widmete sich dem Grafen Zeppelin mit „Ein Hoch dem Admiral“. Dies schien den weitbekannten Luftschiffer gefreut zu haben, denn er bedankte sich von seinem Wohnort Friedrichshafen aus tatsächlich bei Ahles.

Gleich mehrere Lieder und Gedichte widmete der Poet seinem geliebten Kordigast. Als der Regierungspräsident von Oberfranken 1913 Burkheim besuchte, überreichte ihm Ahles eines seiner Bücher. Dieses muss den Beschenkten tief berührt haben, denn er wies die Bibliotheken und Büchereien für die oberfränkische erwachsene Bevölkerung an, den Werken von Ahles ebenfalls Beachtung zu schenken.

Anerkennung auch vom deutschen Kaiser

Beim Niederschreiben seiner Dichtungen, so Prof. Dippold, kam ihm zugute, dass er sich durch ständiges Lesen und Selbststudium ein hohes Maß an Allgemeinbildung verschafft hatte. Zusehends wurde er als „Sänger vom Kordigast“ in der Gegend bekannt und beliebt. So bekundete der Bezirksamtmann, dass Franz Josef Ahles' Dichtergabe nicht nur von gewöhnlicher Bedeutung sei. Als er gar ein Gedicht „zum Ruhme der deutschen Kämpfer im südwestafrikanischen Feldzug“ verfasste, blieb selbst die Anerkennung seiner Majestät, des deutschen Kaisers, nicht aus.

Schlicht und besinnlich, getragen von Religiosität, immer auch einer unverkennbaren Heimat- und Vaterlandsliebe, sind seine Verse, und er hatte damit Erfolg, denn sie entsprachen dem damaligen Trend und der Vorstellung von Volkskunst, das heißt von Kunst, die aus dem Volk kommt und fürs Volks bestimmt ist. Damit hob er sich von der akademischen „Elitekunst“ ab. Viele Freunde und Förderer, so Prof. Dippold, wie der Arzt und Vorgeschichtsforscher Dr. Gustav Roßbach und der Lichtenfelser Bauunternehmer Hans Diroll, später auch Landtagsabgeordneter, zählte Ahles zu seinen Weggefährten und Förderern.

Prof. Dr. Günter Dippold nannte es bezeichnend, dass seine Werke noch 1979 und 1995 nachgedruckt wurden. Ein lang anhaltender Applaus würdigte den hochinteressanten geschichtlichen Vortrag des Bezirksheimatpflegers. Viele suchten anschließend das Gespräch mit den Nachfahren von Franz Josef Ahles, die ebenfalls zugegen waren. Mit Musik des „Fränkischen Winds“ klang der Abend aus.

Schlagworte