ALTENKUNSTADT

Nach langer Diskussion: In Altenkunstadt wird ein neues Hallenbad gebaut

Auf dieser Freifläche zwischen der Dreifachturnhalle (li.) und dem Pausenhof der Mittelschule (re. hinter den Bäumen) soll das gemeinsame Lehrschwimmbecken für Alten- und Burgkunstadt sowie Weismain entstehen. Die Gesamtkosten für das Vorhaben belaufen sich auf 5,9 Millionen Euro... Foto: Stephan Stöckel

Grünes Licht für zwei Großprojekte gab der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung am Dienstagabend. Die Gestaltung von Altenkunstadts Neuer Mitte, dem Bereich rund um den Raiffeisenplatz, kostet die Kommune rund 3,67 Millionen Euro, die mit einer Förderung von 90 Prozent rechnen kann. Das würde einem Eigenanteil von 367 000 Euro entsprechen.

5,9 Millionen Euro für das neue Bad

Der zweite, noch größere finanzielle Brocken, der einstimmig verabschiedet wurde, war das gemeinsame Lehrschwimmbecken für Altenkunstadt, Burgkunstadt und Weismain. Dieser Punkt war es auch, der Besucher aus allen drei Kommunen anlockte. Die Kosten für das interkommunale Projekt hatte der Lichtenfelser Architekt Gerd Peter Lauer auf 5,9 Millionen Euro beziffert.

Die Fördermittel für dieses Vorhaben stammen aus dem Finanzausgleichsgesetz (FAG) und sorgen je nach Höhe der Förderung für eine unterschiedlich hohe Deckungslücke, wie Geschäftsstellenleiter Alexander Pfaff vorrechnete: 1,1 Millionen (70 Prozent), 657 000 (80 Prozent) oder 181 000 (90 Prozent). Wie es zu dem Defizit kommt, hatte der Experte, ebenfalls erläutert. Da die förderfähigen Kosten auf maximal 4,7 Millionen Euro begrenzt seien, hatte er von den Gesamtkosten die zugesagten Beträge der beteiligten Kommunen und des Landkreises abgezogen.

Für Weismain springt ein Privatinvestor ein

Letzterer beteiligt sich mit einer halben Million, Alten- und Burgkunstadt mit jeweils 400 000 Euro an dem Lehrschwimmbecken. Weismain darf sich aufgrund seiner hohen Schuldenlast nicht einbringen. Hier springt ein Privatinvestor aus der Nachbarstadt mit 225 000 Euro ein. „Das ergibt eine Zwischensumme von 4,4 Millionen Euro, auf die es eine Förderung von 70, 80 oder 90 Prozent gibt.“

Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) zeigte sich zuversichtlich, dass man einen Zuschuss in Höhe von 80 oder 90 Prozent erreichen werde. Zur Schließung der Deckungslücken kommen für den Bürgermeister drei Möglichkeiten in Frage. Falls die Stadt Weismain, die für ihn erster Ansprechpartner sei, weiterhin keine Erlaubnis zu einer Beteiligung erhalte, kämen nur Spenden oder ein Aufteilung der Summe zwischen Altenkunstadt und Burgkunstadt in Frage.

Wer wird am Ende das neue Hallenbad bezahlen?

Sichtlichen Spaß haben die Grundschüler aus dem östlichen Landkreis beim Schwimmunterricht, den die DLRG im Hallenbad in... Foto: Dieter Radziej

Walter Limmer von der Jungen Wähler Union (JWU) und Ludwig Winkler von den Freien Bürgern der Ortsteile (FBO) warnten vor möglichen Kostensteigerungen, die 1:1 auf Altenkunstadt gingen, so Winkler, oder bei denen am Ende der Bürger die Zeche zahle, wie es Limmer formulierte. Am Ende stimmten auch sie schweren Herzens für das Vorhaben. Melita Braun (CSU) hatte zuvor noch einmal allen ins Gewissen geredet: „Bis zum 20. Juli dieses Jahres sind in Deutschland 250 Menschen bei Badeunfällen ertrunken und wir diskutieren seit 2009 über ein Bad.“

Entstehen soll es auf einer Freifläche zwischen dem Haupteingang der Dreifachturnhalle und dem Pausenhof der Mittelschule. In dem Gebäude soll der Schwimmunterricht aller drei Grundschulen, der Mittelschule Altenkunstadt sowie des Gymnasiums und der Realschule in Burgkunstadt durchgeführt werden. Außerhalb der Unterrichtszeiten steht das Bad der Allgemeinheit zur Verfügung. DLRG und Wasserwacht wollen das Bad gemeinsam betreiben.

Höhenverstellbarer Boden im 25-Meter-Becken

Laut Lauer soll das Becken mit seinem höhenverstellbaren Boden 25 Meter lang und 12,50 Meter breit werden. Folgende Tiefen sind einstellbar: 30, 60, 90, 135 und 180 Zentimeter. Zusammen mit der Kordigasthalle bildet das Lehrschwimmbecken einen Energieverbund. Die Vorzüge erläuterte Ingenieur Bernd Reichenbach vom Ingenieurbüro Reichenbach und Henkel aus dem Burgkunstadter Ortsteil Kirchlein: „Das mit Gas betriebene Blockheizkraftwerk erzeugt Strom und Wärme. Im Verbund kann man es größer auslegen. Das führt zu höheren Erlösen aus dem Stromverkauf und der Eigenstromnutzung.“

Neue Parkplätze für Kunden der Raiffeisenbank

Der Hofer Architekt Hans Greim und die Landschaftsarchitektin Susanne Augsten aus Naila hatten zu Beginn der Sitzung ihr Konzept für die Neugestaltung des Areals rund um die Raiffeisenbank vorgestellt. Herzstück des Areals ist für Augsten der Platz vor dem Alt- und Neubau der Raiffeisenbank. Auf dem Platz wird es einige Parkplätze geben, um Kunden der Bank eine schnelle Erledigung von Bankschäften zu erlauben, was nicht bei allen Gemeinderäten auf Gegenliebe stieß. Sie hätten sich lieber einen verkehrsfreien Platz gewünscht, stimmten aber am Ende dennoch für das Konzept. Auf dem Platz darf nur Schrittgeschwindigkeit gefahren werden. Ein kleiner Springbrunnen sorgt für ein belebendes und kühlendes Element.

Die Weismain wird renaturiert. Ein Teil des Gewässers, der derzeit verrohrt ist, wird den Ausführungen Augstens zufolge wieder renaturiert. Außerdem werden Fußgängerüberwege und Sitzstufen mit Rückenlehnen geschaffen, die zu einem Verweilen rund um den Bach einladen sollen. Es werden kleine Bäume gepflanzt, die Schatten spenden.

Gebäude in der Gerbergasse 10 wird abgerissen

Das Gebäude in der Gerbergasse 10 wird abgerissen. An seine Stelle treten öffentlichen Parkplätze. Entlang der Gerbergasse wird es weiterhin zehn Parkplätze geben. In dem Haus Gerbergasse 2, dessen Obergeschoss leer steht, ist der Einbau von ein oder zwei barrierefreien Wohnungen denkbar. Die bestehende Verkehrsführung in der Gerbergasse wird beibehalten; sie wird zu keiner Einbahnstraße. Allerdings soll ein Fußgängerstreifen baulich oder farblich abgetrennt werden.

Weitere Themen aus dem Gemeinderat kurz notiert

•In den Monaten Juli und August sowie Anfang September hatte der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung ein ganzes Bündel an Aufträgen vergeben. Ein Großteil davon entfällt auf die Sanierung der Altenkunstadt Grundschule. Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) teilte nun der Öffentlichkeit die einzelnen Vergaben mit. Das Weismainer Bauunternehmen Dechant wird die Grundschule zum Preis von 1,3 Millionen Euro sanieren.

•Die Metallbauarbeiten am Gebäude führt die Firma Dulitz mit Sitz in Guben zum Preis von 199496 Euro durch, die Zimmererarbeiten die Firma Fischer aus Burkheim zum Preis von 188857 Euro. Das Dach deckt der Betrieb Domschke aus dem Altenkunstadter Ortsteil Baiersdorf. Kostenpunkt: 107928 Euro.

•Während der Sanierung der Schule werden die Kinder in Container unterrichtet. Für die Baustromversorgung kommt die Firma Herold aus Weismain zum Preis von 11760 Euro auf. Die Hausalarmanlage für die Behelfsunterkünfte stellt das Weismainer Unternehmen RK-Sicherheitstechnik, das der Gemeinde 9758 Euro in Rechnung stellt. Für den Blitzschutz, der 2540 Euro kostet, sorgt die Firma Müller aus Langenwolschendorf im Thüringer Vogtland.

•Die Zimmerei Schuster aus Kasendorf baut und installiert das neue Wasserrad an der Neumühle, dem Wahrzeichen Altenkunstadts. Die Kosten belaufen sich auf 23 746 Euro.

•Die Urnenstelen auf dem Altenkunstadter Friedhof werden von der Firma Kugler aus Lichtenfels zum Preis von 14 574 Euro erweitert.

•In Altenkunstadt kann man auf historischen Pfaden wandeln. Die Erneuerung der Schilder, die allerhand Wissenswertes über die Ortsgeschichte verraten, durch den Burgkunstadter Betrieb Pöhner kostet die Gemeinde 2313 Euro.

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