385 Jahre alte Tradition: die Schwedenprozession in Weismain

385 Jahre alte Tradition: die Schwedenprozession in Weismain
Einmal mehr eine großartige Sache war die traditionelle Schwedenprozession in der Jurastadt. Foto: Roland Dietz

Mit einem großen Einzug bei festlicher Orgelmusik begann die Dankesandacht zur diesjährigen Schwedenprozession. Eine besondere Innigkeit war bei der Andacht zu spüren, als Wortgottesdienstleiter Ferdinand Humbert und Organist Udo Dauer die Grüssauer Marienrufe als Vorsänger intonierten und das Volk darauf „Muttergottes, wir rufen zu dir“ antwortete.

385 Jahre sind die Weismainer inzwischen ihrem Gelöbnis aus dem Dreißigjährigen Krieg treu. Auch in diesem Jahr war die Schwedenprozession ein kirchliches, aber auch ein gesellschaftliches Ereignis.

Dankbarkeit kommt öfter bei Menschen nach Schicksalsschlägen oder schlechten Zeiten zum Ausdruck. Seltener ist es schon und deshalb beachtenswert, dass einem alten Gelübde nach so langer Zeit Rechnung getragen wird. Gerade jüngere Generationen werden sich fragen, was da los war in der Zeit um 1634. Am 24. Oktober 1648 endete ein Krieg, dessen Feldzüge und Schlachten überwiegend auf dem Gebiet des damaligen Heiligen Römischen Reiches stattgefunden hatten. 1618 hatte der Dreißigjährige Krieg begonnen, einer der schlimmsten Konflikte der Menschheitsgeschichte.

Ein Glaubenskrieg und ein Kampf um die Vorherrschaft

Der Konflikt war einerseits ein Glaubenskrieg zwischen der Katholischen Liga und der Protestantischen Union und andererseits ein Kampf um die Vorherrschaft im Heiligen Römischen Reich zwischen dem Habsburger Kaiser und mehreren Landesfürsten im Inneren sowie zwischen dem Reich und europäischen Widersachern wie Frankreich, Dänemark und Schweden im Äußeren. Die Feldherren Albrecht von Wallenstein und Johan Graf von Tilly kämpften auf Seiten des Kaisers und der Katholischen Liga gegen die protestantischen Mächte Deutschlands. Mit den ebenfalls ab 1630 im Krieg beteiligten Schweden und ihrem König Gustav Adolf waren sie die Hauptprotagonisten. Der Krieg fand mit der Schlacht bei Nördlingen 1634 seinen Höhepunkt.

„Die Kronacher kämpfen wie die Teufel, aber ihre Weiber sind neunmal schlimmer!“
Schwedischer Oberst

Die Kriegshandlungen und die durch sie verursachten Hungersnöte und Seuchen hatten ganze Landstriche auch in Franken verwüstet und entvölkert. Schwedische Truppen hatten für längere Zeit ein größeres Lager in Weismain aufgeschlagen. Überliefert ist, dass die Mainrother Kirche im Jahr 1633 nach einem Überfall von schwedischen Reitern in Brand gesteckt wurde. Geplündert wurden das Kloster Langheim und die Mühle in Rothwind öfters, wohl, weil die Besatzer auf der Suche nach Nahrung waren, die in Klöstern oder eben Mühlen eher zu finden war. Es ist nicht sicher, aber wahrscheinlich, dass diese Soldaten zu den Weismainer Besatzern gehört hatten.

Die Stadt Kronach hatte sich wehrhaft gezeigt. Sie konnte nicht von den Schweden eingenommen werden. Selbst die Frauen Kronachs hatten sich in den Auseinandersetzungen nach Kräften erfolgreich gewehrt. Die Legende sagt, dass ein belagernder schwedischer Oberst das Kampfgeschehen um Kronach mit den Worten kommentierte: „Die Kronacher kämpfen wie die Teufel, aber ihre Weiber sind neunmal schlimmer!“ Und so hat heute die Kronacher Schwedenprozession auch eine Besonderheit: Die Frauen dürfen wegen dieser Tapferkeit bei der Verteidigung der Stadt dem Allerheiligsten und den Männern voranschreiten.

In Weismain gibt es drei Versionen über den Abzug der Schweden am 15. August 1634. Lange hatten die Weismainer vergeblich gewartet, dass das kaiserliche Heer ihnen zu Hilfe käme. Deshalb sollen die einfallsreichen Bürger im August 1634 kurzerhand selbst in die Rolle von Soldaten geschlüpft sein. Mit Dreschflegeln, Mistgabeln und Sensen bewaffnet, marschierten sie der Sage nach mit viel Getöse um den Kalkberg herum und wieder auf die Stadt zu.

Weismainer Armee mit Sensen, Dreschflegeln und Mistgabeln

385 Jahre alte Tradition: die Schwedenprozession in Weismain
Die Marienstatue tragen alljährlich Weismainerinnen bei der Prozession.

Die auf der gegenüberliegenden Talseite am Kordigast lagernden Schwedentruppen hielten die Ankömmlinge für die Armee des Kaisers und zogen fluchtartig ab. Der Abzug könnte aber auch mit der Entscheidungsschlacht bei Nördlingen am 6. September 1634 zusammenhängen, da die schwedischen Truppen dort benötigt wurden.

Fest steht auch, dass die Schweden eine Bresche in die Stadtmauer schlagen wollten, um die Stadt zu erstürmen. In ihrer Not suchten die gläubigen Weismainer Zuflucht im Gebet zur Mutter Gottes. So soll – das ist die dritte Version – an diesem Tag eine Marienerscheinung auf der Stadtmauer die feindlichen Soldaten in die Flucht geschlagen haben.

Dank an die Gottesmutter Maria für den Abzug der Schweden

Wie dem auch sei: Die Weismainer danken nun schon seit 385 Jahren und über viele Generationen hinweg mit der Prozession durch die Jurastadt der Gottesmutter Maria und ihrem Schöpfer für den Abzug der schwedischen Soldaten, die Weismain im Dreißigjährigen Krieg belagerten und für Angst, Not und Schrecken sorgten.

Pfarrer Gerhard Möckel trug bei der Prozession unter dem Baldachin die Monstranz. Begleitet von der Weismainer Blasmusik bewegte sich der Zug durch die Von-Rudhart-Straße zum Oberen Tor über den Marktplatz. Es beteiligten sich Ministranten, Erstkommunionkinder, Bürgermeister, Stadt- und Pfarrgemeinderäte, die örtlichen Vereine mit Fahnenabordnungen, die Gläubigen, ferner eine Gruppe von Frauen, die die Statue der Gottesmutter trugen. Neben der Soldatenkameradschaft Weismain waren auch die befreundeten Kameradschaften aus Mistelfeld, Obersdorf, Trieb und Marktgraitz mit Kreisvorsitzendem Udo Rudel, seinem Stellvertreter Jürgen Panzer und Fred Vogler vom Kreisvorstand dabei.

Erst Prozession, dann weltliche Feier im Kastenhof

Nach dem sakramentalen Segen am Ende der Prozession ging es zur weltlichen Feier in den Kastenhof. Bürgermeister Udo Dauer bat alle Weismainer, diese Tradition der Schwedenprozession heilig zu halten. Es sei eine großartige Aufgabe, aber auch Bürgerpflicht, dies an die nächsten Generationen weiterzugeben. Sein Dank galt allen, besonders der Weismainer Soldatenkameradschaft für die Ausgestaltung.

Schlagworte