BURGKUNSTADT

Ein musikalisches Schatzkästchen in der Christuskirche

Ein musikalisches Schatzkästchen in der Christuskirche
Zum traditionellen Schlussbild versammelten sich alle Musiker sowie Sänger im Altarraum der Christuskirche, um sich dem lang anhaltenden Applaus der Besucher des Frühlingskonzerts zu stellen. Foto: ALEX KRAUSS

„Diese Vielfalt ist einfach überwältigend!“ Ein treffenderes Fazit hätte Pfarrer Heinz Geyer am Ende des beeindruckenden Frühlingskonzerts der Chöre und Solisten der evangelischen Kirchengemeinde am vergangenen Sonntag in der Christuskirche nicht ziehen können. Denn hinter dem Pfarrer standen fast 90 Sänger und Musiker im Altarraum. Mit einem minutenlangem Schlussapplaus dankte ihnen das begeisterte Publikum. Nicht nur quantitativ, sondern vor allem qualitativ setzte das Frühlingskonzert neue Standards in der musikbegeisterten Kirchengemeinde.

Dabei bot das rund 90-minütige Programm nahezu alles, was die facettenreiche Kirchenmusik so ausmacht: Vom englischen Minnesang über barocke Tänze bis hin zu afrikanischen Gesängen und einem mitreißenden Boogie am Klavier – das bewusst bunt gehaltene Programm ließ das Publikum geradezu schwerelos zwischen verschiedenen Epochen und Stilrichtungen hin- und herwandern. Dafür verantwortlich war auch die Vielzahl an ausführenden Solisten, Kreisen und Chören, bei der auch einige Premieren gefeiert wurden.

Ein musikalisches Schatzkästchen in der Christuskirche
In die Welt des englischen Minnegesangs des elisabethanischen Zeitalters entführten Katharina Flierl und Erik Schüßler. Foto: ALEX KRAUSS

Dies galt vor allem für den im vergangenen Jahr gegründeten Kinderchor, der unter der Leitung von Katharina Flierl das Konzert eröffnete und sowohl mit dem eingängigen „Heaven is a wonderful place“ als auch beim „Gott schenkt mir diesen neuen Tag“ mit großer Textsicherheit und unübersehbarer Freude am Singen eine gelungene Konzertpremiere feierte. Den dabei vermittelten Schwung griff der Chor „QuerBet“ zusammen mit seinem Leiter Dr. Friedrich Flierl gekonnt auf, als die Sängerinnen und Sänger mit dem Lied „Neno litasimama“ aus Tansania in das Gotteshaus einmarschierten und das große Klangvolumen des Chores auch bei den sich anschließenden „Holy, holy, holy“ und „He?s got the whole world in his hand“ von Jeff Gullien unter Beweis stellten.

Eine 16-jährige Musiker glänzt an Orgel und Klavier

Ein musikalisches Schatzkästchen in der Christuskirche
Einen nachhaltigen Eindruck hinterließ die Ppremiere der 16-jährigen Lavinia Richter beim Frühlingskonzert der evangelis...

Im Anschluss wurde dem Publikum ein kompletter musikalischer Richtungswechsel abverlangt, als nach den mitreißenden Gesängen plötzlich Johann Sebastian Bachs berühmtes „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ von der Orgel der Christuskirche erklang. Das Besondere daran: Dort saß mit Lavinia Richter eine gerade einmal 16-jährige Musikerin, die Bachs Kantate derart sicher und präzise präsentierte, dass das Publikum umgehend erkannte, welch großes Ausnahmetalent da die Register zog. Dass dieser wie auch all die noch folgenden Stilwechsel bemerkenswert nahtlos verlief, war nicht zuletzt der hohen musikalischen Qualität der Beiträge geschuldet. Das galt auch im weiteren Verlauf für Lavinia Richter, die nach ihrer imposanten Premiere an der Orgel wenig später ans Klavier wechselte, um hier sowohl beim „Maple Leaf Rag“ von Scott Joplin als auch bei „Alexander?s Boogie Band“ von Manfred Schmitz mit teils atemberaubenden Tempo ihre technischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Dazwischen präsentierte der Flötenchor einen nachhaltigen „Schnelldurchlauf“ der Kirchenmusikhistorie, indem man mühelos einen imposanten Bogen von barocken Stücken Pergolesis über Träumerisch-Romantisches von Mendelssohn-Bartholdy bis hin zu Modern-Fetzigem von Scott Joplin spannte. „Für diese anspruchsvollen Stücke haben wir nicht nur Wochen, sondern viele Monate intensiv proben müssen“, erläuterte Chorleiterin Susi Schliefer die damit verbundenen Mühen, die sich mehr als ausgezahlt hatten. Denn die Holzbläserinnen und -bläser lieferten hier ein wahres Meisterstück ab.

„Für diese anspruchsvollen Stücke haben wir nicht nur Wochen, sondern viele Monate intensiv proben müssen.“
Susi Schliefer, Leiterin des Flötenchors

Gleiches galt für den Posaunenchor unter der Leitung von Thomas Meyer, der sich ebenfalls sicher zwischen unterschiedlichen Stilwelten bewegte. Dieter Wendels „Nähme ich Flügel der Morgenröte“ hatte geradezu melancholische Züge, während der Chor beim „Tough Stuff“ von Michael Schütz seine rhythmischen Fähigkeiten unter Beweis stellte und später bei Sätzen von Pezelius und Gibbons seine barocke Seite zeigte. Doch damit nicht genug: Denn während ein Großteil des Konzerts von „kirchenmusikalischen Laien“ gestaltet wurde, gab es auch ausreichend Raum für Professionalität. Etwa bei der Partita über „Ach was soll ich armer Sünder tun“ aus der Feder von Johann Pachelbel durch Thomas Meyer an der Orgel, der mit sicherem und ausdrucksvollem Spiel ebenso begeisterte wie Susi Schliefer bei Veracinis „Sonata prima“ an der Querflöte.

Schwereloser Wechsel zwischen den Musikstilen

Dass sie ihre eindrucksvollen Fähigkeiten an diesem Instrument auch an folgende Generationen weitergibt, unterstrich der Auftritt des von ihr geleiteten Querflötentrios zu Tschaikowskys berühmten „Marsch aus der Nussknackersuite“. Komplettiert und veredelt wurde all dies durch den Gesang Katharina Flierls. Die ausgebildete Mezzosopranistin widmete sich mit drei Beiträgen von John Dowland ausdrucksstark dem englischen Minnesang des elisabethanischen Zeitalters und wurde dabei von Erik Schüßler einfühlsam an der Konzertgitarre begleitet.

„Auf Sie wartet ein abwechslungsreiches und gut gefülltes Programm“, hatte Thomas Meyer bei seiner Begrüßung dem Publikum prophezeit. Er hatte nicht zu viel versprochen. Dass diese 90 Minuten wie im Flug vergingen, unterstrich zugleich, wie gerne man sich dieser musikalischen Zeitreise gestellt hatte.

Schlagworte