BURGKUNSTADT

Burgkunstadt: Als der „Böhra“ zum Umtrunk einlud

Eine Stück Bierkultur überliefert diese historische Aufnahme des Burgkunstadter Marktplatzes. Bei den Häusern auf der rechten Seite ist der Böhra (Bierstab) eingeklappt als Zeichen dafür, dass es an diesem Tag kein frisches Bier gab. Foto: Roland Dietz

Das Bierbrauen hat in Burgkunstadt eine lange Geschichte. Spannend war daher eine Führung mit Bierbotschafter Jörg Birk. Aktuelles und Geschichtliches rund um den Gestensaft präsentierte er kurzweilig. Mehr als 20 Interessierte hatten sich am Marktplatz eingefunden, um zunächst einige markante Plätze aufzusuchen.

Das Braurecht erhielt die Stadt Burgkunstadt im Jahr 1400, wie Jörg Birk erklärte. Alle 48 Vollbürger der Stadt durften fortan den Gerstensaft herstellen. Damit war auch eine Art Bier-Monopol, der sogenannte „Bierzwang“ oder „Bierbann“ geschaffen. Wer im Amtsbezirk Burgkunstadt wohnte, hatte sein Bier auch von dort zu beziehen. Nur das Brauen für den eigenen Bedarf war allen Bürgern gestattet. Dieser Bierzwang führte natürlich zu Streit.

Blutiger Kampf um das Kirchweihbier in Neuses

Die Burgkunstadter fochten zwischen 1666 und 1880 zahlreiche „Bierkriege“ – bewaffnete Fehden – aus, um ihr Bier-Monopol zu verteidigen. Bei diesen „Feldzügen“ schlossen sich gerne auch Bürger anderer Ortschaften an, weil das beschlagnahmte „Fremdbier“ an Ort und Stelle „vernichtet“ werden durfte und nur die nicht getrunkenen Reste nach Burgkunstadt zurückzubringen waren. Zum blutigen Höhepunkt der Bierkriege kam es im Juli 1783, als die Neuseser 120 Liter Kirchweihbier nicht aus Burgkunstadt bezogen hatten. Dabei gab es zahlreiche Verletzte.

Gebraut wurde reihum im Kommunbrauhaus am Schindgraben, das an die obere Stadt angrenzte. Ein neues Kommunbrauhaus wurde 1814 erbaut. Die beschäftigten Arbeiter vertilgten dabei 600 Liter Bier und 150 Kilo Fleisch. Im Laufe der Zeit errichteten einzelne Brauer eigene Brauhäuser und das Kommunbrauhaus verlor nach und nach seine Bedeutung. Das Bier reifte im eigenen Felsenkeller. Wenn es in Ordnung war, wurde es abgeholt, die Stube sauber gemacht und der sogenannte „Böhra“ (Ausleger oder Bierstab ) ausgeklappt. So wusste jeder, dass im Hause frisches Bier angeboten wurde. Hatten 1857 noch 24 Brauer das Kommunbrauhaus genutzt, waren es 1900 nur noch zwölf und 1950 nur sechs. Der letzte Benutzer war 1963, 1967 wurde es geschlossen und 1977 verkauft. Kerling braute noch einige Zeit weiter im eigenen Haus. Damit endete eine 577 Jahre dauernde Ära.

Legendär war das im Volksmund sogenannte „Bermudadreieck“ in der unteren Stadt, wo die drei Brauereien Pfeuffer, Günther und Püls, später Gick, ansässig waren. „Es ist zwar niemand für immer verschollen, aber in dieser Straße blieben viele so lange hängen, bis manche verzweifelte Ehefrau dem Spuk ein Ende bereitete“, sagte Jörg Birk.

Gebraut wird in Burgkunstadt noch von der 1840 gegründeten Brauerei Günther. Dort angekommen, erklärte Jörg Birk bei einer kleinen Bierprobe Wissenswertes über die Herstellung von Bier. So berichtete er, dass schon die alten Babylonier und Ägypter Bier brauten. Auch im Mittelalter spielte Bier eine große Rolle – allerdings mit anderen Rohstoffen als jetzt. „Grundsätzlich gilt, wo man mehr Getreide angebaut hat, wurde mehr Bier gebraut“, betonte Jörg Birk. In Klöstern wurde regelmäßig gebraut.

Fantasievolle Zusätze wie Tollkirschen sollten das Bier verbessern

Die Bierinteressierten vor dem Haus der Familie Kerling, den noch der Böhra schmückt. Foto: Roland Dietz

Wenn im Mittelalter das Bier nicht gelungen war und sehr herb war, wurde der Brauer mitunter der Ketzerei bezichtigt, was sogar zur Todesstrafe führte. Mit verschiedensten Mitteln versuchten die Brauer das Bier zu verbesser. Sogar Tollkirschen wurden zugegeben, was nicht nur zum Rausch, sondern zu Halluzinationen führte. Daher wurde in Bayern im April 1516 das Reinheitsgebot erlassen, nach dem zur Herstellung des Bieres nur Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden dürfen. Dass es sich um Gerstenmalz zu handeln habe, wurde später eingefügt. Von der Rolle der Hefe wusste man damals noch nichts. Die erste Erwähnung der Bezeichnung „Reinheitsgebot“ ist in einem Sitzungsprotokoll des bayerischen Landtags vom 4. März 1918 belegt. „Dieser Erlass aus dem Jahr 1516 hat alle Biertrinker bis heute vor schlechtem Bier bewahrt“, meinte Jörg Birk.

Durch unterschiedlich stark gedarrte Braumalze entstehen helle bis dunkle Biere. Als Weizenbier oder Weißbier werden Biere bezeichnet, die mit Weizen oder Weizenmalz hergestellt werden. Derartige Biere werden auch mit Gerste oder Roggen gebraut. Im Anschluss führte Brauereichef Peter Günther durch sein Unternehmen.

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