ALTENKUNSTADT

„Kultur der Altenpflege“ gefordert

Der Osterhase hatte die vergangenen Tage zwar Stress, die Senioren der katholischen Kirchengemeinde Altenkunstadt vergaß er aber trotzdem nicht. Für jeden Besucher gab?s ein kleines Geschenk. Foto: Bernd Kleinert

Gedanken zum Thema „Einsamkeit muss nicht sein!“ standen im Mittelpunkt eines Seniorennachmittags der katholischen Kirchengemeinde. Unter den zahlreichen Frauen und Männern, die den frühlingshaft geschmückten Pfarrsaal nahezu komplett füllten, waren auch Gäste aus der Kuratie Maineck.

„Sitzt jemand im Rollstuhl, kann er doch trotzdem an unseren Seniorennachmittagen teilnehmen.“
Steffi Deuerling, Seniorenbetreuerin

„Früher haben Kinder und Jugendliche noch draußen gespielt, den ganzen Ort zum Spielplatz gemacht und waren nie einsam“, sagte Seniorenbetreuerin Steffi Deuerling, die zusammen mit Elisabeth Wiehle, Rosanne Tucakovicz und Anni Gückel die Meditation gestaltete. Heute hingegen seien junge Leute mit sich selbst beschäftigt: „Sie schauen auf ihr Smartphone und nicht in die Augen des anderen.“ Sie speicherten bei Facebook, Twitter und Co. Hunderte von Freunden, hätten im realen Leben oft jedoch keinen einzigen. Im Alter würden sie einmal sehr einsam sein.

Vereinsamt und verbittert

„Aber auch alte Menschen klagen über Einsamkeit. Diese kann vorübergehend sein wie etwa bei einem Krankenhausaufenthalt oder nach dem Auszug der Kinder“, führten die Frauen aus. Sie könne aber auch Folge eines allmählichen Rückzugs sein, weil die Fähigkeit, Kontakt aufzunehmen, abnimmt, oder weil man meint, nicht mehr liebenswert zu sein. Der Betreffende gehe nicht mehr auf andere zu, er verkrieche sich, könne verbittern und so den Eindruck vermitteln, er wolle keinen Kontakt mehr. Es sei ein tragisches Missverständnis, zu glauben, man sei nicht mehr „in“. Dies könne die Isolation verstärken und auf Grund mangelnder Kommunikation die geistigen Fähigkeiten verkümmern lassen.

Nach Ansicht der Rednerinnen bedarf es einer „Kultur der Altenpflege“. Damit sei aber nicht die Pflege in einem Seniorenheim oder auf der Krankenstation gemeint, sondern der Respekt vor alten Menschen und ihre Einbeziehung in das Alltagsleben. Ein Anfang in die richtige Richtung sei gemacht: „Es entstehen Mehrgenerationenhäuser, und man erkennt, dass alte Menschen Erfahrungen weitergeben können.“ Manche Senioren böten sich als Geschichtenerzähler oder Kinderbetreuer an.

Aber was ist, wenn es mit der Gesundheit nicht zum Besten steht? Das eigene Wollen und Erkennen bleibe auch dann die Voraussetzung für neue Wege. „Was hindert uns daran, Nachbarn und Bekannte auf einen Kaffee einzuladen? Und sitzt jemand im Rollstuhl, kann er doch trotzdem an unseren Seniorennachmittagen teilnehmen. Dafür bieten wir in Zusammenarbeit mit dem Malteser-Hilfsdienst einen Fahrdienst an“, erklärte Steffi Deuerling.

Soziale Interaktion stärke das Wohlbefinden, vermehre den Ausstoß von Glückshormonen und verzögere das Altern. Dennoch sei es wichtig, das Alleinsein zu üben: „Man macht sich dadurch unabhängig von anderen, lernt, mit sich selber auszukommen, und nimmt seine Umwelt intensiver wahr.“ Ein Mensch, der allein ist, müsse nicht automatisch einsam sein.

Nächster Seniorentreff am 9. Mai

Gedanken und Gedichte rund um den Frühling standen im Mittelpunkt des zweiten Teils. Zur Stärkung gab es Kaffee, Krapfen, Gebäck und belegte Brötchen. Alle Besucher erhielten ein kleines Ostergeschenk. Steffi Deuerling dankte den Helfern und lud zum nächsten Seniorennachmittag am Donnerstag, 9. Mai, ein. Er beginnt um 14 Uhr im Pfarrsaal und steht im Zeichen des Muttertags.

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