CHW-Vortrag in Weismain über Goethe und Granit

WEISMAIN

CHW-Vortrag in Weismain über Goethe und Granit

Nicht nur als Dichter hat Johann Wolfgang von Goethe Maßstäbe gesetzt, sondern auch als leidenschaftlicher Naturforscher. „Goethe und Granit“ lautete das Thema eines Vortrags von Diplomgeologe Dr. Friedrich Leitz aus Redwitz bei der CHW-Ortsgruppe Weismain in der Umweltstation.

Schon beim Einlass bewunderten die zahlreichen Zuhörer Gesteinsbrocken von Roteisenerz, Quarz, Kalktuff, Feldspat und Brauneisenerz. Auf einige kam der Geologe in seinem Vortrag zurück. Was hat der Dichter der Deutschen mit Geologie und Gestein zu tun? Der Geologe verglich die Forschungen Goethes über den Granit, den er zum Beispiel im Harz und im Fichtelgebirge erkundete, mit modernen Erkenntnissen. Tatsächlich sammelte Goethe mit Begeisterung Steine. Er befasste sich über Jahrzehnte hinweg mit Gesteinen, und besonders mit dem Granit. Es ging ihm dabei auch um die Frage, wie die Gesteine und die Gebirge entstanden sind.

Faust und Mephisto disputieren über die Entstehung der Erdoberfläche

Goethe kam als Forschungsreisender öfter in den Harz, um Geologie und Bergbau zu erkunden. Die Eindrücke seiner Reisen inspirierten auch sein literarisches Schaffen. Besonders das Drama „Faust“ wurde deutlich von seinen Harzer Erfahrungen geprägt und viele Szenen in dieses Gebirge mit „Hochgebirge, starren, zackigen Felsengipfeln“ verlegt. Dort beginnt Faust mit Mephistopheles einen Diskurs über die Entstehung der Erdoberfläche, speziell des Hochgebirges, das durch teuflische Gase geprägt worden sei. Der Zeitgeist im 18. Jahrhundert ließ den Menschen vieles, was Groß erschien, mit dem Begriff Teufel in Verbindung bringen. Teufelsgräben Teufelstische oder Teufelshöhlen waren einfach unheimlich.

Als überzeugter Neptunist war Goethe der Ansicht, dass alle Steine Kristallisationsprodukte aus dem Urmeer sind. Deshalb sah er im Granit und dem Brocken eine steinerne Symbolik. „Jeder Weg in unbekannte Gebirge bestätigte die alte Erfahrung, dass das Höchste und das Tiefste Granit sei, dass diese Steinart, die man nun näher kennen und von andern unterscheiden lernte, die Grundfeste unserer Erde sei, worauf sich alle übrigen mannigfaltigen Gebirge hinauf gebildet haben“, schrieb Goethe 1784. Das Feuer der Vulkane komme keineswegs von tief innen, es werde genährt von brennenden Kohlelagern, der Erdkern sei aus hartem Stein. Diese Lehre nannte sich Neptuniums und wurde von beiden Kirchen und Johann Wolfgang von Goethe verfochten. Für die Neptunisten wie Goethe und seinem Freund dem Oberberghauptmann Friedrich Wilhelm Heinrich von Trebra war der Granit das älteste Gestein und die gesamte Erdkruste durch Ablagerung aus dem Wasser gebildet worden.

Der Dichter und sein Freund auf Gesteinsexkursion

Doch auch Goethe musste feststellen, das andere Entstehungen möglich sind. Gesteine und Quarze sind ständigen Metamorphosen unterworfen. Zusammen mit Trebra sammelte er Gesteinsproben unterschiedlich gefärbter Granitarten im Harz. Mit Grauwacke, Tonschiefer und Quarzen entdeckten sie noch weitere Gesteine. Diese ließen dann den Schluss zu: „Forschender Geist lässt sich von allem Berechenbaren nicht ausschließen.“