BURGKUNSTADT

Eine Weltreise mit dem Hackbrett in Burgkunstadt

Eine Weltreise mit dem Hackbrett in Burgkunstadt
Rudi Zapf am Hackbrett und Ingrid Westermeier an der Gitarre begeisterten das Vogteipublikum. Foto: Gerda Völk

Der vogteieigene Flügel hatte diesmal für ein Pedalhackbrett den Platz geräumt. Wer allerdings mit einem eher beschaulichen Nachmittag gerechnet hatte, der hatte sich geirrt. Rudi Zapf, der zu den bekanntesten Hackbrett-Virtuosen überhaupt zählt, überzeugte durch eine schier unerschöpfliche Virtuosität, die gepaart mit einem außerordentlichen Repertoire die Besucher des Kultursonntags in überirdischen Sphären schweben ließ.

Mit Weltmusikpreis ausgezeichnet

Der in München geborene Künstler erhält im Juli auf dem Rudolstadt-Festival den Weltmusikpreis RUTH für sein Lebenswerk und seine Verdienste um die Popularisierung des Hackbretts. Im Duo tritt Rudi Zapf seit 35 Jahren mit Ingrid Westermeier (Gitarre) in vielen Konzertsälen der Welt auf. Beide sind zum ersten Mal bei den Kultursonntagen und damit auch in Burgkunstadt. Obwohl sie vor mehr als 30 Jahren schon einmal in Coburg gespielt haben sollen. „Aber so genau erinnern wir uns nicht mehr daran“, scherzt Rudi Zapf.

Mit trockenem Humor und atemberaubendem Tempo

Sein trockener Humor und seine entwaffnende Natürlichkeit kommen gut beim Publikum an. Ebenso sein unglaubliches Tempo. Trotz eines relativ kleinen Schlegels trifft er immer die richtigen Saiten. Sein Pedalhackbrett besitzt davon exakt 111.

„Von Europa nach Südamerika“ heißt ihr Programm. Beide Musiker nehmen ihre Zuhörer mit auf eine Reise, die von Irland über Finnland, Spanien nach Südamerika und wieder zurückführt. Seine außergewöhnliche Virtuosität beweist Rudi Zapf gleich bei den ersten Stücken, als er mit einem unglaublichen Tempo über die Saiten wirbelt. Laut Vorankündigung sollen es 666 Anschlägen pro Minute sein. In manchen der irischen Stücke mischen sich Töne, die an einen Dudelsack erinnern. Ein Lied beschreibt, wie der Wind über ein Gerstenfeld streicht. Ein anderes kündet von der heiteren Atmosphäre eines Heiratsmarktes.

Es gibt viel zu lernen

Weiter geht die Reise nach Finnland. Hier haben Zapf und Westermeier ein Stück aus einem Klavierbuch für Hackbrett und Gitarre umgeschrieben. Die Zuhörer erfahren auch, dass man Helsinki mit Sonnenuntergang übersetzen kann. Demnach müsste Sonnenaufgang auf Finnisch logischerweise „Helsteigi“ heißen. Bei den Kultursonntagen kann man noch etwas lernen.

Wenn die Mandoline flirren und die Geigen schluchzen

Von Helsinki geht es nach Sankt Petersburg und von da nach Spanien. Rudi Zapf versteht es, die Besonderheiten der einzelnen Länder musikalisch herauszuarbeiten. Mandolinenklänge sind es in Italien, schluchzende Geigen erinnern an Zigeunermusik, und ein ruhiges Stück erinnert an japanische Zen-Musik.

Rudi Zapf kann heuer sein 40-jähriges Bühnenjubiläum feiern. Er verbindet oft verschiedene Stile miteinander und lässt so etwas völlig Neues entstehen. Weltmusik sozusagen. Ingrid Westermeier steht ihm in nichts nach. Sie spielt nicht einfach nur Gitarre – sie zupft, klopft und trommelt und lässt sich auf Zapfs Tempo ein. Sehr zur Freude des Publikums. Ob allerdings das sogenannte Schallloch in der Gitarre seiner Partnerin nur dazu da ist, dass wenn etwas hineinfällt es wieder herauskommen kann, darf bezweifelt werden.

Ein schönes Konzert mit zwei gut aufgelegten Künstlern, die am Ende viel Applaus erhielten.