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Baur-Gruppe Burgkunstadt will mit Digitalisierung punkten

Baur-Gruppe Burgkunstadt will mit Digitalisierung punkten
Zum letzten Mal legte Albert Klein (2. v. li.) als Sprecher der Baur-Geschäftsführung die Jahresbilanz vor. Ab Mitte des Jahres wird Patrick Boos (li.) das Steuerrad der Baur-Gruppe in Händen halten. Ihm zur Seite stehen Hans-Christian Müller (3. v. li.) und Olaf Röhr. Foto: Gerda Völk

„Im Vordergrund steht ein moderater Umsatz mit einem beständigen, soliden Ergebnis“. Mit diesen Worten fasste Albert Klein, der Vorsitzende der Baur-Geschäftsführung, im Jahrespressegespräch in Weismain das Ergebnis des Geschäftsjahr 2018/2019 zusammen. Die Baur-Gruppe habe den Erfolg aus dem Vorjahr bestätigt und damit erneut ihre Position als zuverlässiger Umsatz- und Ergebnisträger innerhalb der Otto Group bekräftigt. Der Netto-Umsatz stieg um moderate 1,3 Prozent auf 817 Millionen Euro.

Während sich der Online-Shop baur.de erfreulich entwickelt habe, blieben Unito und Baur Fulfillment Solutions (BFS) hinter den ehrgeizigen Erwartungen zurück. „Damit haben wir sowohl den hohen Vorjahreswert als auch unseren Umsatzplan übertreffen können“, erklärte Albert Klein. Der Vorjahresumsatz lag bei 806 Millionen Euro. Die Steigerung sei einerseits einem moderaten Wachstum, andererseits der veränderten Systematik in der Rechnungslegung geschuldet. Danach müssen Erlöse aus Kundenfinanzierungen berücksichtigt werden, die mit 50 Millionen Euro zu Buche schlagen.

400 neue Arbeitsplätze in drei Jahren und weitere 100 heuer

Der langfristige Wachstumskurs schlägt sich auch im Personalstand nieder. Zum Ende des Geschäftsjahres 2018/2019 (Stand 28. Februar) stieg die Zahl der Mitarbeiter in der Baur-Gruppe um 132 Beschäftigte auf 4201. Davon arbeiten 3791 Mitarbeiter an oberfränkischen Standorten mit Schwerpunkt in Burgkunstadt, Altenkunstadt und Weismain. Innerhalb von drei Jahren entstanden 400 neue Arbeitsplätze. „Der größere Anteil unserer Belegschaft kommt aus Oberfranken, aber wir beschäftigen auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 48 unterschiedlichen Ländern“, teilte Klein mit. Und es sollen noch mehr werden. Für dieses Jahr plant die Baur-Gruppe die Einstellung von 100 neuen Mitarbeitern.

Sehr zufrieden ist Albert Klein mit der Entwicklung des Online-Shops baur.de. Trotz rückläufigem Markt und denkbar schwieriger Rahmenbedingungen behauptete sich das Kernsortiment Fashion auf dem Vorjahresumsatz. Das Möbelgeschäft blieb knapp unter dem Vorjahr, während der Bereich Technik zweistellig zulegte. „Interessant sind dabei die rasanten Veränderungen im Bestellverhalten unserer Kundinnen und Kunden“, erklärte Albert Klein.

„Interessant sind dabei die rasanten Veränderungen im Bestellverhalten unserer Kundinnen und Kunden. Die Baur-App legte um 80 Prozent zu.“
Albert Klein, Vorsitzender der Geschäftsführung

Während sich die Umsätze über PC um drei Prozent reduzierten, legte die 2016 eingeführte Baur-App um 80 Prozent zu und Smartphones verzeichneten ein Plus von 26 Prozent. Aus Rentabilitätsgründen ist Baur Fulfillment Solutions (BFS) vom Vorhaben abgerückt, für den Großkunden s.Oliver Group in Nordrhein-Westfalen einen eigenen Standort zu betreiben. Das Dienstleistungsunternehmen habe zwar den Umsatz gesteigert, allerdings nicht das gesteckte Ergebnisziel erreicht, bedauerte Klein.

Baur-Gruppe Burgkunstadt will mit Digitalisierung punkten
Haben ihre Wurzeln nicht vergessen (v. re.): Albert Klein, der Vorsitzende der Baur-Geschäftsführung, Hans-Christian Müller (Geschäftsführer Kaufmännische Steuerung), Patrick Boos (Geschäftsführer Marke & Vertrieb und designierter Vorsitzender) und Olaf Röhr (Geschäftsführer Abwicklung & Dienstleistung). Foto: Gerda Völk

Das Pressegespräch fand erstmals im neu gestalteten Coworking Space „Freiraum“ in einem Teilbereich des Baur-Verwaltungsgebäude statt. Er zeigt am deutlichsten die massiven Veränderungen der Baur-Gruppe. Aus dem einstigen Schuhversand ist ein Unternehmensverbund geworden, der sich auf Online-Handel und Dienstleistungen konzentriert. Im „Freiraum“ treffen sich Mitarbeiter zum Erfahrungsaustausch, wie berichtet. „Diese neue agile Arbeitswelt ist ein zentraler Mittelpunkt der Baur-Gruppe“, erklärte Klein, für den es die letzte Bilanzpressekonferenz war.

Sein designierter Nachfolger Patrick Boos, Geschäftsführer des Ressorts „Marke & Vertrieb“, sprach von „großen Fußstapfen“, die Klein ihm hinterlassen habe und die es nun auszufüllen gelte. Patrick Boos sieht sich in Konkurrenz mit den großen amerikanischen E-Commerce-Unternehmen wie Amazon oder Walmart. Er möchte das derzeitige Angebot von 600 000 Artikeln weiter ausbauen und den Mehrwert für den Kunden erhöhen. Patrick Boos plant auch den Ausbau von Aniston zur Dachmarke und den verstärkten Einsatz weiterer digitaler Möglichkeiten.

Ausbau eines weiteren Logistikzentrums in Sonnefeld

„Die Entscheidung für Sonnefeld ist gefallen“, teilte der Vorsitzende der Baur-Geschäftsführung, Albert Klein mit. Das ehemalige Chromo-Gebäude plant die Baur-Gruppe zu einem weiteren Logistikzentrum auszubauen. Derzeit arbeiten rund 350 Beschäftigte am Standort Sonnefeld für den Versandhändler. Weitere Arbeitsplätze sollen entstehen.