WEISMAIN

CHW-Vortrag über die Baumeisterdynastie Dientzenhofer

CHW-Vortrag über die Baumeisterdynastie Dientzenhofer
Das Jagdschloss im Weismainer Kastenhof, erbaut von Leonhard Dientzenhofer. Foto: Roland Dietz

Es war schon etwas Besonderes, der Vortrag des CHW im Schönbornsaal. So war die Geschichte der Baumeisterfamilie Dientzenhofer Thema des Abends. Hochstiftsbaumeister Leonhard Dientzenhofer, der aus dieser Familie stammt, hatte das Amtshaus mit Schönbornsaal in Weismain im Auftrag von Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn errichtet. Dieser nutze es, wenn er sich in Weismain zur Jagd aufhielt. Deshalb auch der Beiname „Jagdschloss“.

Kunsthistoriker Robert Schäfer erklärte, dass die Familie unter den Baumeistern der Barockzeit in Bayern und Hessen sowie Franken, Schlesien der Oberpfalz und Böhmen eine herausragende Stellung eingenommen habe. Die Wurzeln der Dientzenhofers sind bei Bad Aibling-Gundesburg und Braunenburg im Inntal zu finden. Stammvater war Georg der mit seiner Frau Barbara sechs Söhne hatte. Technisch meist hochbegabt, seien sie aber nicht Architekten im heutigen Sinn gewesen. Vielmehr hatten sie Handwerksberufe, wie Mauer oder Steinmetz, in Meisterbetreiben erlernt. So sind sie ob ihres Könnens durch Mundpropaganda nach oben gekommen. Dass sie zusammen mit einem Floß nach Passau gekommen sind und von dort aus ihr Können im Süddeutschen Raum aufleben ließen, scheint doch mehr Märchenhaft zu sein. So waren die Altersunterschiede der Brüder zu groß.

Trauzeugen in Prag

Der Baumeisterfamilie Dientzenhofer werden fünf Brüdern und zwei ihrer Söhne zugerechnet: Georg Dientzenhofer (1643–1689), Wolfgang Dientzenhofer (1648–1706), Christoph Dientzenhofer (1655–1722), sein Sohn Kilian Ignaz Dientzenhofer (1689–1751), Leonhard Dientzenhofer (1660–1707 sowie Johann Leonhard Dientzenhofer (1663–1726) und sein Sohn Justus Heinrich Dientzenhofer (1702–1744). Georg Dientzenhofer (1643–1689) ging 1678 auf die Walz und kam nach Prag, wo in den Bauhütten von Abraham Leuthner, Carlo Lurago und anderen Baumeistern reichlich Arbeit vorhanden war. Auch seine Brüder sind 1678 in Prag gewesen, als sie in diesem Jahr an der Hochzeit ihrer Schwester Anna mit Wolfgang Leuthner, einem Verwandten des Baumeisters Abraham Leuthner, als Trauzeugen anwesend waren.

Dreiecke im Kreis

Zusammen mit Abraham Leutner schuf Georg von 1985 bis 1704 die Klosterstiftskirche in Waldsassen. Das heißt, dass diese erst nach dem Tode Georg Dientzenhofers fertiggestellt wurde. Als besonderes Werk Georg Dientzenhofers ging die „Dreifaltigkeitskirche Kappl“ in der Oberpfalz in die Geschichte ein. Den Innenraum bilden drei Konchen, die sich um ein gedachtes gleichseitiges Dreieck legen. Der Grundriss war in gleichseitigen Dreiecken im Kreis angeordnet. Über den dreimal drei Altären wölben sich drei Halbkugeln und in den drei Ecken des Grundrisses stehen drei Säulen. Die Fertigstellung des Baus erlebte der Baumeister leider ebenfalls nicht mehr mit.

Bamberger Hofbaumeister

Nicht so bekannt wurde Wolfgang Dientzenhofer (1648–1706). Nach seinen Plänen wurde die alte romanische Klosterkirche in Speinshardt abgebrochen und in ein barockes Kleid gelegt. Der Rohbau war 1696 vollendet. Auf sein Schaffen geht auch die Klosterkirche in Weißenlohe aus dem Jahr 1707 zurück. Die Kirchenräume sind dabei sehr schlicht gehalten. Christoph Dientzenhofer war sehr begabt. Dies erschließt sich bei Bauten wie der St. Nikolauskirche in Prag. Durch starke horizontale Gliederung und Baudynamik verändert Lichteinfall immer wieder die Sichtweise auf die Bauten.

Am produktivsten scheint der Bamberger Hofbaumeister Leonhardt Dientzenhofer gewesen zu sein. Die Klosterkirche „Schöntal an der Jagst“ und die „Neue Residenz“ in Bamberg zählen zu seinen bekanntesten Arbeiten. Für die hiesige Region sicherlich das bekannteste Gebäude der Familie ist der Kastenhof in Weismain. Ein großer talentierter Baumeister seiner Zeit war Johann Dientzenhofer. Dieser hatte jedoch kein wirtschaftliches Geschick bei der Berechnung seiner Baukosten, die er im Falle von Mehrkosten oft selbst begleichen musste. Kloster Banz und die Stiftskirche in Fulda entstanden, nachdem der Meister in Italien verweilt hatte und sich dort entsprechende Bauwerke angeschaut hatte. Ohne Banz hätte es Vierzehnheiligen in seiner Form nicht gegeben. Es sind barocke Reizüberflutungen entstanden.

Glanzstück des fränkischen Barock

Höhepunkt seines Schaffens war aber der Bau von Schloss Weissenstein. Das Schloss ist ein repräsentatives Glanzstück des fränkischen Barock. Zumindest an der Planung hat auch der Wiener Hofbaumeister Johann Lucas von Hildebrandt mitgearbeitet. Die Bauführung unterstand dem Jesuitenpater Nikolaus Loyson. Den außergewöhnlichen Marstall hat Maximilian von Welsch errichtet. Das doppelläufige Treppenhaus in französischem Stil setzte neue Maßstäbe. Justus Heinrich Dientzenhofer (1702–1744), der Sohn von Johann Dientzenhofer, erbaute von 1742 bis 1743 das Lichtenfelser Rathaus im damals üblichen Stil. Auftraggeber war nicht das Magistrat sondern der Hochstift Bamberg mit Fürstbischof Karl Friedrich Reichsgraf von Schönborn Buchheim. Kilian Ignaz Dientzenhofer (1689–1751) war als Baumeister hauptsächlich in Böhmen tätig und schuf dort eine Reihe bedeutender Kirchen und Klostergebäude. Auch er war kein guter Wirtschaftler und war sogar im Gefängnis gewesen schildert Robert Schäfer den Sohn von Christoph Dientzenhofer. Unter den Baumeistern der Barockzeit nimmt die Familie Dientzenhofer eine herausragende Stellung ein. Rund 250 Bauten schufen die fünf Brüder und ihre Söhne, einige davon gelten als Schlüsselwerke des Barock und sind einzigartige Kunstwerke.

CHW-Vortrag über die Baumeisterdynastie Dientzenhofer
Robert Schäfer bei seinem Vortrag.

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