ALTENKUNSTADT

Familienwallfahrt: Was Martern und Bäume erzählen

Mehr als 30 Kinder, Jugendliche und Erwachsene, darunter auch Gäste aus anderen Pfarreien, beteiligten sich an der winterlichen Familienwallfahrt der katholischen Kirchengemeinde Altenkunstadt. „Auf alten Wallfahrtswegen unterwegs“ lautete das Motto der von Pastoralreferentin Birgit Janson hervorragend organisierten Pilgertour. Förster Ludwig Winkler aus Woffendorf versorgte die Teilnehmer mit naturkundlichen Informationen.

Von Giechkröttendorf aus marschierten die Wallfahrer durch den Pfauengrund. Ludwig Winkler erläuterte die geologischen und botanischen Besonderheiten dieses „Fleckchens Erde“, wo die typische Gesteinsschichtung des Jura zu Tage tritt. Feldmartern, Bildstöcken und Wegkreuzen wurde besonderes Augenmerk gewidmet. „Diese erinnern nicht nur an längst vergangene Zeiten, sondern unterstreichen auch die Bedeutung dieses Wallfahrtswegs“, betonte der Förster.

Zeichen des Danks und der Erinnerung

Die meisten Bildstöcke, darunter auch die bei Oberloch stehende Marter von 1716, seien aus Dankbarkeit oder zur Erinnerung an Familienangehörige errichtet worden. „Jeder Bildstock kann seine eigene Geschichte erzählen“, so Winkler. Die aufwändige Instandhaltung und Restaurierung könne aber kaum von Einzelnen gestemmt werden. „Hier ist die Allgemeinheit gefordert, diese Glaubenszeichen zu erhalten – sei es über die Kommunen, die Jagdgenossenschaften oder andere Einrichtungen“, erklärte der Förster.

Naturdenkmäler sind die sogenannte „Hümmerslinde“ und die Siedamsdorfer Linde, die wegen ihrer Einzigartigkeit und ihrer Bedeutung für die Landschaft als Naturdenkmäler ausgewiesen wurden. „Leider werden diese mehrere Jahrhunderte alten Bäume auch zur Befestigung von Wegmarkierungen benutzt“, bedauerte er. Die Teilnehmer bewunderten Wegkreuze, die an markanten Stellen von Familien zur Ehre Gottes errichtet wurden. Wanderern ein Begriff ist das „Weiße Kreuz“ zwischen Altendorf und Isling an der „Eichfuhr“. Vor dem gusseisernen, in Böhmen hergestellten Kruzifix machten die Teilnehmer Rast. Sie scharten sich um eine Feuerschale und stärkten sich mit heißen Getränken.

Die Legende der „Spinnera“

Im Wald in der Nähe von Isling stellte der Förster die sogenannte „Spinnera“ vor. Auffällig ist das Loch in der Mitte des Gedenksteins. Auf der Vorderseite ist ein erhabenes lateinisches Kreuz mit einer Pflugreute zu sehen. „Es handelt sich dabei um ein Gerät, mit dem früher die Pflugschar gereinigt wurde“, erläuterte Winkler. Der Überlieferung nach soll eine Frau auf dem Weg zur Altendorfer „Rockenstube“ mit solch einer Pflugreute umgebracht worden sein. Einmal mehr wurde den Teilnehmern deutlich, wie sehr doch Landschaft, Kultur und Glaube miteinander verbunden sind.

In Isling versammelten sich die Ausflügler in der Pfarrkirche „Sankt Johannes der Täufer“, um mit Ortspfarrer Henryk Chelkowski die heilige Messe zu feiern. Mit einem Abendessen in der Gaststätte „Lindeneck“ ließ man die ebenso informative wie besinnliche Familienwallfahrt in froher Runde ausklingen. „Und wohin gehen wir das nächste Mal?“, wollten viele wissen. Für Pastoralreferentin Birgit Janson ein sicheres Zeichen, dass die Pilgertour gefallen hat.