BURGKUNSTADT

Standpunkt: Wo bleibt das Mitgefühl?

Die Zeiten der Willkommenskultur, als die Flüchtlinge am Bahnhof mit Blumen begrüßt wurden, sind offenbar vorbei. Seitdem Innenminister Horst Seehofer wegen der Flüchtlinge fast die Regierungskoalition platzen ließ und die Ausländerbehörden zu Seehofers 69. Geburtstag 69 abgelehnte Asylbewerber nach Afghanistan abgeschoben haben, scheint sich die Haltung vieler Behörden gegenüber Asylbewerbern zu verhärten.

Mit barschem Umgangston und durch unangekündigte Aktionen in den Gemeinschaftsunterkünften sorgt so mancher Beamte für Angst. Ob bewusst oder angesichts der harten Linie in Bundes- und Landesministerien unbewusst, sei dahingestellt.

Dass Gesetze und Vorgaben eingehalten werden müssen, ist selbstverständlich, doch da es um Menschen geht, die zum Teil unermessliches Leid im Heimatland oder auf der Flucht erlebt haben, sind Empathie und Fingerspitzengefühl gefragt.

Wollen wir, dass traumatisierte Menschen durch nächtliche Polizeieinsätze in Panik versetzt werden, dass ihnen durch unangekündigte Besuche in ihren Zimmern oder durch barsches Abkanzeln das letzte bisschen Würde auch noch genommen wird? Und welchen Sinn macht es, dass Asylbewerber in Bayern nicht arbeiten dürfen, obwohl sie keinem Deutschen den Job wegnehmen würden, während ihre Verwandten in anderen Bundesländern die Genehmigung bekommen?

Wer bereit ist, seine Heimat zu verlassen und sein Leben auf der Flucht zu riskieren, wird durch bürokratische Härte nicht abgeschreckt. Allerdings wird er dadurch zusätzlich verletzt. Schaden nimmt auch unsere auf Solidarität gebaute Gesellschaft durch diesen Trend zur Härte. Dass es anders geht, zeigen die ehrenamtlichen Helfer, die viel Zeit, Geld und gute Worte investieren, damit Integration gelingen kann. Ebenso einfühlsame Mitarbeiter wie der Hausmeister, der gemeinsam mit Flüchtlingen die Unterkunft verschönert, oder seine Kollegen, die langjährigen Bewohnern auch mal ein privates Möbelstück im Zimmer genehmigen.