BURGKUNSTADT

Ausstellung in Burgkunstadt: Familie Banemann gelang die Flucht in die USA

Ausstellung in Burgkunstadt: Familie Banemann gelang die Flucht in die USA
Eröffnung der Ausstellung "13 Führerscheine" mit (v. re.) Stadthistoriker Rudi Fetzer, Bürgermeisterin Christine Frieß, Stadtarchivarin Andrea Baier, Studiendirektor Manfred Brösamle-Lambrecht, Kulturreferentin Ingrid Kohles sowie den Stadträten Thomas Müller und Edith Berg. Foto: Roland Dietz

Einen Einblick in den Alltag unter der Nazi-Diktatur gibt die berührende Ausstellung „13 Führerscheine – 13 jüdische Schicksale“, die zurzeit im Rathaus Burgkunstadt zu sehen ist.

Nachdem im Landratsamt Lichtenfels die Führerscheine von jüdischen Bürgern gefunden worden waren, die unter der NS-Herrschaft beschlagnahmt worden waren, wurde beschlossen, dieses Kapitel der Geschichte aufzuarbeiten. Schüler eines Projektseminars des Gymnasiums Lichtenfels unter Leitung von Studiendirektor Manfred Brösamle-Lambrecht erforschten die Schicksale dieser jüdischen Familien und entwickelten daraus die beeindruckende Ausstellung.

Repressalien und Anfeindungen

Das Auto, in den 1930-er Jahren noch ein Luxusgut war für diese jüdischen Führerscheinbesitzer hauptsächlich für ihre Arbeit als Kaufleute wichtig. Ein erfolgreicher Kaufmann war auch der 1896 in Burgkunstadt geborene Leo Banemann, der seinen Führerschein 1925 machte. Zusammen mit seinem Bruder Justin eröffnete er 1918 ein Geschäft für Metzgereibedarf. Leo Banemann war als Soldat im Ersten Weltkrieg gewesen. Sein Bruder Justin engagierte sich als Sänger und Schriftführer im Liederkranz Burgkunstadt und war um 1924 als Gemeindevorsteher tätig.

Bereits 1937 hatte die Familie Banemann unter Repressalien, Anfeindungen und Isolation zu leiden, mit denen die Nazis jüdische Mitbürger drangsalierten. So wurde die Tochter Edith in die letzte Reihe der Schulklasse gesetzt und durfte keinen Kontakt zu anderen Kindern pflegen. Bereits 1937 prüfte Leo Banemann bei einer Reise in die USA die Möglichkeiten zur Auswanderung. Dass sie Deutschland verlassen mussten, wurde den Banemanns angesichts der Pogromnacht 1938 deutlich.

1939 reiste die Familie mit dem Personenschiff „Orinoco“ nach Kuba und weiter nach Maryland in den USA. Nach einem schwierigen Start kam Leo Banemann durch harte Arbeit auch in den USA zu Wohlstand. 1964 starb er in Baltimore. Seine Frau Marta wurde 96 Jahre alt. Von der Enkelin der Banemanns, Carol, und ihrem Mann Brian Kashan erfuhren die Schüler bei ihren Nachforschungen, dass in den USA 2006 für eine Ausstellung über jüdisch-deutsche Einwanderer in Maryland ein Portrait von Leo Banemann erstellt worden war.

Von den Nazis ermordet

So viel Weitsicht und Glück wie die Banemanns hatten nicht alle der 13 jüdischen Führerschein-Besitzer. Während acht von ihnen rechtzeitig ins Ausland fliehen konnten, wurden fünf von den Nazis ermordet.

„Die Ausstellung ist ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung des Unrechts, welches Menschen widerfahren ist, die unter uns lebten“, sagte Bürgermeisterin Christine Frieß bei der Eröffnung.

Die bewegende Ausstellung ist noch bis Freitag, 25. Januar, in der Rathaushalle in Burgkunstadt zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen. Vom 28. Januar bis 1. Februar wird sie im Gymnasium Burgkunstadt täglich von 8 bis 16 Uhr gezeigt.

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