BURGKUNSTADT

Vernissage der Produzentengalerie: Wenn sich das Motiv auflöst

Vernissage der Produzentengalerie: Wenn sich das Motiv auflöst
Ausdrucksstarke Farben und Formen bestimmen die Gemälde von Lucia-Scheid-Nam. Die Burgkunstadter Künstlerin und Galeristin zeigt ihre Werke ab 19. Januar in ihrer Produzentengalerie. Foto: Mathias H. Walther

15 Malerinnen und Maler sowie vier Bildhauer aus Deutschland und Österreich präsentiert die Produzentengalerie Burgkunstadt im zweiten Jahr ihres Bestehens. Den Auftakt machen am kommenden Wochenende die Künstlerinnen Lucia-Scheid-Nam (Burgkunstadt) und Maja Ott, die in Moosach bei Grafing lebt und arbeitet. Vernissage für „Die Siebte“ ist am Samstag, 19. Januar, um 17 Uhr. Gezeigt werden bis 3. Februar eine Auswahl neuer, farbexplosiver Werke Scheid-Nams sowie der Hinterglasmalerei von Maja Ott. Die Einführungsrede bei der Vernissage hält der Bamberger Kunsthistoriker Dr. Matthias Liebel, den musikalischen Part übernimmt Susi Schliefer (Querflöte) aus Lichtenfels. Im Anschluss findet ab etwa 19 Uhr ein Kunstgespräch mit Benno Fries aus Maineck statt.

Lucia Scheid-Nam, die sich bereits in Landshut und Bamberg einen Namen als Galeristin gemacht hat, wurde in Südkorea geboren und kam 1974 als 20-jährige Krankenschwester an das damals neu errichtete Lichtenfelser Kreiskrankenhaus, das spätere Helmut-G.-Walther-Klinikum.

„Manchmal arbeite ich Jahre an einem Bild, bis ich dann fühle, dass es fertig ist.“
Lucia Scheid-Nam, Künstlerin und Galeristin

Nach Beendigung ihrer Tätigkeit als Krankenschwester widmete sie sich ganz der Malerei. In ihrem künstlerischen Werdegang waren die Kunstakademie Vulkan-Eifel (2004/2005), die Kunstakademie Trier (2007/2008) und die Kunstakademie Stein bei Nürnberg wichtige Stationen.

Von der gegenständlichen Malerei des Naturalismus kommend, fand Lucia Scheid-Nam im Lauf der 1980-er-Jahre zu einer immer stärker vom expressiven Gestus getragenen Ausdrucksmalerei, mit der sich die Künstlerin zunehmend von der detailgetreuen Wiedergabe der sichtbaren Wirklichkeit löste. Dabei gelangte sie zu einer neuen, farbexplosiven Bildsprache, mit der sie ihre Ursprungsmotive – meist sind es Landschaften, Gebäude oder Stillleben – oft bis zur Unkenntlichkeit auflöst und in semi-abstrakte Bildwelten transponiert. Mehrfach, so die Künstlerin, müsse sie ein zunächst gegenständliches Bild übermalen, um ein für sie zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. „Manchmal arbeite ich Jahre an einem Bild, bis ich dann fühle, dass es fertig ist.“

Natur, die auf den ersten Blick nicht erkennbar ist, zeigt die 1960 in Bad Reichenhall geborene Künstlerin Maja Ott. Ihr Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste München hat sie 1990 mit dem Diplom als Meisterschülerin abgeschlossen. Heute lebt und arbeitet sie in Moosach bei Grafing und widmet sich der hohen Kunst der Hinterglasmalerei, bei der spiegelverkehrt die Rückseite einer Glasplatte bemalt wird. Detaillierte, schon ins Studienhafte reichende naturwissenschaftliche Beobachtungen präsentieren sich farbenfroh dem Beobachter.

Die Malerei von Maja Ott eröffnet einen Einblick in den Prozess des Malens, des Abwägens, des Überarbeitens und des Veränderns. Die oft großformatigen Bilder tragen keine Titel, um dem Betrachter nicht dessen eigene Assoziationen vorwegzunehmen. Dies ermöglicht es immer wieder, Anklänge an die Natur zu entdecken. Auch gibt es Werke, in denen zuweilen organisch-körperhafte oder figürliche Motive erscheinen. Und doch ist alles im Bild jederzeit fähig, sich wieder in Farbe und Form aufzulösen.

Maja Ott, die sich mit der Technik der Hinterglasmalerei seit 2010 fast ausschließlich beschäftigt, malt mit Acrylfarben auf Plexiglas. Sie sagt: „Die Leuchtkraft der Farben und die Möglichkeit der Schichtungen fasziniert mich, wobei die Reihenfolge des Auftrags sich ändert und alles seitenverkehrt gedacht werden muss.“ Ihre Bilder werden nicht mit Rahmen gefasst; sie „schweben“ vor der Wand.

„Die Leuchtkraft der Farben und die Möglichkeit der Schichtungen fasziniert mich.“
Künstlerin Maja Ott über die Hinterglasmalerei

Komplettiert werden die Ausstellungen der Produzentengalerie Burgkunstadt für Gegenwartskunst durch Skulpturen der Holzbildhauermeisterin Martina Kreitmeier aus Altfraunhofen bei Landshut, der in Meiningen (Thüringen) lebenden Claudia Katrin Leyh, dem Nürnberger Patrick Niesel und dem in Memmelsdorf lebenden und arbeitenden Denis Delauney. Werke der vier Bildhauer werden während des ganzen Jahres in der Burgkunstadter Produzentengalerie zu sehen sein.

Programm 2019

Öffnungszeiten während der Ausstellungen: Samstag und Sonntag, 14 bis 18 Uhr.

19. Januar bis 3. Februar, Lucia-Scheid-Nam, Burgkunstadt (Malerei), Maja Ott, Moosach (Hinterglasmalerei)

9. bis 24. März, Anatole Ak, Linz (Malerei), Gerd Kanz, Untermerzbach (Malerei),

4. bis 19. Mai, Kersten Thieler-Küchle, Schwabmünchen (Malerei), Gerhard Schlötzer, Bamberg (Zeichnung),

22. Juni bis 7. Juli, Ute Haas, Landshut (Malerei), Michaela Schwarzmann, Eggolsheim (Malerei),

3. bis 18. August, Gert Ressel, Köln (Malerei), Karin Schöntag, Kronach (Malerei),

14. bis 29. September, Lucia Scheid-Nam mit den Landshuter Künstlern Marlis Hartmann, Georg Forster und Karl Schönberger,

16. November bis 1. Dezember, Karl Herrmann Gänsslein, Baiersbronn (Malerei), Christine Gruber, Bamberg (Malerei).

Dauerausstellung 2019 der Bildhauer Patrick Niesel (Nürnberg), Martina Kreitmeier (Landshut), Claudia Katrin Leyh (Meiningen) und Denis Delauney (Memmelsdorf).

Vernissage der Produzentengalerie: Wenn sich das Motiv auflöst
Fast als ob sie schwebten wirken die Hinterglasbilder von Maja Ott. Foto: Mathias H. Walther

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