ALTENKUNSTADT

Bürgerbegehren: Klinken putzen für Grundschul-Neubau in Altenkunstadt

Für einen Neubau einer Grundschule in Altenkunstadt statt der geplanten Sanierung des Altbaus engagieren sich (v. li.) Dietmar Kynast, Walter Limmer und Thomas Mirwald. Zusammen mit rund 25 Mitstreitern sammeln sie Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Foto: Gerhard Herrmann

Dreimal hat sich der Gemeinderat für die Sanierung der Altenkunstadter Grundschule ausgesprochen, doch die Befürworter eines Neubaus geben nicht auf. Sie wollen mit einem Bürgerbegehren durchsetzen, dass der Beschluss aufgehoben und „ein Neubau mit gleichen Funktionen im Schul- und Sportzentrum errichtet wird“. Rund 400 Unterschriften haben sie bereits gesammelt und damit die erforderliche Zahl von 440 Unterstützern fast erreicht.

Verwundert zeigten sich die Verantwortlichen des Bürgerbegehrens Dietmar Kynast, Thomas Mirwald und Walter Limmer über die Aussagen bei der Bürgerversammlung, dass die Initiatoren nicht bekannt seien. „Wir sammeln seit einigen Wochen Unterschriften, aber bis heute hat uns von der Verwaltung oder den Gemeinderäten niemand angesprochen“, sagte Walter Limmer. Die Kritik, dass er und sein Sohn Michael als Gemeinderäte der JWU die Möglichkeit hatten, sich an der politischen Entscheidung zu beteiligen und nun die Niederlage bei der Abstimmung nicht akzeptieren wollten, lassen die beiden nicht gelten. „Es geht uns um die Kinder“, betont Michael Limmer. Als Vater wäre auch sein Sohn davon betroffen, dem er eine zwei bis möglicher Weise sogar drei Jahre lange Bauzeit ersparen wolle.

„Die jetzigen Erst- und Zweitklässer wären ausgerechnet im Abschlussjahr dem Lärm und Schmutz ausgesetzt, außerdem müssten sie je nach Baustand in Container und zurück wechseln“, warnt Thomas Mirwald. Mögliche gesundheitliche Risiken wegen der Demontage belasteter Baustoffe, wie der Asbestverkleidung am Neubau, mag sich der Arzt gar nicht ausmalen. Daher sei er auf Walter Limmer zugegangen und habe ihm angeboten, sich an der Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren zu beteiligen.

„Es wurde nie eine Berechnung für einen Neubau vorgelegt, so dass auch kein Vergleich möglich war, ob eine Sanierung sinnvoller und wirtschaftlicher ist.“
Thomas Mirwald, Praktischer Arzt

Außerdem verweisen die Kritiker darauf, dass ein Neubau rund 3,5 Millionen Euro günstiger zu errichten wäre, als die auf 8,8 Millionen Euro geschätzte Sanierung des Altbaus. „Bei einem Altbau muss man mit 15 bis 30 Prozent Kostenerhöhung gegenüber der Schätzung rechnen – gerade bei der momentanen Baukonjunktur, die die Preise treibt“, gibt Dietmar Kynast zu bedenken. Bei einem Neubau wären die Kosten dagegen besser kalkulierbar, weil keine Überraschungen bei der Bausubstanz zu erwarten seien. Als ehemaliger Kämmerer der Gemeinde Mainleus habe er schon viele Bauprojekte erlebt, bei denen die Kosten aus dem Ruder gelaufen seien.

Unverständlich finden die Initiatoren, dass die Gemeindeverwaltung den Räten trotz mehrfacher Anträge der JWU keine Kostenrechnung für einen Neubau vorlegte, damit diese sich ein objektives Bild über Alternativen hätte machen können. Stattdessen sei nur das Sanierungskonzept zur Abstimmung gestanden. Die Eile der Abstimmung mit der Sicherung der Förderung über das kommunale Investitionsprogramm zu begründen, mache keinen Sinn, da auch die etwas niedrigeren FAG-Mittel stattdessen beantragt werden könnten. Die Differenz falle kaum ins Gewicht, da nicht der ganze Altbau gefördert werde: „11,4 Prozent der Fläche werden nicht gefördert, da die Schule für unseren Bedarf zu groß ist.“

Klassenzimmer im Altbau größer?

Für einen Neubau sprächen nicht nur die Bau-, sondern auch die Betriebskosten, die durch Synergieeffekte mit der Mittelschule, der Kordigasthalle und dem geplanten Lehrschwimmbecken auf Dauer voraussichtlich niedriger sein könnten, rechnet Kynast vor. Das Argument, dass die Klassenzimmer im Altbau größer seien, will er nicht gelten lassen. Die dortigen Klassenzimmer hätten eine Größe von 57,71 bis 71,45 Quadratmeter und würden durch den Einbau von Gruppenräumen noch weiter verkleinert. Bei einem Neubau würden Klassenzimmer von 58 Quadratmetern gefördert und bei entsprechenden Schülerzahlen sogar bis zu 72 Quadratmetern, wie die Regierung von Oberfranken auf Nachfrage bestätigt habe.

Auf die günstige Verkehrsanbindung des Schulzentrums verweist Michael Limmer. Bei einer Sanierung müssten die Grundschüler mit dem Bus zum Schwimmunterricht nach Röhrig gefahren werden, was die ohnehin schwierige Verkehrssituation in der Baiersdorfer Straße noch verschärfe. Das Argument, der Altbau liege im Ortszentrum greife auch nicht, weil sich dieses immer mehr zur Theodor-Heuss-Straße hin verlagere.

Bei einem Neubau könnte das bestehende Gebäude als Erweiterungsmöglichkeit für den Kindergarten und für die Vereine genutzt werden, ohne viel Geld für eine Sanierung zu investieren, meint Walter Limmer. Der neuere Teil des Gebäudes könnte etwa für Wohnungen oder Gewerbe dienen. Problematisch sieht der Baufachmann auch die energetische Sanierung des Altbaus, für die – im Gegensatz zum Neubau – keine Lüftung vorgeschrieben sei. Bauschäden durch Schimmel seien so vorprogrammiert.

Um diese Argumente auch mit den Eltern und Lehrern zu diskutieren, wollen die Initiatoren des Bürgerbegehrens in nächster Zeit einen Informationsabend veranstalten.