NEUDORF/LICHTENFELS

Neudorf: Erntedank als Denkansatz

Der Landfrauenchor umrahmte den Festgottesdienst musikalisch. Foto: Roland Dietz

Dankbarkeit, ein Blick in die Zukunft und die Wertschätzung der Landwirtschaft waren die Hauptthemen beim Kreiserntedankfest am Sonntag im Weismainer Stadtteil Neudorf. Bei herrlichem Herbstwetter kamen über 2000 Besucher aus dem ganzen Umland und mehreren Landkreisen.

Der Bayerische Bauernverband, Kreis Lichtenfels, hatte zu den Feierlichkeiten eingeladen. Mit einem derartigen Besucherstrom während des ganzen Sonntages hatte aber kaum einer der Verantwortlichen gerechnet. Ein großer Zug der Garten- und Naturfreundevereine bot ein herrliches Bild. In Begleitung der Modschiedler Blasmusik marschierten früh 500 Personen hinauf zur Kirche Sankt Clemens, um einen gemeinsamen Dankgottesdienst zu feiern. Stadtpfarrer Gerhard Möckel erinnerte an die Wichtigkeit zu danken. Ein Kranker habe nur einen Wunsch: gesund zu werden. Ein Gesunder habe viele Wünsche. Es sei wichtig, nicht zu vergessen nach der erfolgreichen Ernte Danke zu sagen.

In der kirchlichen Ansprache erklärte Kreisbäuerin Marion Warmuth, dass man der Natur mit Demut und Respekt entgegentreten sollte. Leider werde oft an das Wesentliche nicht mehr gedacht. In einem schier unerschöpflichen Lebensmittelangebot werde das Danken für einen reichlich gedeckten Tisch oft vergessen. Beim Erntedank seien Heimat- und Brauchtumspflege sehr wichtig. „Unsere natürliche Heimat ist nicht nur ein Gefühl, sondern die Grundlage bäuerlicher Arbeit“, so die Kreisbäuerin.

Geschmückte Festhalle

Gekonnt bereicherte der Landfrauenchor unter der Leitung von Eva-Maria Schnapp den Gottesdienst. Im Anschluss ging es in die wunderschön geschmückte Festhalle, Sitzplätze wurden dort schnell rar. Ein gesungener „Engel des Herrn“ rundete die Mittagspause ab. Kreisobmann Michael Bienlein konnte zahlreiche prominente Gäste willkommen heißen, darunter BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif. Bienlein bezeichnete das Erntedankfest nicht nur als Selbstzweck der Landwirtschaft. Die Landwirte freuen sich über hochwertige Lebensmittel, die leider immer seltener wertgeschätzt würden. Im Gegenteil, oft werde von kleinen Gesellschaftsgruppen verbreitet, dass Landwirte an Problemen wie Bodenerosion, schlechter Wasserqualität oder übermäßigen Umgang mit Schutzmittel schuld seien.

In den Einkaufsmärkten stünden die Regale wie selbstverständlich voll und alles ist ohne große Mühen für die Kunden erhältlich. Es werde über Umweltschutz geredet und dabei steige die Wegwerfkultur weiter. Bienlein verlangte, dass man mit der Natur und den Erzeugern heimischer Lebensmittel respektvoller umgehen sollte. Auch sah er die lange Dauer der Entscheidungsfindung in der Politik beim Thema „Landwirtschaft“ als sehr kritisch an.

Stolz zeigte sich Bürgermeister Udo Dauer über das großartige Erntedankfest im kleinen Juraort. Er bemerkte, dass trotz fortschreitender Technisierung Wetter und das Klima für eine Ernte entscheidend seien. Leider heiße es heute zu oft dem „Discounter sei Dank“. „Überfüllte Supermarktregale suggerieren uns ein unerschöpfliches Angebot an Nahrung und Produkten, das sich täglich wie von selbst vermehrt“, meinte der Bürgermeister. Die Landwirtschaft sei nicht nur für gesunde und gute Nahrungsmittelproduktion wichtig. Sie trage wesentlich zum Erhalt unserer Kulturlandschaft bei.

Erntedank sei auch in schwierigen Jahren ein richtiger Denkansatz der Bauern und Bäuerinnen, meinte Landrat Christian Meißner. Die Politik sei gerade vor Ort immer gesprächsbereit. Bei Entscheidungsfindungen verlangte er von allen ein höheres Bewusstsein. BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif hoffte, dass trotz Schließungen von Höfen es mit jungen Bauern und Bäuerinnen weitergehe. Es solle wieder mehr eine Freude darstellen, Ernährer unseres Volkes zu sein.

EU-Abgeordnete Monika Hohlmeier sah die vielen Besucher als Solidaritätsbekundung gegenüber den heimischen Landwirten. Sie führte aus, dass in Brüssel verabschiedete Gesetze im Bereich „Landwirtschaft“ nicht noch zusätzlich von deutscher Bürokratie verschärft werden müssten. Auch sollte ein besserer Versicherungsschutz für die Landwirte auf den Weg gebracht werden. Es werde in Zukunft öfters Stürme und Trockenheiten geben, hier müssten bezahlbare Präventivmaßnahmen angestrebt werden. Wer Naturpflege und Kulturleistungen will, müsse auch finanziell etwas dafür tun, mahnte die Politikerin in Sachen Zuschüssen. Bauern seien keineswegs Subventionsschnorrer.

Auf dem Gelände an der Festhalle war einiges geboten. Mit Ständen vertreten waren der Milchhof Coburg und die Waldbauernvereinigung. Es gab Vorführungen landwirtschaftlicher Geräte. Den Besuchern wurden Produkte wie Käse, Likör, Marmeladen und Honig vom Direktvermarkter angeboten. Kinder konnten Waldgeister und Nagelbilder basteln oder am Glücksrad drehen.

Schürzenmoden-Schau

Sehenswert und mit viel Applaus bedacht war die Schürzenmodenschau „70 Jahre Landfrauen“, bei welcher die Bäuerinnen gekonnt als Models auftraten. Andreas Pfister stellte den Ort vor. Er unternahm mit vielen Interessierten Kirchenführungen. Für das leibliche Wohl hatten die Neudorfer bestens gesorgt. Dank galt am Ende allen Helfern, die diese großartige Erntedankfest ermöglicht hatten.

Ein imposanter Zug folgte der Erntekrone zur Kirche Sankt Clemens.
Die Jüngsten ziehen begeistert den geschmückten Leiterwagen. Foto: Roland Dietz
Einst trugen die Bäuerinnen diese „Schürzenmode“. Foto: Roland Dietz