BURGKUNSTADT

Ein kühler Trunk in der Burgkunstadter Unterwelt

Rudi Fetzter vor und Karl-Heinz Goldfuß führten durch die Keller von Burgkunstadt. Foto: Roland Dietz

An die Burgkunstadter Brautradition erinnern zahlreiche historische Felsenkeller unter dem historischen Marktplatz. Eine Führung durch die „Unterwelt“ mit Karl-Heinz Goldfuß und Rudi Fetzer war jüngst ein besonderes Schmankerl beim dritten Main-Jura-Bierfest. Mal amüsant, mal nachdenklich präsentierten sie Burgkunstadter Geschichte und führten durch die sonst nicht zugänglichen Keller.

Die Lokalhistoriker haben sich mit zahlreichen Vorträgen zur Heimatgeschichte, wie die Metzgereien in Burgkunstadt zu früherer Zeit, das Jagdwesen rund um die Stadt, das Backen fränkischer Spezialitäten und historische Begebenheiten zu früherer Zeit einen Namen gemacht. Ihnen ist es auch zu verdanken, dass ein beschilderter Rundweg mit Sehenswürdigkeiten und wissenswerten geschichtlichen Erklärungen durch die Stadtgeschichte führt.

Braurecht für 48 Bürger

Die Burgkunstadter Unterwelt rund um den Marktplatz ist eng mit dem einstigen Kommunbrauwesen verwoben. Dem Städtchen wurde bereits um das Jahr 1400 das Braurecht verliehen und damit auch eine Art Bier-Monopol, den sogenannten „Bierzwang“ oder „Bierbann“. Das Braurecht hatten in dieser Zeit 48 Bürger, davon 36 in der oberen und zwölf in der unteren Stadt. Als kühle Lagerräume wurden die Bierkeller benötigt. Sie sind jedoch mit den Kellern in Lichtenfels oder gar Bamberg nicht zu vergleichen. Sie wurden immer wieder erweitert und den Bedürfnissen der Nutzer angepasst. Der letzte Brauer, der sein Bier dort lagerte, war wahrscheinlich bis 1969 Norbert Kerling.

Fluchtwege zur Burg

Auch für die Lagerung von Lebensmitteln wie Kartoffeln, Rüben, Obst oder Gemüse waren die Keller wegen ihrer gleichbleibend kühlen Temperaturen sehr wertvoll. Die Keller waren früher oftmals in zwei bis drei Stockwerke unterteilt und hatten eine Tiefe von über zehn Metern. Sie reichten bis zu 30 Meter tief vom Haus zum Hof, zur Hinterseite oder zum Marktplatz. Außerdem wurden sie zum Teil als Fluchtwege zur Burg und wahrscheinlich auch zur Unterstadt genutzt. Auch in Richtung Polizeirangen dürften solche Gänge bestanden haben, so Goldfuß und Fetzer.

Das Stadtlexikon berichtet vom Jahr 1799, dass der Gewerbezweig der Bürgerschaft der Feldbau und das Brauen war. Der erzielte Hopfen gleiche an Güte dem Böhmischen, was zu dieser Zeit sicherlich eine besondere Adelung war. Sowohl dieser Umstand als auch die Felsenkeller trugen zur Qualität des in der Nachbarschaft gerühmten Bieres bei.

Auch in Kriegszeiten kam den Kellern eine besondere Bedeutung zu. So schreibt der Chronist im April 1945: „Voller Angst harrte die Bevölkerung am Tag hindurch in den Luftschutzkellern aus.“ Die Luftschutzkeller waren umfunktionierte Bierkeller.

Dank der Unterstützung der Eigentümer erhielten die Besucher bei der Führung durch die jahrhundertealten Keller interessante und aufschlussreiche Einblicke in die Geschichte. Besonderer Dank galt den beiden „Stadthistorikern“ Goldfuß und Fetzer. „Wir sind sehr stolz und froh darüber, dass sie die Geschichte unserer Stadt immer wieder lebendig machen“, erklärte Bürgermeisterin Christine Frieß.