BURGKUNSTADT

Jüdischer Friedhof Burgkunstadt: Denkmal für Frieden und Gemeinschaft

Die Feier zum jüdischen Neujahrsfest gestaltete Inge Goebel (re.) mit zahlreichen Besuchern auf dem Friedhof bei Ebneth. Foto: Roland Dietz

Mit einer beeindruckenden Gedenkfeier beging die Interessengemeinschaft Synagoge Altenkunstadt das jüdische Neujahrsfest Rosch Haschana auf dem jüdischen Friedhof in Burgkunstadt. Nach jüdischer Zeitrechnung der Beginn des Jahres 5779.

Seit 30 Jahren hält die Interessengemeinschaft in Altenkunstadt die Erinnerung an das einst blühende jüdische Leben am Obermain wach, wie die 2. Vorsitzende Inge Goebel im Beisein von Bürgermeister Robert Hümmer erklärte. Trotz herrlichen Sommerwetters waren fast 30 Besucher gekommen.

Rosch Haschana ist ein zweitägiges Fest, das im September oder Oktober gefeiert wird, abhängig vom Mondkalender. Es ist nach dem Versöhnungsfest Jom Kippur einer der höchsten jüdischen Feiertage. „Ein Denkmal ist eine ständige Erinnerung an das, was man gerne vergessen möchte. Leider sind Synagogen Denkmäler geworden, die früher Orte des Studierens und des Lernens gewesen sind“, sagte Inge Goebel.

Jüdische Friedhöfe seien auch Orte der Erinnerung. Ein Jahr nach der Beisetzung werde ein Grabstein gesetzt und an der Neujahrsfeier der Friedhof besucht, der Name des Verstorbenen aufgerufen und Kerzen entzündet. Dies war im jüdischen Leben üblich, bis unter der Nazi-Diktatur die Juden erfolgt und ihre Einrichtungen in einer Pogromnacht am 9. November 1938 zerstört wurden. „Deshalb darf Ausgrenzung, Drangsalierung und Terror gegenüber Anderen nie mehr geschehen“, appellierte Goebel. Doch auch die aktuellen Angriffe auf Migranten zeigten, dass Hass und Ausgrenzung wieder zunehmen.

Zurzeit lebten in Deutschland 100 000 Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland. Und Minderheiten werden oft zur Zielscheibe. „Der Antisemitismus ist leider immer noch vorhanden“, bedauerte Inge Goebel. Es sei beschämend, dass jüdische Einrichtungen immer noch Polizeischutz benötigen. Abneigung gegenüber Juden sei oft in Vorurteilen begründet, etwa dass sie schon früher reich gewesen seien, oder verzerrten Meinungen über die Politik Israels. „Wenn in Deutschland ein jüdisches Lokal angegriffen wird, obwohl es ein Deutscher führt, zeigt dies, dass wir ein Problem haben“, gab Goebel zu bedenken. Diesen Tendenzen müsse auf allen Ebenen der Gesellschaft entgegengewirkt werden.

„Der Antisemitismus ist leider immer noch vorhanden. Es ist beschämend, dass jüdische Einrichtungen immer noch Polizeischutz benötigen.“
Inge Goebel, Interessengemeinschaft Synagoge

Bedauerlich sei es, dass Friedhöfe und Synagogen Denkmäler geworden seien, doch andererseits bewahrten sie die Erinnerung und bieten Nachkommen die Chance zu sehen, wie ihre Vorfahren gelebt haben.

Bei einem Rundgang erfuhren die Teilnehmer, dass es seit 1940 keine Beisetzungen auf dem Friedhof gegeben hat. Meist wurden jüdische Friedhöfe außerhalb der Stadt angelegt. Ein wesentliches Merkmal ist ihre Schlichtheit. Lebensbäume, die auf Gräbern gepflanzt wurden, sollen nicht verkauft werden. Auch die Beisetzungen waren schlicht. Die Größe des Grabsteins richtete sich nach den finanziellen Möglichkeiten. Er markiert die Stelle, an der das Haupt des Verstorbenen liegt. Zur Erinnerung werden keine Blumen mitgebracht, sondern kleine Steine auf den Grabstein gelegt.

In drei Epochen entstanden

Die Grabanlage ist in drei Epochen entstanden, der älteste Teil im oberen Bereich wurde 1620 angelegt, ein weiterer zwischen 1830 und 1870 und der tiefer gelegene Teil von 1870 bis 1940. Der älteste erhaltene Grabstein stammt von 1625. Einige Steine zeigen nach oben gerichtete Hände, deren Daumen und Zeigefinger sich berühren als Bezug auf den aronitischen Segen des Priesters. Häufig kommt der Name Cohen vor. Viele Grabsteine tragen die Inschrift „Möge deine Seele eingebunden sein in das ewige Leben“.

Der Grabstein der ehemaligen Altenkunstadter Familie Mack. Foto: Roland Dietz

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