BURGKUNSTADT

Ein wahrer Zauberer auf den Tasten

Beim letzten Kultursonntag dieser Saison erwies sich der Ausnahmepianist Ingo Dannhorn als Meister auf den weißen und schwarzen Tasten. Foto: Gerda Völk

Der Abschluss der Kultursonntage in der Alten Vogtei gehörte einem Pianisten, der schon mehrmals mit flinken Fingern und außergewöhnlicher Perfektion verzauberte. Auch dieses Mal gelang es dem Ausnahmepianisten Ingo Dannhorn, sein Publikum zu begeistern. Das Programm hatte es in sich, für den Solisten wie auch für die Zuhörer. Den Auftakt machte Georg Friedrich Händels „Thema und Variationen“. Zum gleichen Motiv verfasste auch Brahms eine Komposition, die unter op. 24 bekannt ist und den Abschluss dieses Kultursonntags bildete.

„Man hat alle Hände voll zu tun.“
Pianist Ingo Dannhorn über Händels 25 Variationen

Auch wenn Dannhorn etwas erkältet war, ließ er es sich nicht nehmen, etwas zu Werk und Komponisten zu erklären. Eine schöne Tradition, die sich im Laufe der Jahre eingebürgert hat.

Zwischen Innerlichkeit und Hast

Die Sonaten op. 10 von Ludwig van Beethoven entstanden in den Jahren 1796 bis 1798 in Wien. Der Komponist widmete sie der Gräfin Anna Margarete von Browne. Zu Gehör kam die letzte Sonate des dreiteiligen Zyklus. Beethovens viersätziges Werk, op. 3 ist ein frühes Meisterwerk voller Emotionen, die Dannhorn auch entsprechend umsetzte. Er bewegte sich im Spannungsfeld vorwärtsdrängender Eile und verhaltener Innerlichkeit. Im zweiten Satz („Largo e mesto“) ließ sich der Pianist Zeit, setzte bedächtig Ton um Ton, schien dem Nachhall zu lauschen, um im nächsten Moment perlende und flirrende Töne zu spielen. Wieder einmal erwies sich Dannhorn als Zauberer auf den Tasten. „Toll“ flüsterte eine Besucherin in der zweiten Reihe. Erste Bravo-Rufe wurden laut.

Claude Debussys „L'Isle Joyeuse“ zählt zu den populärsten Werken des französischen Impressionismus. Die Entstehung des Werks wird immer ein Geheimnis bleiben. „Man vermutet, dass Debussy das Stück bei einem Aufenthalt auf der Insel Jersey geschrieben hat“, berichtete Dannhorn. Möglich sei aber auch, dass sich der Komponist von einem Bild des französischen Malers Antoine Watteau anregen ließ. Unbestritten ist jedoch, dass es Debussys längstes je komponiertes Einzelstück ist.

Ingo Dannhorn spielte durchweg ohne Noten. Das Vogtei-Publikum lauschte konzentriert, einige mit geschlossenen Augen. Auch bei seinem letzten Werk, der Interpretation der 25 Variationen über ein Thema von Händel, gelang Dannhorn ein weiteres Mal ein pianistischer Geniestreich. „Man hat alle Hände voll zu tun“, schmunzelte Dannhorn in der Ankündigung des Werkes. Die einfallsreichen Miniaturen (op. 24) komponierte Johannes Brahms im September 1861 im Alter von 28 Jahren. Das Werk verbindet in einzigartiger Weise Barockmusik mit Musik der Hochromantik. Es gehört zu den wichtigsten Variationswerken der Klavierliteratur. Brahms, sonst eher als ein extrem selbstkritischer Komponist bekannt, bezeichnete die Variationen als sein Lieblingswerk. Am Ende der 25 Variationen steht eine großartige Fuge, die von der dramatischen Spannung zwischen Strenge und Freiheit geprägt ist. Rund 30 Minuten verzauberte Dannhorn sein Publikum mit seinem Spiel, mal laut, mal leise, mal schnell dann wieder langsam.

Er kostete die ganze Bandbreite des Flügels aus und hinterließ ein staunendes Publikum. Am Ende gab es viel Applaus und Bravo-Rufe.

Ingo Dannhorn ließ sich nicht lange bitten und spielte als Zugabe den dritten Satz der F-Dur Sonate von Beethoven. Ein Werk, welches unter den Pianisten gefürchtet ist, aber unter Dannhorns Fingern brillant und virtuos zu Gehör kam.