WEISMAIN

„Eine Baustelle unter aller Kanone“

Die Zeit drängt bei den Kanalbauarbeiten im Weismainer Hutzelbrunnen. Wegen der engen Straße und einer provisorischen Umfahrung steht die Baufirma Dietz vor besonderen Anforderungen. Über Lösungsmöglichkeiten berieten die Stadträte mit den Vertretern von Dietz-Bau. Im Hintergrund... Foto: Gerhard Herrmann

Bei den Kanalbauarbeiten in der Giechkröttendorfer Straße und im Hutzelbrunnen in Weismain drängt die Zeit. Die Leitungen müssen bis 22. Mai verlegt sein, damit das Straßenbauamt mit dem Bau der Umgehungsstraße beginnen kann. Wegen der räumlichen Enge, fehlenden Leitungsplänen und der Notwendigkeit, eine Notumfahrung für die Anlieger offenzuhalten, steht die Firma Dietz-Bau vor besonderen Herausforderungen. Über Lösungsmöglichkeiten berieten die Stadträte am Dienstagabend bei einem Ortstermin mit den Baufachleuten.

„Das ist eine Baustelle unter aller Kanone: Jeden Tag haben wir einen neuen Kriegsschauplatz – mal gibt's Probleme mit dem Wasser, mal mit dem Kanal oder mit der Gasleitung“, machte sich Seniorchef Andreas Dietz Luft. Die Baufirma müsse auf engstem Raum arbeiten, ohne zu wissen, wo die Ver- und Entsorgungsleitungen liegen. So münde im Hutzelbrunnen der neu verlegte Abwasserkanal mit 90 Zentimeter Durchmesser auf dem alten Kanal mit einem Querschnitt von 60 Zentimetern, weil der untere Bereich der Straße erst im nächsten Bauabschnitt bei der Sanierung der Bachmauer erneuert werden solle. Das größte Problem sei eine Engstelle, wo eine Garage soweit in die Fahrbahn ragt, dass kaum Platz für die neuen Leitungen sei. In der Giechkröttendorfer Straße gebe es Probleme, weil der Kanal nur 60 Zentimeter unter der Fahrbahn verlaufe.

„Jeden Tag haben wir einen neuen Kriegsschauplatz, mal gibt's Probleme mit dem Wasser, mal mit dem Kanal oder mit der Gasleitung.“
Andreas Dietz, Seniorchef Dietz-Bau

Erforderlich ist die Leitungssanierung, um die Voraussetzungen für die heuer geplante Ortsumgehung zu schaffen, erinnerte Erich Hahn vom Planungsbüro IBP aus Kulmbach. Damit soll verhindert werden, dass die neue Fahrbahn wegen Leitungsschäden aufgebrochen werden muss. Auch wenn die Baustelle schwierig sei, könne sie rechtzeitig abgeschlossen werden, meinte er. Bisher seien Schmutz- und Regenwasserkanäle sowie Wasserleitungen für rund 300 000 Euro verlegt worden. Die Gesamtkosten für den Leitungsbau bezifferte er mit 2,1 Millionen Euro. Darin ist die Fahrbahn nicht enthalten, die erst im Anschluss wieder hergestellt werden soll. Nicht berücksichtigt sei wegen der räumlichen Enge der Hochwasserschutz, sagte er auf Nachfrage von Roland Säum (Bürgerblock). Mit Rückhaltebecken vor dem Stadtrand wäre es in einem weiteren Schritt möglich, einen bis zu 75-prozentigen Schutz gegen ein 100-jährliches Hochwasser zu schaffen.

Die Leitungen könnten im Hutzelbrunnen an der Engstelle vorbei verlegt werden, doch beim Straßenbau störe die Garage. Sinnvoll wäre daher ein Kauf und Abbruch durch die Stadt, empfahl er. Dazu habe die Regierung einen Zuschuss von 90 Prozent in Aussicht gestellt, erklärte Bürgermeister Udo Dauer. Da der Straßenbau erst für 2019 vorgesehen sei, sei diese Frage bei den Haushaltsberatungen nicht berücksichtigt worden, meinte er auf Nachfrage von Julia Spörlein (CSU). Roland Säum warnte, dass derartige Immobilienkäufe kaum mit dem Haushaltskonsolidierungskonzept zu vereinbaren wären.

Geklärt werden muss noch, wie die Zufahrt zur Firma Koinor während der Arbeiten in der Giechkröttendorfer Straße gewährleistet werden kann, weil deren Lastwagen nicht über den Hutzelbrunnen umgeleitet werden können. Auch der provisorische Fußweg müsste verlegt werden. Einig waren sich die Räte, dass die von Säum im Winter angeregte Beleuchtung für den Weg jetzt nicht mehr benötigt werde. Über die von der Verwaltung ermittelten Kosten von 9000 Euro für das Provisorium wunderte sich Säum ebenso wie über die lange Bearbeitungsdauer. Um derartige Fragen flexibler klären zu können, soll der Bauausschuss künftig regelmäßig die Baustelle besichtigen.

Weil sich einige Bauvorhaben verzögert haben, musste die Stadt im vergangenen Jahr statt der geplanten Kredite von 3,8 Millionen Euro nur 415 000 Euro aufnehmen, wie Kämmerin Carmen Bezold erläuterte. Dadurch war es möglich, auch ohne die Gewährung von Stabilisierungshilfen die Mindestzuführung von 914 529 an den Vermögenshaushalt zu leisten (geplant war eine Zuführung zum Ausgleich des Verwaltungshauhalts von 34 000 Euro). Die Jahresrechnung 2017 mit 9,81 Millionen Euro im Verwaltungshaushalt und 6,22 Millionen Euro im Vermögenshaushalt hat der Stadtrat einstimmig genehmigt.

Weniger gebaut, niedrigere Schulden

Ebenso außerplanmäßige Kosten (Verwaltungshaushalt: 196 929 Euro, Vermögenshaushalt: 82 192 Euro) für Projekte wie die Felssicherung in Wallersberg (32 379 Euro), Bau- und Planungskosten für die Verlegung einer Gasleitung im Gewerbegebiet (53 500 Euro) oder die Kindertagesstätten (134 117 Euro). Ausgeglichen wurden sie durch Minderausgaben in anderen Bereichen(Verwaltungshaushalt: 624 804 Euro, Vermögenshaushalt: 2,6 Millionen Euro).

Aus dem Stadtrat: Mahnung, das Haushaltskonsolidierungskonzept auch einzuhalten

Weismain setzt weiterhin auf Sparsamkeit. Die jährliche Fortschreibung des Haushaltskonsolidierungskonzepts hat der Stadtrat einstimmig beschlossen. „Wir sollten das Konzept nicht nur beschließen, sondern uns künftig auch daran halten“, mahnte Roland Säum (Bürgerblock) mit Blick auf den Kauf des Apothekerhauses oder den Beschluss zur Unterstützung beim Bau eines Lehrschwimmbeckens in Altenkunstadt.

Die Selbstbedienungs-Autowaschanlage der Firma Ultsch in der Burgkunstadter Straße darf auch an Sonn- und Feiertagen von 12 bis 20 Uhr betrieben werden, haben die Räte bei zwei Gegenstimmen (Gabi Huber, GUB, und Hans Popp, CSU) beschlossen. Ausgenommen sind die „stillen Feiertage“.

Eine neue Hundehaltungsverordnung und Hundesteuersatzung wurde wegen gesetzlicher Änderungen beschlossen. Während sich an den Steuersätzen nichts ändert, wurde die Pflicht, Kampfhunde und große Hunde nur von Personen führen zu lassen, die den Hund auch körperlich beherrschen, gestrichen. Stattdessen kann per Einzelfallanordnung nachweislich nicht geeigneten Personen das Führen solcher Tiere untersagt und mit Geldbußen belegt werden. Für die Haltung von Kampfhunden ist die Erlaubnis der Stadt erforderlich, dabei kann die Eignung zur Auflage gemacht werden.

Beschlossen wurden die Jahresrechnung 2017, der Haushaltsplan und die Finanzplanung der Wohltätigkeitsstiftung Weismain. Für 2018 umfasst der Verwaltungshaushalt 3500 Euro und der Vermögenshaushalt 50 100 Euro für den Erwerb von Waldflächen.

Als Schöffen werden dem Amtsgericht Lichtenfels Annemarie Steger, Ulrich Röhrig (beide Weismain) und Dorle Will (Arnstein) vorgeschlagen.

Die Anlage einer Grüngutannahmestelle in Großziegenfeld würde die Stadt 176 000 Euro Baukosten und 7900 Euro für den jährlichen Betrieb kosten, weil der Landkreis nur eine Annahmestelle in jeder Kommune finanziert, sagte Bürgermeister Udo Dauer auf Anfrage von Hans Popp. „Bei 36 Stadtteilen können wir uns das nicht leisten“, bedauerte.

Die Restaurierung des Mühlrads am Anwesen Heizer im Hutzelbrunnen kann in Angriff genommen werden, so der Bürgermeister. Nachdem Spender für die Kosten aufkommen und ein ehrenamtlicher Mühlradbauer die Arbeit übernehmen will, hat auch der Besitzer zugestimmt. Lärchenholz und Eichenholz besorgt die Stadt teilweise aus eigenen Beständen.

Die neue Tourismus-Buslinie Obermain-Jura wird am 1. Mai um 10 Uhr am Bahnhof in Burgkunstadt starten. Eine kleine Einweihungsfeier ist um 10.20 Uhr an der Waßmannsmühle vorgesehen.

Überprüft wird die Wasserversorgung im Neubaugebiet in Modschiedel, nachdem bei einer Feuerwehrübung das Wasser nach einer Minute versiegte, wie Matthias Müller (CSU) mitteilte.

Einen weiteren Vorstoß zur Durchsetzung eines Tempolimits an der Staatsstraße beim Netto-Markt forderte Dritter Bürgermeister Michael Dreiseitel mit Blick auf zwei schwere Unfälle, davon einer mit Todesfolge. Vor diesem Hintergrund habe die Stadt bereits eine Anfrage ans Landratsamt gerichtet, sagte Bürgermeister Dauer.

Die marode Staatsstraßenbrücke am Kleinziegenfelder Sägewerk wird das Straßenbauamt im August sanieren. Dieser Ausbau sei keineswegs als Ersatz für die Jura-Umgehung gedacht, betonte der Bürgermeister mit Blick auf Gerüchte.