BURGKUNSTADT

Unplugged im „Wohnzimmer“

Der Sänger, Komponist und Pianist Udo Langer stellte in der „Alten Vogtei“ sein neues Werk „Lass uns lauschen“ vor. Die Zuhörer waren begeistert von seinen einfühlsamen, lebensbejahenden Liedern. Foto: Stephan Stöckel

Die Vorstellung seines neuen Albums „Lass uns lauschen“ wurde zu einem Heimspiel für Burgkun-stadts Musikexport Nummer eins, den Komponisten, Sänger und Pianisten Udo Langer. Nach Gastspielen in Bad Staffelstein, Schweinfurt und Kulmbach kehrte der Künstler am Samstagabend zurück, wie er es formulierte, „in sein Wohnzimmer, die Alte Vogtei, unter die Fittiche der Kulturgemeinde“, die das gehaltvolle Konzert organisiert hatte. „Ich bin wieder dahaam“, fügte er auf gut Fränkisch hinzu. Die 110 Besucher im ausverkauften Saal hingen förmlich an seinen Lippen.

Lagerfeuerromantik mit Klassiktouch

Es war ein intimer Abend ganz ohne Bombast – nur Udo Langer, seine Stimme und sein Klavier, eingetaucht in ein dezentes Lichtspiel, verzauberten Alt und Jung. Ein Konzert zwischen zärtlicher Lagerfeuerromantik an einem bitterkalten Winterabend, gehaltvollem Pop, kraftvoller Rockpoesie für die zornigen Momente und einem Hauch konzertantem Klavierspiel, das perfekt in die Alte Vogtei mit ihrer für Klassikkonzerte hervorragenden Akustik passte.

Für den Künstler selbst war es wie eine Rückkehr zu seinen musikalischen Wurzeln: Solo am Klavier hatte in der Jugend alles begonnen. Langer, der für seine ausladenden, multimedialen Musicalaufführungen bekannt ist, hat die Sehnsucht nach den leisen Tönen ergriffen. „Man kann auch in der Stille laut werden“, betont der Musiker im Gespräch mit dieser Redaktion. Warum? „Wenn wir still werden, dann gehen wir in uns, sortieren uns, kommen ein Stück weit bei uns an und erkennen die Wege wieder laut zu werden, also uns zu äußern.“

Doch so mancher wagt es nicht, sich zu äußern. Das ist dann der von Langer besungene „Preis der Stille“, den man bezahlt, wenn sich ein Partner in einer Beziehung alles gefallen lässt, „weil Bequemlichkeit nichts kostet, außer dass die Achtung stirbt“, wie es in dem Lied wörtlich heißt. Langers Lieder sind aus dem Leben gegriffen. So finden sich die andächtig lauschenden Zuhörer in ihnen wieder.

„Wenn wir still werden, dann gehen wir in uns, sortieren uns, kommen ein Stück weit bei uns an.“
Udo Langer zu seinem neuen Album

Sein „Auf Wiedersehen“ war kein finaler Abschiedsgruß, sondern eine Aufforderung an alle Hubschraubereltern, ihren flügge werdenden Sprösslingen „die Leinen loszubinden“, um hoffnungsfroh hinterherzuschicken: „Und aus jedem Hafen wirst du Karten kriegen.“ Auch wenn Langer die Schattenseiten des Lebens besingt, haben seine Lieder immer noch etwas Lebensbejahendes an sich. Der besungene Vagabund ist zwar „vogelfrei und ohne jeden Taler, aber im Gepäck hat er ein Fuder Hoffnung“. Und als Zuhörer fühlt man mit, mit dem Mann von der Straße.

An diesem Abend wurde aber auch jede Menge Lokalkolorit verströmt, das ein Gefühl der Vertrautheit bei den Zuhörern weckte. Das Publikum schwelgte in Erinnerungen an längst vergangene Zeiten, als die Burgkunstadter Unterstadt noch eine Einkaufsmeile war und die Namen nicht mehr existierender Geschäfte vor dem geistigen Auge der Besucher lebendig wurden. Eine Glasfaserlampe erleuchtete den Raum und aus den Boxen drang kraftvoll „Gestern war Heute“.

Frischgebackene Käsesahnetorte

Langers Konzert wurde auch zu einem Stück Trauerbewältigung. Dem Café Besold in Burgkunstadt, das zum Sommer seine Pforten schließt, schenkte der Musiker zum Abschied eine fröhliche Mitsinghymne. „Komm herein ins alte Stadtcafé, sag der lauten Alltagswelt ade“, sang voller Inbrunst ein vielstimmiger Chor. Drei frischgebackenen Geburtstagskindern versüßte der bekennende „Käsesahnejunkie“ den Abschied vom Lokal und vom Künstler mit einer vom Café Besold frischgebackenen Käsesahnetorte.

Die neue CD und das nächste Projekt

„Lass uns lauschen“: Das aktuelle Solo-Album von Udo Langer gibt es auf www.klangfeder.de zu bestellen. Ab Montag, 26. Februar, ist es auch in folgenden ausgewählten Geschäften erhältlich: Bad Staffelstein: Buch & Papier Geis, Baiersdorf: Fränkischer Hof, Burgkunstadt: Buchhandlung Schulze, Forchheim: Kathi Lorenz, Kronach: Music Service Geiger, Kulmbach: Buchhandlung Friedrich, Lichtenfels: Buchhandlung Schulze, Michelau: Bücherwelt Pfaff, Rothwind: Biolino, Redwitz: Kalis Drehpunkt, Weismain: Löpperts Lädchen.

Auftritt im Wohnzimmer: Zusammen mit der Forchheimer Sterbe- und Trauerbegleiterin sowie Buchautorin Kathrin Lorenz lädt der Burgkunstadter Komponist und Musiker am Freitag, 2. März, zu einer etwas „anderen“ Wohnzimmer-Konzert-Lesung ein. Unter dem Motto „In Liebe verbunden - Herzimpulse für Trauernde“ findet die Lesung um 19 Uhr in der Nussbaumstraße 36a in Forchheim statt. Anmelden können sich Interessierte unter Tel. (09191) 60491 oder 01573-1420144.