BURGKUNSTADT

Stadt entscheidet über den Schulort

Das Schulhaus in Mainroth: Nachdem der Stadtrat beschlossen hat, dass im nächsten Schuljahr alle Abc-Schützen in Burgkunstadt eingeschult werden sollen, scheint das Ende des Schulstandorts absehbar. Foto: Gerhard Herrmann

Heftige Kritik an dem Stadtratsbeschluss, dass beide erste Klassen im nächsten Schuljahr in Burgkunstadt eingeschult werden und nicht, wie ursprünglich den Eltern mitgeteilt, eine in Burgkunstadt und eine in Mainroth, erheben die Eltern in Mainroth und der Förderverein „Grundschule in Mainroth“. Wie berichtet, haben sie die Würzburger Rechtsanwaltskanzlei Baumann eingeschaltet und sprechen der Stadt die Zuständigkeit für eine solche Entscheidung ab. Anders sehen das Schulamt und Landratsamt: Die Stadt als Sachaufwandsträger könne durchaus darüber entscheiden, wo die Schüler unterrichtet werden, erklärte Schulamtsleiter Norbert Hauck gestern auf Anfrage.

Informationsbrief, kein Bescheid

Bei dem Schreiben, in dem Schulleiterin Gertrud Tischer den Eltern mitteilte, dass jeweils eine Klasse in Burgkunstadt und eine in Mainroth eingeschult werde, handele es sich nur um einen Informationsbrief, nicht um einen Einschulungsbescheid, der einen rechtlichen Anspruch begründen könnte, erklärte der Schulamtsleiter.

Das bestätigte auch Oberregierungsrat Anton Fleischmann als zuständiger Jurist im Landratsamt. Die Mitteilung über die Klasseneinteilung sei „lediglich eine schulorganisatorische Maßnahme ohne Außerwirkung“, zumal die Klassenbildung ja innerhalb des Schulsprengels erfolge.

„Die Schulleitung ist für die Klassenbildung zuständig ... Wo diese Schüler unterrichtet werden, entscheidet die Stadt als Sachaufwandsträger.“
Norbert Hauck Leiter des Schulamts Lichtenfels

Insofern begründe ein solches Schreiben auch keinen Rechtsanspruch. Es könne jederzeit widerrufen werden, wenn organisatorische Notwendigkeit, wie der jüngste Stadtratsbeschluss, es erforderten.

Für die Volksschule Burgkunstadt-Mainroth sei zu beachten, dass es sich um eine Schule mit zwei Schulhäusern beziehungsweise Standorten handele, erläuterte Schulamtsleiter Hauck. Auch die Regierung von Oberfranken sehe die hiesige Grundschule als Einheit. Somit umfasse der Schulsprengel das gesamte Stadtgebiet Burgkunstadt und einige Orte im Nachbarlandkreis Kulmbach.

Kooperationsklasse in Burgkunstadt

Die Schulleitung sei für die Klasseneinteilung zuständig – in Abstimmung mit der Stadt als Sachaufwandsträger. Heuer sind mit 55 einzuschulenden Kindern zwei Klassen gebildet worden, da für die Bildung einer dritte Klasse drei Kinder fehlten. Wo diese Schüler unterrichtet werden, entscheide die Stadt als Sachaufwandsträger. „Es gibt keine verbindliche Festlegung, welche Kinder den Standort Mainroth besuchen“, betonte Hauck. Insofern sei die Entscheidung des Stadtrats nicht zu beanstanden. Auch die Einrichtung der in Mainroth vorgesehenen Kooperationsklasse sei durch die Verlegung nach Burgkunstadt nicht gefährdet. Es handele sich dabei nicht um eine sonderpädagogische Einrichtung, sondern lediglich um eine Zusatzförderung, die vorgesehen ist, sobald mindestens vier Kinder mit erhöhtem Förderbedarf eine Klasse besuchen. Im Rahmen der Inklusion sei jede Schule verpflichtet, solche Kinder auf Wunsch der Eltern aufzunehmen. Die Eltern müsste entscheiden, ob ihnen die soziale Teilhabe in einer Regelklasse wichtiger ist als die spezielle Förderung in einer sonderpädagogischen Einrichtung.

Der Schulamtsleiter äußerte Verständnis für die Sorgen der Mainrother Eltern, die ihren Schulstandort erhalten wollen, doch sei das Schulamt lediglich für die Versorgung mit Lehrern und Stunden zuständig. Fraglich sei es auch, ob Versuche sinnvoll wären, kurzfristig eine dritte Klasse zu bilden – falls es denn gelingen könnte, die Voraussetzungen dafür zu erfüllen. Denn das grundsätzliche Problem des Schulstandorts Mainroth sei, dass dort immer weniger Kinder eingeschult werden.

Das sieht Reinhard Englert, Vorsitzender des Fördervereins „Grundschule in Mainroth“ anders. Er vertritt neun betroffene Familien, deren Kinder nächstes Jahr mit dem Bus nach Burgkunstadt fahren müssen. Schlimmer als die persönlichen Unbilden sei es allerdings, dass ohne Not die gewachsene Schulstruktur in Mainroth – auch in Zusammenhang mit der Kindertagesstätte „Sonnenkinder“ in Rothwind – gefährdet werde, meint er.

Förderverein kritisiert „Willkürakt“

Es sei ein „Willkürakt“ der Stadt ohne sachliche Begründung in Mainroth kein Klassenzimmer mehr für Erstklässer zu Verfügung zu stellen. Da es sich um einen „Schulstandort“ und nicht um eine „Außenstelle“ der Burgkunstadter Schule handele sei diese Entscheidung nicht richtig. Er wolle alle juristischen und politischen Mittel dagegen ausschöpfen.