Gemeinde und Bürger einer Meinung

Altenkunstadt

Die Mitteilung der weiterführenden Schulen, dass ihre Kinder ab dem neuen Schuljahr an der Kreisstraße Lif 18 in den Schulbus einsteigen sollen, kam für die betroffenen Eltern im Altenkunstadter Ortsteil Prügel wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Sie verstehen die Welt nicht mehr

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„Jahrelang stiegen unsere Sprösslinge an der Haltestelle unweit des Gutshofes ein

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und jetzt sollen sie plötzlich an der Landstraße einsteigen, wo deutlich höhere Geschwindigkeiten herrschen. Das verstehe wer will“, schüttelte Helmut Degen nach der Bauausschusssitzung am Dienstagabend ungläubig mit dem Kopf.

Das Bushalteschild steht zwar schon, doch ist in dieser Angelegenheit das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die neue Haltestelle hatte Thorsten Schmidtke von den Jungen Bürgern (JB) aus Prügel auf den Plan gerufen. In einem Antrag, der den Bauausschuss beschäftigte, spricht sich der Gemeinderat für einen Standort innerhalb des Orts aus. Für ihn, die Eltern und die Schüler ist die bestehende Bushaltestelle am Dorfweiher, die vor Jahren von Prügeler Eltern errichtet worden war, die optimale Lösung. Diese wird derzeit nur von den Grundschülern genutzt.

„Ich hoffe, dass es das Landratsamt genauso sieht wie Herr Schmidtke und die Mitglieder des Bauausschusses.“
Helmut Degen, einer der betroffenen Eltern

Die Schüler, die in die Mittelschule Altenkunstadt oder nach Burgkunstadt ins Gymnasium oder in die Realschule wollen, benutzten bislang die ältere Haltestelle am Gutshof, die einst die Gemeinde hatte errichten lassen. „Der Standort am Dorfweiher neben dem Kulturstadel in einer 30-Kilometer-Zone ist verkehrsberuhigt und durch die Anwohner gut einsehbar“, heißt es in dem Antrag Schmidtkes, der zur Sitzung des Ausschusses im Urlaub weilte. Einstimmig beschloss das Gremium, den Antrag des Prügeler Gemeinderates mit Nachdruck gegenüber dem Landratsamt zu vertreten, das das letzte Wort in der Angelegenheit hat.

„Nährboden für Rechtsverstöße“

Der Gemeinderat führt ein ganzes Bündel an Gründen an, die gegen die außerörtliche Bushaltestelle sprechen: die hohe Geschwindigkeit des Durchgangsverkehrs auf der an Werktagen mittelstark frequentierten Kreisstraße, der fehlende Gehweg zur Haltestelle und das nicht vorhandene Buswartehäuschen, das Schutz vor Witterungseinflüssen bieten würde.

Die neue Haltestelle befindet sich zudem zwischen der Kreisstraße und dem Wirtschaftsweg zwischen Baiersdorf und Prügel. „Dieser wird von großen landwirtschaftlichen Maschinen genutzt und stellt eine weitere rückwärtige Gefahr für die Kinder dar“, sorgt sich Schmidtke um die Sicherheit der Heranwachsenden. Die außerörtliche Lage und die Tatsache, dass die Haltestelle unbeleuchtet ist, sind für den Gemeinderat „ein möglicher Nährboden für Rechtsverstöße“.

Zudem sollen die Prügeler Kinder wieder mit der Altenkunstadter und nicht mehr mit der Weismainer Linie zu ihren Schulen gebracht werden. Das würde bedeuten, dass die Kinder nicht mehr um 6.40 Uhr, sondern erst um 7.15 Uhr an der Haltestelle stehen müssten. „Diese halbe Stunde Schlaf sollten wir den Kindern und Jugendlichen wieder zurückgeben“, fordert Schmidtke. Auch die Eltern fänden es gut, wenn die bis 2015 praktizierte Regelung wieder eingeführt wird.

Wegen steigender Schülerzahlen kommt für die Mädchen und Jungen der weiterführenden Schulen ein Ziehharmonikabus zum Einsatz. Die Argumentation der Firma Götz, der Busfahrer könne im Ort mit seinem langen Gefährt nicht wenden, ließ Gerd Hofmann von der Bauverwaltung nicht gelten. „Er kann auch ohne zu wenden durch den Ort fahren und dabei die Schüler abholen beziehungsweise aussteigen lassen“, sagte er.

Dorfweiher als Standort erwünscht

Den Gedankenspielen von Stephanie Dittrich (Bündnisgrüne), die den Bau einer Bushaltestelle an der Kreisstraße ins Gespräch gebracht hatte, erteilte Ludwig Winkler von den Freien Bürgern der Ortsteile (FBO) eine Absage: „Eltern und Schüler wünschen sich nur einen Standort und zwar den am Dorfweiher.“

Auch die Eltern würden sich freuen, wenn zukünftig alle Schüler und nicht nur die Grundschüler dort in einen Bus einsteigen könnten. „Ich hoffe, dass es das Landratsamt genauso sieht wie Herr Schmidtke und die Mitglieder des Bauausschusses“, sprach Helmut Degen den anwesenden Eltern aus der Seele.

Sichtdreieck oft verdeckt

Auch in Altenkunstadt wird das Sichtdreieck, das ein Verkehrsteilnehmer zur Verfügung hat, wenn er von einer untergeordneten in eine übergeordnete Straße abbiegen will, immer wieder durch parkende Fahrzeuge oder Bewuchs verdeckt. Diesen Missstand sprach Ludwig Winkler an. Das Landratsamt sollte tätig werden, damit zum Beispiel im Baugebiet Weidner oder an der Einmündung vom Steuerweg in den Hetzenweg im Ortsteil Woffendorf die Autofahrer freie Sicht hätten. Gerd Hofmann erwiderte, dass die Polizei die Auffassung vertrete, dass sich die Verkehrsteilnehmer vorsichtig in die Straße hineintasten sollten. „Es gibt Situationen, wo alle Vorsicht nicht genügt“, ließ Winkler diesen Einwand nicht gelten.

Die großen Fensterscheiben erinnern noch an den Lebensmittelladen von Maximilian Deuber in der Langheimer Straße, der über Jahrzehnte nicht nur ein Hort des Kaufes, sondern auch des Plausches gewesen ist. Mit dem Umbau des einstigen Ladens in eine Wohnung werden die Erinnerungsstücke an Altenkunstadts Tante-Emma-Vergangenheit nun endgültig verschwinden. Der Ausschuss erteilte einem entsprechenden Antrag Deubers das gemeindliche Einvernehmen. Mit Blick auf die angespannte Stellplatzsituation in Altenkunstadt wollte Stephanie Dittrich („immer mehr Familien haben zwei oder sogar drei Fahrzeuge“) wissen, ob für die Wohnung im ehemaligen Krämerladen ein Stellplatz geschaffen werde. „Der Stellplatzbedarf für den Laden, der etwas höher war, fällt weg, und wird sich mit dem für die Wohnung in etwa ausgleichen“, meinte Gerd Hofmann von der Bauverwaltung. Genaueres werde man beim zuständigen Landratsamt erfragen, ergänzte Zweiter Bürgermeister Georg Deuerling.

Bauprojekte kommen gut voran

Auf Wunsch von Norbert Schnapp von der Jungen Wähler Union (JWU) gab Deuerling einen Sachstandsbericht zu aktuellen Bauvorhaben ab. Beim Baugebiet Evangelische Kirche II komme man gut voran. „In der zweiten Oktoberwoche werden die Erschließungsmaßnahmen beendet sein.“ Auch im Ortsteil Zeublitz gingen die Kanalbauarbeiten voran. Gerd Hofmann erinnerte die Verkehrsteilnehmer daran, dass wegen der Bauarbeiten eine Vollsperrung bestehe. Entsprechende Umleitungsstrecken seien beschildert. Die Bauarbeiten für das neue Pumpwerk in Pfaffendorf sind nach Auskunft Georg Deuerlings abgeschlossen.

Über die weiteren Themen im Bauausschuss berichten wir in unserer morgigen Ausgabe.