Standpunkt: So verspielt der Jura seine Zukunft

Ein Betrieb, der weder Lärm noch Gestank verursacht und stattdessen Arbeitsplätze und Gewerbesteuer verspricht – kaum eine Stadt würde ein derartiges Angebot ausschlagen. Angesichts der leeren Stadtkassen und dem Trend zur Landflucht mangels Arbeitsplätzen, ist der Protest gegen die Gewächshausanlage im Fesselsdorfer Gewerbegebiet nur schwer nachvollziehbar. Verständlich scheint allenfalls die Sorge der direkten Anwohner, doch auch für die hätte sich die Belastung im Gegensatz etwa zur Ansiedlung einer Spedition in Grenzen gehalten.

Wie soll die Stadt das Gewerbegebiet vermarkten, wenn Investoren allein schon bei der Aussicht auf derartigen Bürgerzorn künftig wohl eher dankend abwinken werden? Zweifelhaft erscheinen die Warnungen der Bürgerinitiative vor einer Zerstörung der Heimat, wenn sie dadurch deren Entwicklung blockieren.

„Wenn wir wollen, dass alles bleibt wie es ist, dann ist nötig, dass alles sich verändert“, heißt es in Lampedusas Roman „Der Leopard“. Das gilt auch für die Kulturlandschaft des Jura. Um sie zu erhalten, müssen die Dörfer lebendig bleiben. Das ist nur möglich, wenn sie Entwicklungsmöglichkeiten durch Arbeitsplätze bekommen und wenn die Stadt genug Einnahmen hat, um Straßen und öffentliche Einrichtungen zu erhalten. Dazu wäre es allerdings erforderlich, sich angesichts solcher Chancen ohne Vorurteile damit auseinanderzusetzen, Vor- und Nachteile abzuwägen und im Sinne des Gemeinwohls auch mal über den eigenen Schatten zu springen.

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