2016.09.23 - Lageplan Scherzer, Buckendorf

FESSELSDORF

Aus für Tomatenanbau auf dem Jura

Mit dem Tomatenanbau zur Belebung des Gewerbegebiets Fesselsdorf-Buckendorf wird es nichts. Nach Scheitern der Grundstücksverhandlungen hat die Scherzer-Landwirtschafts GbR aus Nürnberg ihre Bauvoranfrage zur Errichtung einer Gewächshausanlage auf einer Fläche von 15 Hektar am Freitag zurückgezogen. Die Investoren und Bürgermeister Udo Dauer machen dafür den öffentlichen Druck der „Interessengemeinschaft Monstergewächshaus“ verantwortlich, die mit Flugblättern und Unterschriftensammlungen für ein Bürgerbegehren Stimmung gegen das Vorhaben gemacht haben.

„Es ist schade, dass das Vorhaben gescheitert ist – das wäre die Chance des Jahrhunderts für Weismain gewesen“, bedauert der Bürgermeister. Unverständlich ist es für ihn, dass die sieben Besitzer der größeren Flächen, die ursprünglich einem Verkauf oder Tausch der Grundstücke zugestimmt hätten, jetzt entweder überzogene Preisforderungen stellten oder sich weigerten ihre Grundstücke für dieses Projekt zur Verfügung zu stellen. Mehr als ein halbes Jahr lang hätten er und Werner Zeis vom Bauamt mit den Besitzern verhandelt und Tauschflächen organisiert.

Dauer: Jahrhundertchance vergeben

Nicht nur diese Arbeit sei jetzt vergeben, sondern auch die Chance auf Ansiedlung eines nicht störenden Betriebes, der Gewerbesteuer und Arbeitsplätze für Weismain gebracht hätte. „Das wäre ein Betrieb gewesen, der weder Lärm noch Gestank verursacht – was wollen die Leute denn erst sagen, wenn sich dort ein Logistikunternehmen oder eine Chemiefabrik ansiedeln will?“ wundert sich Dauer. Er verstehe zwar die Sorgen von direkten Anwohnern, doch frage er sich, warum sie sich nicht bei der Aufstellung des Bebauungsplans für das Gewerbegebiet geäußert hatten, bei der auch die Rodung von Wald vorgesehen war.

Nicht nur Saisonarbeitskräfte, sondern auch 50 feste Mitarbeiter bis hin zum Gartenbau-Ingenieur habe das Unternehmen schaffen wollen und durch Besuchergruppen, wie im Mutterbetrieb, wäre sogar eine Belebung des Tourismus möglich gewesen. Für die Stadt wäre der Betrieb auch deshalb attraktiv gewesen, weil sie bei der Erschließung nicht in Vorleistung hätte gehen müssen, wie dies für die Ansiedlung kleinerer Betriebe erforderlich wäre. Dadurch verteuerten sich die Grundstückspreise und eine Vermarktung des seit zwei Jahrzehnten ungenutzten Gewerbegebiets würde noch schwieriger.

Die Interessengemeinschaft „Monstergewächshaus“ hatte gegen das Vorhaben mobil gemacht, weil es ihnen mit einer Fläche von 20 Fußballfeldern als zu groß für Fesselsdorf (etwa 80 Einwohner) erschien und sie stattdessen die Ansiedlung kleinerer Betriebe forderten. Außerdem kritisierten sie den Wasserverbrauch, der durch Tiefbrunnen den Grundwasserspiegel absenken und die Vegetation schädigen könnte, die Rodung von mehr als sechs Hektar Wald, der Fesselsdorf als Lärmschutz zur Autobahn hin diene, sowie den Bau von Wohnheimen für Erntehelfer. Mit der Verteilung von 5000 Flugblättern und der Sammlung von 290 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gingen sie gegen das Vorhaben vor. Unterschrieben hätten nicht nur die meisten Fesselsdorfer, sondern viele Bürger auf dem ganzen Jura und aus der Stadt Weismain, betonte IG-Sprecher Edwin Bergmann. „Die überregionale Empörung über dieses Projekt auf der Landkreisgrenze ist riesengroß“, betonte er.

Mit dem Scheitern der Grundstücksverhandlungen und der Kampagne der Interessengemeinschaft begründen Fritz Boss und Peter Scherzer von der Scherzer-Landwirtschafts GbR den Verzicht auf das Vorhaben. Andere Flächen in Weismain, die ihnen die Stadt angeboten habe, seien nicht geeignet. „Wir sind nämlich nicht gewillt, unseren bisher stets guten Ruf durch Unwahrheiten beschädigen zu lassen“, betonen sie. Nicht nachvollziehbar sei es, „dass es Menschen gibt, die sich, ohne sich mit unserem geplanten Projekt näher auseinanderzusetzen, auf derartige Unwahrheiten einlassen, wie diese von der Bürgerinitiative verbreitet werden“. So hätten die Gegner des Vorhabens das Angebot abgelehnt, den bereits bestehenden Betrieb in Dinkelsbühl zu besichtigen und außerdem die Beteiligung des Unternehmens an einer für Fesselsdorf beantragten Bürgerversammlung abgelehnt. Es stelle sich daher die Frage, „über was diskutiert werden soll, wenn niemand anwesend ist, der zum geplanten Vorhaben detailliert Stellung beziehen kann“.

„Nicht nachvollziehbar ist, dass es Menschen gibt, die sich, ohne sich mit unserem geplanten Projekt näher

auseinanderzusetzen, auf

derartige Unwahrheiten

einlassen, wie diese von der Bürgerinitiative verbreitet werden.“

Fritz Boss und Peter Scherzer, Scherzer Landwirtschafts GbR

Die Interessengemeinschaft arbeite mit „Unwahrheiten, Polemik und Stimmungsmache“, wenn sie behaupte, dass täglich bis zu 1000 Kubikmeter Brunnenwasser gefördert werden sollen, da drei Regenwasserauffangbecken mit insgesamt 40 000 Kubikmeter Fassungsvermögen zur Sicherung des Trinkwasserbedarfs geplant waren. Die Kritik an einem möglichen Baumsterben und dem Energieverbrauch der Anlage bezeichnen Scherzer und Boss als „Farce“. Ebenso die Befürchtungen wegen der Beschäftigten: die Mitarbeiter seien zum Teil schon seit 20 Jahren im Betrieb – die meisten in Festanstellung. „Wir hatten deshalb weder in unseren Betrieben in Nürnberg noch in Dinkelsbühl Beschwerden von den umliegenden Anwohnern in den Dörfern“, betonen sie. Stattdessen hätten die Angestellten vom regionalen Erntehelfer über Handwerker bis zum Führungspersonal zur Verbesserung der Kaufkraft in der Region beigetragen. Außerdem erklären sie, „dass es schlichtweg die Unwahrheit ist, dass wir keine Gewerbesteuer entrichtet hätten“.