WEISMAIN/LICHTENFELS

Ein Menschenfreund und Poet

Der Heimatdichter und Pädagoge Andreas Dück beim Schreiben. FOTO: Adriane Lochner Foto: Picasa

„Er war der väterliche Typ, ein Freund. Er ist nie ausgerastet wie manch andere Lehrer“, erinnert sich der 70-jährige Dr. Klaus Prell aus Burgkunstadt, ehemals Schüler in Seubelsdorf. In seinem ersten Schuljahr 1953/54 hatte Prell keinen anderen als Klassenlehrer, als Andreas Dück, Träger des Bundesverdienstkreuzes, Ehrenbürger von Seubelsdorf und Weismain, fortschrittlicher Pädagoge und erfolgreicher Heimatschriftsteller. Geboren wurde Dück am 2. November 1891 in Weismain, 1968 ist er gestorben. An diesem Mittwoch wäre sein 125. Geburtstag.

Im zweiten Band des Weismain-Buchs ist ihm ein ganzes Kapitel gewidmet, verfasst vom Germanisten Richard Kerling aus Burgkunstadt, der sich bei seinen Recherchen zum ersten Mal mit Heimatliteratur beschäftigte. „Dück hat wirklich gut erzählt“, sagt Kerling. Eine seiner Lieblingsgeschichten sei die „Die Alte“. Darin geht es um eine eigensinnige und kluge Kuh, der Dück bildkräftig und methaphernreich Leben einhaucht: „Ihre Hörner waren wie bei einem Schafbock mit kühnem Schwung über die Augen hinweg nach rückwärts gebogen und ihre Augen glotzten wie über einer Brille an ihren Hörnern vorbei so daß etwas Überernstes und Allzugewissenhaftes in ihrem Blick lag.“ Zu Tränen gerührt ist der Leser, wenn die Alte zum Schlachter geführt wird.

Kerling schreibt über Andreas Dück: „Er sieht in den Tieren, vor allem den Haustieren, Mitgeschöpfe, die die Achtung des Menschen verdienen.“ Zahlreiche Kindheits- und Jugenderinnerungen verarbeitet der Heimatschriftsteller in seinen Werken. „Chicago in Lichtenfels“ heißt eine seine Erzählungen, die von einem sechsjährigen Buben handelt, der sich nichts sehnlicher wünscht, als nach Chicago zu reisen. Mit kindlicher Fantasie werden für ihn die allgemein als hässlich empfundenen Lichtenfelser Mietskasernen des späten 19. Jahrhunderts zum leibhaftigen Chicago. In anderen Geschichten schreibt Dück vom Zauber des Giechkröttendorfer Schlosses, von den Menschen auf dem Jura, von Liebe und Ehe, kurz von Gott und der Welt. In einer gleichnamigen Geschichte sagt Dücks „Tante Bärbl“ zusammengefasst: „Sie lieben ihren Jura mit all seinen Plagen, weil er eben die Heimat ist. Und kommt einmal über einen die Versuchung wegzugehen, dann wird der Jura zum eifernden Freier, der den Menschen festhält und ihm sagt, dass er dableiben muss, wenn er sich nicht selber einbüßen will.“

„Lustiges und Leidvolles aus dem Dasein einfacher Menschenkinder“ – davon handeln Dücks Erzählungen, schreibt Kerling im Weismain-Buch. Dück wurde berühmt für seine Novellen, Anekdoten, Kalendergeschichten, erzählerischen Skizzen, Erinnerungen und Berichte. Etwa 80 Titel seiner Kurzprosa wurden damals in Tageszeitungen veröffentlicht. Seine Werke hat Dück auch privat drucken lassen in der Druckerei Schulze in Lichtenfels, um sie an Freunde und Bekannte zu verschenken. Heute verwahrt das Colloquium Historicum Wirsbergense (CHW) Dücks Veröffentlichungen sowie das Stadtarchiv in Lichtenfels und teilweise auch das NordJURA Museum in Weismain. Am Haus der Sparkasse in Weismain hängt eine Erinnerungstafel an Andreas Dück.

Als Sohn eines Kommunbrauers, Metzgers und Landwirts wurde Dück geboren. Zwar war sein Vater als erzählfreudig bekannt, doch hätte Dück wohl nie den Mut gehabt, seine Werke zu veröffentlichen, wäre er nicht zufällig dem Dichter Wilhelm Schäfer begegnet. Von dessen Werk „Lebenstag eines Menschenfreundes“ war Dück so angetan, dass er von 1919 bis 1921 als Schäfers Haussekretär an dessen Wohnsitz am Bodensee arbeitete. Während dieser Zeit begegnete Dück Schäfers intellektuellem Freundeskreis, unter anderem dem Schriftsteller und späteren Nobelpreisträger Hermann Hesse.

„Ihre Hörner waren wie bei einem Schafbock mit kühnem Schwung über die Augen hinweg nach rückwärts gebogen und ihre Augen glotzten wie über einer Brille an ihren Hörnern vorbei, so daß etwas Überernstes und Allzugewissenhaftes in ihrem Blick lag.“
Aus der Erzählung „Die Alte“ von Andreas Dück

Erlebnisse und Erfahrungen aus Dücks Berufsleben als Lehrer flossen ebenfalls in seine Erzählungen ein. Deutlich spiegeln die Geschichten seine pädagogische Einstellung wider. Seine Anekdotensammlung „Ein Schulmeister“ leitet Dück mit der Feststellung ein, „daß in der guten alten Zeit die Folterbänke in den Dorfschulen noch vollgestopft waren mit der eingekerkerten Lebenskraft zusammengepferchter Kinder.“ Dück war der Auffassung, Lachen ist gesund – auch in der Schule. Sein Ziel war „die Entfaltung des Seelischen im Kinde“.

Neue Wege im Kunstunterricht

So erschloss er Neuland in der Pädagogik, vor allem in der Zeichen- und Farbenlehre. Als unkonventionell galt sein Kunstunterricht, darin entstanden die berühmten „Seubelsdorfer Kinderzeichnungen“. Die hatten es Vertretern der damaligen pädagogischen Reformbewegung sehr angetan, unter anderem bekam Dück Besuch von Rudolf Laban, dem Begründer des Ausdruckstanzes. Der war fasziniert von den Kinderzeichnungen wegen ihrer „einmaligen ornamentalen geradezu tänzerischen Gestaltung als Schrift aus den Untergründen des Zauberreichs der Seele.“ Viele dieser Zeichnungen werden derzeit im Lichtenfelser Stadtarchiv verwahrt.

Heimatforscher: Andreas Dück an der Drei-Brüder-Marter. Foto: Adriane Lochner
Der Pädagoge im Kreis seiner Schüler: Andreas Dück auf einer Aufnahme von 1931. FOTO: Adriane Lochner Foto: Picasa