BUCKENDORF

Für Freilandgemüse statt Großgewächshaus

Angeblich sind deutsche Tomaten eine Erfolgsgeschichte. Denn Tomaten sind in Deutschland das Gemüse, das am häufigsten konsumiert wird. Aber muss denn die Tomaten-Glashausfläche um jeden Preis ausgeweitet werden, damit Gemüsegroßanbauer eine erhöhte Produktivität und mehr „Wertschöpfung“ erzielen können, dafür jedoch riesige Flächen versiegelt werden? Die BUND Naturschutz Kreisgruppe Lichtenfels meinte bei ihrer jüngsten Vorstandssitzung: „Nein, das gleicht keineswegs einem Sechser im Lotto, sondern der Bau des in Buckendorf geplanten industriellen Großgewächshauses sollte nicht einfach hingenommen werden.“

BN-Kreisgruppenvorsitzender Anton Reinhardt erläuterte: „Gewächshauskulturen haben einen hohen Energieaufwand. Der Primärenergieeinsatz liegt im beheizten Gewächshaus im Vergleich zum Freilandanbau um 34 Mal höher. Durch die Überbauung verändern sich die Verdunstungsaktivität des Bodens und das Kleinklima“. Da in den Gewächshäusern nicht mehr mit dem gewachsenen Ackerboden, sondern mit Nährlösungen gearbeitet werde, zählten auch Unterglasflächen zum weiterhin grassierenden Flächenverbrauch, den es auch in der Region einzuschränken gelte.

„Gewächshauskulturen haben einen hohen Energieaufwand. Der Primärenergieeinsatz liegt im beheizten Gewächshaus im Vergleich zum Freilandanbau um 34 Mal höher. “
Anton Reinhard, BN-Kreisgruppenvorsitzender

Ein regionaler Anbau konterkariere außerdem die Vermeidung des Niedriglohns, wenn zu den Erntespitzenzeiten Billig-Arbeitskräfte aus dem Südosten Europas eingestellt werden sollen, wie aktuell bei anderen Großgewächshaus-Unternehmen. Auch wenn der Investor 50 feste Arbeitsplätze schaffen möchte; der Großteil könne, um wettbewerbsfähig zu bleiben, nur über das Niedriglohnsegment finanziert werden.

„Denken wir auch an unsere wertvolle Kulturlandschaft“, mahnte Günter Lutz, BN-Vorsitzender der Ortsgruppe Lichtenfels. „Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe für Gewächshäuser in agrarindustriellen Dimensionen mit mehreren Hektar Fläche haben mit bäuerlichen Strukturen nichts mehr zu tun. Uns scheint es hingegen logischer, eine Saisonverlängerung mit Freilandgemüse bzw. unbeheizten Foliengewächshäusern anzustreben.“

Im regenarmen Jura könne keinesfalls damit gerechnet werden, dass allein durch Regenwasserauffangbehälter der hohe Wasserbedarf der Tomatenpflanzen gestillt wird. „Den ohnehin relativ niedrigen Grundwasserstand des Jura gilt es nicht noch zusätzlich durch intensive Agrarwirtschaft abzusenken und somit die Wassergewinnung der umliegenden Ortschaften zu erschweren“, erläuterte BN-Delegierter Günther Scheler. Nicht nur in Buckendorf wehrten sich zu Recht Bürger gegen dieses geplante Projekt – in Obermichelbach im Landkreis Fürth habe eine Bürgerinitiative eine ähnliche landwirtschaftliche Industrieanlage verhindert.

Das Resümee der BN-Kreisgruppe lautete: „Wir unterstützen lieber den achtsamen regionalen und biologischen Anbau. Dieser hat nicht nur eine positive Wirkung auf Boden, Wasser, Luft und Artenvielfalt. Biolebensmittel beinhalten außerdem teilweise höhere Anteile an Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen, haben keine Pestizidrückstände und weisen geringere Nitratrückstände auf.“

Weitere Infos gibt's im BN-Umweltbüro in der Coburger Straße 33 in Lichtenfels oder unter www. lichtenfels@bund-naturschutz.de.

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