BURGKUNSTADT

Jeden Schüler dort abholen, wo er steht

Das Schulhaus kennt sie noch aus ihrer eigenen Schulzeit: Susi Krauß ist seit 1. August Rektorin der Friedrich-Baur-Grun... Foto: Gerhard Herrmann

Als Susi Krauß ihre Lehrerstelle an der Friedrich-Baur-Grundschule Burgkunstadt antrat, hatte auch ihre Tochter Anna dort ihren ersten Schultag. Das Schulhaus mit dem charakteristischen Turm kennt sie schon seit der eigenen Kindheit und zwei der Kolleginnen hatte sie früher als Lehrerinnen. Inzwischen besucht die Tochter das Gymnasium und Susi Krauß wurde zum 1. August zur Rektorin ernannt.

„Es fühlt sich ein bisschen an, wie daheim“, beschreibt Susi Krauß ihre Gefühle in dem Schulhaus, das sie seit der Kindheit kennt und das sie jetzt leitet. Lehrer sei ihr „Traumjob“, schon früh habe sie gewusst, dass sie mit Kindern arbeiten wolle. Die Berufung zur Schulleiterin sieht die 42-Jährige nach einem Jahr als Konrektorin und nach der Berufung der Vorgängerin Stefanie Mayr-Leidnecker ins Schulamt auch als Anerkennung ihrer Arbeit.

„Mir ist jedes Kind

mit all seinen Begabungen

und Defiziten wichtig.“

Susi Krauß, Rektorin Friedrich-Baur-Grundschule

„Mir ist jedes Kind mit all seinen Begabungen und Defiziten wichtig“, betont Susi Krauß. Für einen Lehrer sei es entscheidend, jeden Schüler wert zu schätzen und dort abzuholen, wo er in seiner Entwicklung stehe – nur so könne man darauf eingehen, was er kann und das weiterentwickeln. „So kann ich dem Kind das beste Rüstzeug für sein weiteres Leben mitgeben“, betont sie.

Gerade angesichts der gestiegenen Anforderungen im Lehrplan, die die wachsenden Erwartungen der Gesellschaft spiegeln, sei es wichtig, auf den einzelnen Schüler einzugehen. Dabei helfe das vertrauensvolle Gespräch mit den Eltern. „Wir haben hier zum Glück keine Helikopter-Mütter, wie in manchen Großstädten, sondern ich habe den Eindruck, dass alle das beste für ihr Kind wollen“, erklärt die Rektorin. Das habe sich auch bei der gemeinsamen Arbeit am Leitbild der Schule gezeigt.

Allerdings seien die Voraussetzungen, die die Erstklässer mitbringen sehr unterschiedlich: während manche bei Null anfangen, könnten andere schon lesen oder rechnen. Auch die Vermittlung von Werten, sozialem Verhalten und dem Umgang mit Emotionen ist der Rektorin wichtig. Zunehmend falle es Schülern schwerer, sich länger auf eine Arbeit zu konzentrieren oder ein Seite im Heft ordentlich zu gestalten. Bei allem Verständnis für kindliche Kreativität gelte es daher zu vermitteln, dass eine gute Strukturierung des Stoffs auch das Lernen erleichtere. Ziel sei möglichst selbst gesteuertes Lernen, das durch einen interessanten Unterricht natürlich befördert werde. Die Medienpräsenz in den Kinderzimmern führe allerdings auch zu Erwartungen an den Unterricht, bei denen sie sich manchmal fast wie ein Animateur vorkomme.

Künftig wird die Pädagogin aus Leidenschaft nur noch zwölf Stunden in der Woche als Klassenleiterin tätig sein. Daneben gilt es die Verwaltungsarbeit zu stemmen und als Evaluatorin andere Schulen zu begutachten. Ohne die Unterstützung der Familie wäre das nicht zu schaffen, betont Susi Krauß. So kümmern sich ihre Eltern öfter um die elfjährige Tochter, wenn's mal später wird und der Mann fungiere als „Blitzableiter“ und mache ihr klar, dass nicht immer alles perfekt sein müsse: „80 Prozent reichen oft auch“.

Von der Einrichtung der offenen Ganztagsschule über die Bläserklasse, die Aufwertung des Schulhofs und die erste Kunstausstellung der Schüler außerhalb des Schulhauses – viel hat sich in den vergangenen Jahren an der Friedrich-Baur-Grundschule getan, vieles davon hat Susi Krauß mit angeschoben. Die große Zukunftsaufgabe wird die Neugestaltung des Schulbergs. Über ein pädagogische sinnvolles Raumkonzept wird im Herbst eine Arbeitsgruppe von Vertretern der Stadt und der Schule mit der Fachfrau Karin Doberer beraten. Unabhängig vom Ergebnis spricht sich die Rektorin für den Erhalt des alten Schulgebäudes mit seinen großen Klassenräumen aus. Da die Bausubstanz gut sei, könnte mit Schallschutz für die hohen Räume und einer Sanierung des Untergeschosses viel erreicht werden. Wichtig sei, dass neben Möglichkeiten, Klassen zu Arbeitsgruppen aufzuteilen, auch Platz für die Ganztagsbetreuung vorhanden sei, für die zurzeit das Gebäude der ehemaligen Mittelschule genutzt wird.

Schulschwimmen: Bitte um Verständnis

Um Verständnis bittet die Rektorin in der Diskussion um den Schwimmunterricht. Mit der Möglichkeit, interessierten Kindern die Grundkenntnisse durch einen privaten Schwimmkurs im Hallenbad des Hotels „Fränkischer Hof“ in Baiersdorf zu vermitteln, biete die Stadt eine gute Alternative, so lange kein Lehrschwimmbecken zur Verfügung stehe. Die Schule werde darüber hinaus im Sommer das Freibad und im Winter das Lehrschwimmbecken in Marktgraitz nutzen, das allerdings für eine ganze Klasse zu klein sei.

Auch diese Diskussion sorgt dafür, dass die Schulleiterin immer mal wieder ins Büro muss, während die Schüler ihre Ferien genießen. Vorbereitungen für das neue Schuljahr, Stellungnahmen an die Behörden schreiben.