BURGKUNSTADT

Ein starkes Solo für Udo Langer

Mann mit Visionen: Eine Quelle der Inspiration sind für den Komponisten Udo Langer die Werke des romantischen Dichters A... Foto: Gerhard Herrmann

Wellenrauschen, perlende Gitarren-Akkorde und dann Udo Langers klare Stimme mit einem munteren Pop-Song. Die Verse von einer Frau und einem Mann, die sich im täglichen Einerlei zwischen Arbeit und Kindererziehung entfremdet haben, erden die leichte Melodie mit dem eingängigen Refrain. Nanu - keine magischen Gestalten aus dem „Grünbergland“ oder wenigstens ein „Wundersamer Ausflug“? Nein, mystische Momente hat die neue CD „Hellwach“ von Udo Langer nicht zu bieten, dafür aber ebenso eingängige wie aufrüttelnde Songs und Verse zum Nachdenken. Immerhin bietet das Thema Liebe eine Konstante.

Neue Wege geht Udo Langer mit seinem neuen Werk nicht nur musikalisch und thematisch. Anstatt wie bisher mit großem Aufwand eine ausgefeilte CD mit Orchester und Gaststars zu erstellen, setzt er ganz auf die eigene Stimme: alle Songs singt er selbst. Obwohl kein ausgebildeter Sänger, überzeugt Langer mit seiner klaren, manchmal etwas herben Intonation – er könnte durchaus als Liedermacher irgendwo zwischen Reinhard May und Klaus Lage durchgehen. Ertrag seiner Solo-Auftritte, die ihn bis in den Schwarzwald geführt haben und bei den immer wieder die Frage gestellt wurde: „Warum haben sie keine Solo-CD?“

„Zaungast der Zeit“

Fast schon puristisch die Instrumentierung: Neben dem warmen, lautmalerischen Gitarrenspiel von Marco Hofmann sorgt Walter Wachter, der mit seinem Saxophon groovende Glanzlichter einstreut, für den melodischen Rahmen. Damit's nicht zu karg wird, zaubert Langer selbst mit Piano, Drums und anderen Preziosen aus der Klangwerkstatt seines Keyboards noch ein bisschen.

Bei der Veröffentlichung setzt der Komponist auf die neuen Medien. Vorab soll eine „Single-Auskopplung“ zusammen mit einem Video am Samstag, 8. August, um 16 Uhr „virtuell released“ werden wird („Acht und acht gibt 16“, scherzt der Künstler). Das Video hat Langer selbst gedreht. Neben kurzen Sequenzen von den Musikern sind eindrucksvolle Aufnahmen vom Strand bei St. Peter Ording, Hamburg Berlin und natürlich vom Obermain zu sehen, die die Verse thematisch unterstreichen. Viel Arbeit hat der auf Filme spezialisierte Werbe-Profi Udo Langer in das aufwändige Video investiert. Und für das Mastering des Titelsongs hat er den Klangkünstler EROC („Grobschnitt“) gewonnen, der mit dem aufwändigen STEM-Mastering jede Klangspur einzeln veredelt hat.

Über die insgesamt zehn Songs der CD, die im Oktober oder November veröffentlicht werden soll, will der Komponist noch nichts verraten. Neben zwischenmenschlichen Themen wie „Der Kuss“ (eine Liebesgeschichte, zu der es ein weiteres Video mit Aufnahmen aus der Region geben soll) oder „Schweigen“ hat er persönliche Empfindungen wie den Wunsch seine Kinder in Berlin zu besuchen im Song „Flughafen“ verarbeitet. Für Kontraste sorgt der schräge Song „Bauer sucht Jauch“ – eine Mediensatire, in denen er Auswüchse wie die Shows von Heidi Klum oder Dschungelcamp auf die Schippe nimmt.

„Ein Liedtext sollte so gut sein, dass ich ihn als Gedicht lesen kann, und eine Melodie

muss so stark sein,

dass sie für sich steht.“

Udo Langer, Komponist

Die Lieder seien alle aus dem Leben gegriffen, aus privaten Erlebnissen und Beobachtungen, die er als „Zaungast der Zeit“ notiert habe, sagt Langer. Dabei wolle er jedoch keine platten Botschaften vermitteln, wie dies Zuhörer eines ersten Live-Vortrags des Titelsongs „Hellwach“ vermuteten, die ihm unterstellten, er wolle damit Eheleuten Mut zur Trennung machen. Vielmehr solle der Song dazu ermuntern, über das eigene Leben nachzudenken und wieder mit dem Anderen ins Gespräch zu kommen, wie der Refrain nahelege: „Wenn Du glaubst, Du kannst sowieso nichts ändern, Dein Schicksal hat die Weichen gestellt, dann änder Dich und schärf den Blick, raus aus Deiner Barbie-Welt, schau dankbar zurück und werd hellwach ...“

Dass vor ihm bereits Hanne Haller 2001 einen Song mit dem Titel „Hellwach“ geschrieben hat, ist dem Komponisten erst aufgefallen, als sein Lied längst fertig war. Es ficht ihn auch nicht an: „Ich mache das, was ich gut finde, ohne darauf zu achten, ob ich damit im Trend bin oder Beifall bekomme“. Einen Trend scheint er mit seinen – bis auf einen englischen Refrain – durchweg deutsch-sprachigen Liedern dennoch getroffen zu haben. Denn in den vergangenen Monaten haben deutschsprachige Songs die internationalen Charts förmlich überschwemmt. Für Langer, der als Kind bei der Lektüre der romantischen Gedichte von Adelbert von Chamisso sein Herz an die Lyrik verloren hat, ist die Muttersprache eine Quelle der Inspiration. Sie verführt ihn zu Wortkreationen wie „Lagerfeuerpubertätsvisionen“ oder Bilder wie „Aufgeschreckt durch Kinderlachen, küsst er sich schnell flüchtig frei“. Sein künstlerisches Credo: „Ein Liedtext sollte so gut sein, dass ich ihn als Gedicht lesen kann, und eine Melodie muss so stark sein, dass sie für sich steht“.

Erwachsen werden wolle er so bald nicht, scherzt der Komponist auf die Frage, ob der Verzicht auf Mystik in „Hellwach einen neue Abschnitt in Leben und Werk markiere. Denn die CD stehe für sich. Seit längerem arbeite er dagegen an einem neuen Musical „Rosas Geheimnis“, in dem er seinem Hang nach fantastischen Welten und Wesen wieder freien Lauf lasse. Die mystische Geschichte werde in Burgkunstadt spielen und verspreche dem Publikum ein Wechselbad der Gefühle.

Damit setzt Udo Langer seiner Heimatstadt Burgkunstadt, in die er vor zwei Jahren zurückgekehrt ist, ein Denkmal. Wenn er von seinem Atelier im Obergeschoss eines Fachwerkhauses auf den Marktplatz blickt, fühle er sich manchmal wie zurückversetzt in seine Kindheit. Der Platz mit seiner Fachwerkkulisse biete ihm eine besondere Quelle der Inspiration und gleichzeitig einen Fluchtpunkt, an den er nach Geschäftsreisen für seine Werbeagentur gerne zurückkomme.

Udo Langers neue CD

Als „Single-Auskopplung“ wird der Titelsong von Udo Langers neuem CD-Projekt „Hellwach“ zusammen mit einem Video am Samstag, 8. August, um 16 Uhr „virtuell released“. Das Video hat Langer selbst gedreht. Es ist auf der Homepage www.klangfeder.de, auf Facebook und Youtube zu sehen. Den Song können sich die Fans von den bekannten Musikportalen herunterladen.

Die CD wird Ende Oktober oder Anfang November veröffentlicht.

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