ALTENKUNSTADT/BURGKUNSTADT

Die Energiewende vor Ort verwirklichen

Wertschöpfung durch die Energiewende: Markus Ruckdeschel von der Energieagentur Nordbayern informierte die Altenkunstadt... Foto: Gerhard Herrmann

Rund 2000 Euro gibt jeder Einwohner im Jahr für den Einkauf von Energie aus. Würde er erneuerbare Energien nutzen, käme dies nicht nur der Umwelt zugute, sondern das Geld bliebe in der Region, anstatt abzufließen. Welche Chancen die konsequente Umsetzung der Energiewende für eine Kommune bieten kann, erläuterte Markus Ruckdeschel von der Energieagentur Nordbayern bei einer gemeinsamen Sondersitzung der Gemeinde- und Stadträte von Altenkunstadt und Burgkunstadt am Mittwochabend im Kulturraum der ehemaligen Synagoge Altenkunstadt.

Ein Energienutzungsplan könnte die Voraussetzungen für eine kommunale Energiewende schaffen, indem er nicht nur sämtliche Energieerzeugungs- und Einsparpotenziale erfasst, sondern auch konkrete Projekte zur Verwirklichung vorschlagen und die Bürger beteiligen würde. Zwischen 25 000 und 35 000 Euro wurden die Kosten für jede Kommune liegen, wobei nach Abzug von 70 Prozent staatlicher Förderung nur etwa 10 000 Euro bezahlt werden müssten, wie der Fachmann auf Nachfrage von Ludwig Winkler (FBO) vorrechnete.

Sonnenstrom: Eigenverbrauch lohnt sich

„Ein großes Potenzial für jeden“, meinte Bürgermeister Robert Hümmer. Wenn die Bürger sich an der alternativen Energieerzeugung beteiligten, bliebe die Wertschöpfung in der Region. In den nächsten Wochen werden die Räte beider Kommunen beraten, ob sie das Projekt weiter verfolgen, bevor sie darüber entscheiden. Ein interkommunaler Energienutzungsplan wäre bisher einmalig und könnte wegen der räumlichen Nähe beider Orte Vorteile bringen, meinte Markus Ruckdeschel.

Die nach dem Ausstieg aus der Atomenergie propagierte Energiewende komme wegen widersprüchlicher Signale der Politik nicht recht voran, bedauerte er. So werde immer noch 35 Prozent des Energiebedarfs aus Mineralöl gedeckt, während die erneuerbaren Energien bei 11,1 Prozent lägen (Erdgas: 20 Prozent, Steinkohle; 12,6 Prozent, Braunkohle: 12 Prozent, Kernenergie; 8,1 Prozent). Besser sei der Anteil der erneuerbaren Energien bei der Stromproduktion mit fast 30 Prozent, doch liege er bei der Wärmeproduktion nur bei 9,9 Prozent und beim Verkehr nur bei 5,4 Prozent. Als Beispiel führte er die Nutzung von Photovoltaik zur Stromproduktion an, die anfangs steil angestiegen, aber nach Absenkung der Förderung gebremst worden sei. Dabei sei zu wenig bekannt, dass sich Sonnenstrom für den Eigenverbrauch weiterhin lohne: Angesichts von Strompreisen von 21 Cent pro Kilowattstunde und 29 bis 31 Cent für den Privathaushalt könne eine Photovoltaikanlage auf dem Dach Renditen von sieben bis 15 Cent einbringen.

„90 Prozent der Energie werden für die

Wärmeerzeugung verbraucht, aber wir streiten über

Energiesparlampen.“

Markus Ruckdeschel Energieagentur Nordbayern

Die Energiewende sei nicht nur als Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz wichtig, sondern rechne sich auch, indem sie bei der Erzeugung in der Region für regelmäßige Einnahmen sorge – Geld, das sonst für fossile Energieträger abfließe. Außerdem stehe Geld, das durch Energieeinsparung gespart werde, wieder für Investitionen zur Verfügung. Besonders groß sei dieser Effekt bei der Wärme (Heizung, Warmwasser), für die 90 Prozent der Energie verbraucht werde, so Ruckdeschel.

Ein Energienutzungsplan schaffe Akzeptanz bei den Bürgern, indem er erfasse, wie viel Energie vor Ort verbraucht wird. Neben der Bestandsaufnahme werde ermittelt, wo Einsparmöglichkeiten sind und welche Energie selbst erzeugt werden könnte. Außerdem werde der für die Gemeinde optimale Energiemix (Wasser, Wind, Sonne, Biomasse, Geothermie) ermittelt und untersucht, wie die Bürger am Ertrag beteiligt werden können.

So könnten anhand einer Wärmebedarfs-Karte für das Ortsgebiet etwa gemeinsame Heizmöglichkeiten, wie Holzhackschnitzel-Heizungen geprüft werden, erläuterte der Experte. Für Altenkunstadt und Burgkunstadt würde sich dies vor allem für öffentliche Einrichtungen mit hohem Wärmebedarf wie Schulen und Verwaltungsgebäude, aber auch für Regens Wagner oder für Baugebiete mit ähnlichen Gebäuden lohnen. Außerdem könnte das Potenzial für Photovoltaik auf den Dächern ermittelt werden. Zurzeit würden etwa 3,7 Megawatt Sonnenstrom erzeugt, möglich wäre aber das zehnfache, so der Fachmann.

Probleme wegen einer Überkapazität von Strom seien nicht zu befürchten, da Strom jederzeit ins Netz eingespeist werden könne und in Zukunft mit einer starken Zunahme von Elektroautos als Abnehmern sowie der Entwicklung von Wärmespeichern oder der Umwandlung in Gas zu rechnen sei, meinte er Fachmann auf Frage von Ortssprecher Edwin Bauersachs. Nicht so ertragreich wie im Voralpenland, aber möglich sei die Nutzung von Erdwärme, erklärte er auf Frage von Günther Knorr (CSU).

Zuschüsse für Privathaushalte

Auch Privathaushalte können von Förderprogrammen für erneuerbare Energien profitieren. Mindestens 2000 Euro seien zurzeit für Sonnenkollektoren zu erhalten und mehr als 5000 Euro für die Umrüstung von Öl- auf Holzpelletsheizungen, erläuterte Markus Ruckdeschel von der Energieagentur Nordbayern. Daher sei es sinnvoll vor Investitionen die Zuschussmöglichkeiten zu prüfen. Informationen gibt's als Download unter www.energieagentur-nordbayern.de.

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