BURGKUNSTADT

Aus für die Mittelschule Burgkunstadt

Vor der Schließung: Nur noch dieses Schuljahr werden die Burgkunstadter Mittelschüler im Schulhaus in der Jahnstraße unt... Foto: Gerda Völk

Weil die Sitzplätze ziemlich schnell rar wurden, waren die ersten Eltern schon eine dreiviertel Stunde vor Sitzungsbeginn des Stadtrats erschienen. Ihr Interesse galt dem Beschluss über die „künftige Entwicklung der Mittelschule Burgkunstadt“. Wie an vielen Mittelschulen in Bayern fehlen auch in Burgkunstadt die Kinder. Ab Herbst 2015 sollen alle Jahrgangsstufen der Mittelschule Burgkunstadt daher künftig die Mittelschule in Altenkunstadt besuchen. Damit schloss sich der Stadtrat am Dienstagabend mehrheitlich (vier Gegenstimmen) der Empfehlung der Regierung von Oberfranken an.

Zu wenig Schüler für 5. und 6. Klasse

Wie Bürgermeisterin Christine Frieß mitteilte, können wegen geringer Schülerzahlen im kommenden Schuljahr keine 5. und 6. Klasse mehr gebildet werden. „Auch die Schülerzahlen der siebten Jahrgangsstufe sprechen für sich“, sagte die Bürgermeisterin. Probleme mit der Klassenbildung gab es bereits zu Beginn des laufenden Schuljahres. Eine fünfte Jahrgangsstufe kam nur deshalb zustande, weil sieben Schüler aus Altenkunstadt die Mittelschule in Burgkunstadt besuchen.

Besuchten im Schuljahr 2000/2001 noch 177 Kinder die Mittelschule waren es im Schuljahr 2013/2014 nur noch 68. Dies bedeutet einen Rückgang von 60 Prozent. Vor dem Hintergrund rückläufiger Schülerzahlen, empfahl Stephan Dörfler von der Regierung von Oberfranken aus pädagogischer Sicht, die Unterrichtung aller Schüler in Altenkunstadt. Dies hätte eine homogene Klassenbildung zur Folge. Das zugewiesene Stundenkontingent könnte über ein vielfältigeres Angebot umgesetzt werden. Möglich wäre eine Erweiterung der Wahlfächer über die Fächer Informatik und Buchführung. Weitere Aktivitäten könnten in den Bereichen Theater, Chor, Schulband, Schulgarten oder im differenzierten Sportunterricht angeboten werden.

Wie Bürgermeisterin Frieß erläuterte, sei der finanzielle Aspekt zwar nicht ausschlaggebend, sollte aber in den Entscheidungsprozess einbezogen werden. Aktuell belaufen sich die Gesamtkosten für die Mittelschule auf 270 000 Euro. Zudem müsste das Gebäude energetisch und brandschutztechnisch ertüchtigt werden. Nach vorläufigen Berechnungen geht die Stadt ab dem Schuljahr 2015/2016 bei 64 Schülern von Kosten in Höhe von 64 000 Euro aus. Weitere zur Abstimmung stehende Alternativen wären gewesen, dass die Schüler der siebten bis neunten Jahrgangsstufe ihre Schulzeit in Burgkunstadt noch hätten beenden können, beziehungsweise dass besagte Jahrgangsstufen auch künftig vor Ort hätten unterrichtet werden können. Allerdings wäre dann aufgrund der baulichen Mängel des sogenannten Neubaus ein Umzug in den Altbau notwendig geworden.

Die Diskussion um den Mittelschulstandort erinnerte manchen Stadtrat stark an eine Parallele zu Mainroth. Wolfgang Sievert (SPD) hätte im Vorfeld mehr Informationen erwartet, auch wurde der Bildungsausschuss nicht informiert. Günter Knorr (CSU) hätte sich gewünscht, dass die siebte bis neunte Jahrgangsstufe ihre Schulzeit in Burgkunstadt noch hätte beenden können. Kämmerin Heike Eber erinnerte daran, dass die Klassenbildung nicht Sache des Stadtrates ist, sondern des Verbundkoordinators. Die Stadt als Sachaufwandträger stelle die Räume zur Verfügung.

„Wir werden auf jeden Fall auf die Barrikaden gehen.“
Melanie See Elternbeiratsvorsitzende

Dass die Kinder künftig in Altenkunstadt zur Schule gehen sollen, will der Elternbeirat nicht widerspruchslos hinnehmen. „Wir werden auf jeden Fall auf die Barrikaden gehen“, erklärte Elternbeiratsvorsitzende Melanie See gegenüber der Presse.

Aus dem Stadtrat

Auch in Burgkunstadt werden seit Jahren immer weniger Kinder geboren. Dies macht sich in der Bevölkerungsstruktur bemerkbar. „In der oberen Stadt wohnen mehr ältere Leute“, stellte dazu Franz Ullrich vom Planungsbüro plan&werk in Bamberg fest, der erste Ergebnisse des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) im Stadtrat vorstellte. In der unteren Stadt, die augenscheinlich weniger attraktiv sei, wohnten dagegen genauso viele junge Leute wie in den Stadtteilen. Trotz abnehmender Bevölkerung, verfüge die Stadt über eine gute Beschäftigungssituation.

Einen Handlungsbedarf sieht der Stadtplaner in der Kulmbacher Straße mit ihren vielen Leerständen und sanierungsbedürftigen Gebäuden, in der Bahnhofstraße und in der Stadthalle. Erste Maßnahmen könnten der Bau der Skateranlage sein, die Sanierung Burgweg, ein Nutzungskonzept mit Umsetzung des Gebäudes Kulmbacher Straße 32 und eine Eigentümer- und Bauherrenberatung zum Thema Umbau und Sanierung.

Dieter Rößler stellte das Konzept der Firma Bayerngrund (BG) vor. Die Stadt plant die Erschließung des dritten Abschnitts des Baugebietes Lerchenbühl in Erschließungsträgerschaft. Ein Vorteil wäre die Finanzierung der Erschließung außerhalb des städtischen Haushalts, ein Nachteil höhere Grundstückspreise.

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