ALTENKUNSTADT

Altenkunstadter Grundschüler lernen, sich zu wehren

Altenkunstadter Grundschüler lernen, sich zu wehren
„Stopp! Lass uns in Ruhe!“, fordern die Kinder den Fremden auf, der drohend auf sie zukommt. Die Stimme und ein selbstbewusstes Auftreten sind die stärksten Waffen zur Selbstverteidigung. Bürgermeister Robert Hümmer (links) verkörperte in dieser Prüfungsszene den „bösen Mann“. Foto: Bernd Kleinert

Konflikten geht man am besten aus dem Weg. Leider ist das aber nicht immer möglich. Wie soll ein Kind sich dann verhalten? „Auf keinen Fall einfach draufhauen, das kann jeder. Viel wichtiger ist, dass das eigene Selbstbewusstsein gestärkt wird, denn der Großteil aller Straftaten kann durch sicheres Auftreten verhindert werden“, stellt Alfred Busse klar. Bei den Projekttagen der Altenkunstadter Grundschule zum Thema „Nicht mit mir!“ erläuterte der Fachwirt für Konfliktmanagement und Selbstverteidigung den Mädchen und Jungs der Klassen 3a und 3b, wie sie sich in kritischen Situationen verhalten sollen und bei Bedarf mit einfachen Mitteln zur Wehr setzen können.

Bei der Abschlussveranstaltung in der Turnhalle zeigten die Kinder, was sie gelernt haben. Zahlreiche Eltern und Bürgermeister Robert Hümmer verfolgten interessiert das Geschehen. „Was ist die stärkste Waffe zur Selbstverteidigung?“, wollte der Gewaltpräventionstrainer von den Schülern wissen. „Der Mund, die Stimme“, kam es wie aus der Pistole geschossen. Denn lautes, sicheres Rufen verunsichere den Gegner und gebe die Möglichkeit, wegzulaufen.

Der Bürgermeister spielt einen „bösen Mann“

Allerdings muss die Stimme für solche Situationen geschult werden. „Hau ab! Lass uns in Ruhe!“, riefen die Kinder beim Verhaltensspiel „Laute Post“ sich gegenseitig zu. Dabei wurde deutlich, wie wichtig Stimme und Körpersprache sind. „Ihr verunsichert den Gegner mit sicherem Stand und selbstbewusstem Auftreten. Schaut ihm in die Augen, macht euch groß und achtet auf den Sicherheitsabstand, damit er euch nicht greifen kann“, erklärte Busse, der für die Akademie für Selbstverteidigung und Gewaltprävention (ASG) in Küps tätig ist. Zur Veranschaulichung schlüpfte Bürgermeister Robert Hümmer in die Rolle des „bösen Manns.“ Mit finsterem Blick ging er drohend auf die Kinder zu. Diese streckten ihm geradezu gebieterisch eine Hand entgegen, riefen laut „Stopp! Verschwinde!“ und nutzten den kurzen Moment der Verunsicherung, um wegzulaufen.

Busse empfahl den Kindern, in solchen Situationen nach einer „Rettungsinsel“ Ausschau zu halten. Dies könne ein Supermarkt oder ein Mehrfamilienhaus sein: „Hauptsache, es ist ein Ort, wo Menschen sind, die helfen können.“

Wird ein Kind geschubst, ist es wichtig, dass es fällt, ohne sich zu verletzen. Auch das demonstrierten die Mädchen und Jungs. „Wird der am Boden Liegende vom Gegner mit Füßen traktiert, dann muss er sich einigeln und vor allem seinen Kopf schützen“, riet der Ausbilder.

Altenkunstadter Grundschüler lernen, sich zu wehren
Mit einem Fußtritt setzt sich Schülerin Maya gegen einen Angreifer (Alfred Busse) zur Wehr, der sie packen will. Foto: Bernd Kleinert

Aber wie soll sich ein Kind wehren, wenn es von einem Erwachsenen gepackt wird? „Die Stimme einsetzen, mit dem Fuß treten und dann abhauen“, wussten die Drittklässler. Alfred Busse, der bei der praktischen Umsetzung dieser Abwehrmaßnahme als Gegner fungierte, dürfte nach der Prüfung mit etlichen blauen Flecken nach Hause gegangen sein. Nimmt der Angreifer sein Opfer in den Schwitzkasten, dann kann dies sehr gefährlich werden. Es wird dabei die Halsschlagader abgedrückt, was wiederum die Blutzufuhr zum Gehirn unterbricht. Aber wie befreit man sich? „Es gibt dafür eine Geheimtechnik, die ebenso einfach wie wirksam ist. Zwickt euren Gegner in den Oberschenkel. Das tut derart weh, dass er euch sofort loslässt“, erläuterte Busse.

Mit der flachen Hand schlagen die Schüler ein Brett entzwei

Applaus gab es für die Drittklässler, als sie in bester Bruce-Lee-Manier mit der flachen Hand ein Brett in zwei Teile zerschlugen. „Das Holz ist natürlich präpariert, aber bei den Kindern hebt dieses Erfolgserlebnis das Selbstbewusstsein“, so der Referent. Der schwungvolle Schlag dient aber auch als Notfalltechnik: „Versucht ein Fremder, ein Kind durch das Fenster in sein Auto zu ziehen, so kann es sich damit zur Wehr setzen.“

Am Ende erhielten alle Schüler eine Urkunde. Konrektorin Katharina Pfadenhauer dankte Alfred Busse für die kindgerecht vermittelten Informationen und praktischen Tipps. Den Drittklässlern wünschte sie, dass sie niemals in Situationen kommen, wo sie das Gelernte anwenden müssten.

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