ALTENKUNSTADT

Altenkunstadt will das Bootshaus wieder neu beleben

Altenkunstadt will das Bootshaus wieder neu beleben
Es gab stets viel Gesprächsstoff; insbesondere wenn der Bootshaus-Wirt Fritz Schramm mit am Tisch saß. Die jungen Stammgäste von damals haben übrigens heute schon das Rentenalter erreicht. Foto: Dier Radziej

Die Zukunft des Altenkunstadter Bootshauses, das durch einen Brand schwer beschädigt wurde, ist weiterhin offen. Vorschläge für eine Nutzung des beliebten Treffpunkts am Mainufer gibt es einige, wie unlängst eine Sitzung des Gemeinderates zeigte. Untrennbar war das Bootshaus jahrzehntelang mit dem Namen der Pächterfamilie Schramm verbunden.

Lange war das Bootshaus an der Mainbiegung ein beliebter Einkehrort, obwohl es nur über eine geringe Anzahl an Sitzplätzen und ein Nebenzimmer verfügte. Einzigartig machten das Lokal nicht nur die idyllische Lage, sondern auch Personen wie der „Maa-Heiner“ und später Reni und Fritz Schramm. Vor allem Reni und Fritz Schramm waren beliebte Wirte. Eine Attraktion war es, wenn Fritz Schramm, von seinen Freunde „Kneissl“ genannt, mit seiner bulligen Honda Gold Wing vorfuhr. Da der Gastwirt gerne PS-starke Zweiräder fuhr, entwickelte sich das Bootshaus zu einem beliebten Treffpunkt für Biker. Dafür sorgte Fritz Schramm auch mit der Teilnahme an Motorrad-Wettbewerben wie an der ADAC-Zuverlässigkeitsfahrt „Rund um die Hohe Aßlitz.“ Die dabei errungenen Pokale stellte er im Gastraum aus.

Wenn der „Kneissl“ mit der Gold Wing vorfuhr, staunten die Kinder

Altenkunstadt will das Bootshaus wieder neu beleben
Nach dem Brand ist es derzeit etwas „verwaist“, das Bootshaus am Main. Foto: Dieter Radziej

Beliebt war auch der Biergarten, in dem Schramm sogar Weinfässer aufgestellt hatte. Auch seine Tiere waren eine Attraktion. So hielt er nicht nur große Hunde, sondern jahrelang auch Ponys, Schlangen und sogar einen Affen. Zur allgemeinen Heiterkeit schwang sich dieser manchmal in den Sattel des Ponys. Und einmal sorgte er für Aufregung, als er partout nicht mehr von einem Baum herunterklettern wollte. Daher war der „Kneissl“ auch bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt. So sorgte er bei ihnen für große Augen, als er ihnen den von der Bundesbank neu ausgegebenen 1000-Mark-Schein zeigte. Sogar im Baur-Katalog, damals als „Gelbes Buch des guten Einkaufs“ bezeichnet, war Fritz Schramm einmal zu bewundern.

Auch regelrechte „Kraftpakete“ gaben sich am Bootshaus ein Stelldichein. So so organisierte Schramm eine Show, bei der einer dieser Darsteller nur mit Muskelkraft zwei Autos ausbremste. Weitere Attraktionen waren Shows mit Riesentrucks, die Schrottautos zermalmten, und Zirkusauftritte.

Somit war im Bootshaus, wo sich viele Jahre lang auch die Geflügelzüchter trafen und die Fußballer und die Mitglieder der Wasserwacht gerne einkehrten, immer für Stimmung gesorgt. Zur zünftigen fränkischen Wirtshausatmosphäre trug auch so manche Schafkopfrunde beim Dämmerschoppen bei. Insbesondere die „Kartler“ vermissen dieses Lokal.

Langlaufwettbewerbe, Eishockey und die Fallschirmlandung von Möllemann

Nach dem Tod von Fritz Schramm führt seine Gattin Reni die Gastwirtschaft bis ins hohe Alter weiter. Ein Brand beeindete vor einigen Jahren die Boothaus-Tradition. Sehr zu Leidwesen vieler Altenkunstadter, denen das Lokal ans Herz gewachsen ist.

Altenkunstadt will das Bootshaus wieder neu beleben
Irene Schramm, liebevoll „Reni“ genannt, führte viele Jahre die Gastronomie des Bootshauses weiter; unser Foto entstan... Foto: Dieter Radziej

Viele Erinnerungen sind mit dem Bootshaus verbunden. Früher gab es auf dem Sportgelände am Main sogar große Turnfeste. Der Fußballplatz diente auch als Startbereich für Langlaufwettbewerbe auf den Mainwiesen, die vor allem der Ski-Wart Erich Schöne vom Turnverein organisierte. Und wenn der Main im Winter über die Ufer trat, konnte dort sogar Eishockey gespielt werden. Unvergessen auch die „innergemeindlichen Kirchweihspiele“ mit Mannschaften aus Altenkunstadt, Baiersdorf und Woffendorf, bei denen auch eine Rathaus-Mannschaft aus Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung kickte. Andrang herrschte auf dem Gelände alljährlich beim Baur-Triathlon. Überregionale Aufmerksamkeit gab es, als der inzwischen verstorbene FDP-Bundespolitiker Jürgen Möllemann dort mit dem Fallschirm landete.

Mit Bierbänken als Surfbretter auf dem Main

Altenkunstadt will das Bootshaus wieder neu beleben
Selbst ein Freibad mit Sprungturm gab es früher an der Mainschleife in Altenkunstadt. Foto: Dieter Radziej

Oft wurden Biertische und –bänke als „Surfbretter“ auf dem Main genutzt. Wenn Feste an der Mainbiegung stattfinden, wie die Jubiläumsfeier des 1. FC Altenkunstadt, das Main-Jura-Bierfest, Sommernachtsfeste oder das Johannisfeuer des Musikvereins und der Concorden, fragen sich viele Besucher, warum das Bootshaus-Gelände mit seiner malerischen Umgebung nicht häufiger genutzt wird.

Positive Signale für eine Nutzung des Bootshauses gibt es es inzwischen von den Altenkunstadter Vereinen, insbesondere vom FCA und der Wasserwachtortsgruppe. Die Gemeinde als Besitzer des Areals unterstützt die Bestrebungen, das Gelände wieder mit mehr Leben zu erfüllen.

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Irgendwie war im Bootshaus immer für Attraktionen gesorgt, wie unser Bild belegt, wobei Fritz Schramm selbst dem Pony ... Foto: Dieter Radziej

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