MAINKLEIN

Ärger über Arbeiten an fünf Bahnübergängen

An der Abzweigung Bundesstraße 289/Mainecker Straße: Der Bahnübergang in Mainklein ist nur noch für Linienverkehr geöffnet. Foto: Markus Drossel

Der Ärger ist groß in Mainklein. An zwei von zwei Bahnübergängen, die die Ortsteile links und rechts der Bahnstrecke und der Bundesstraße 289 verbinden, wird gearbeitet -– und das schon seit Wochen und wohl noch für etliche weitere. Doch nicht nur das: Insgesamt sind fünf Bahnübergänge zwischen Mainroth und Theisau ganz oder teilweise dicht. Mit teils erheblichen Auswirkungen auf Straßenverkehr und Alltag.

Keine Durchfahrt nach Maineck: Der Wegweiser an der B289 bei Mainklein ist nicht nur durchgestrichen, sondern auch teilv... Foto: Markus Drossel

Seit wenigen Tagen gibt es in Burgkunstadt in Höhe des Ärztezentrums eine Hinweistafel: Wer nach Maineck will, der muss über Altenkunstadt und Baiersdorf fahren. Der Bahnübergang an der B 289 in die Mainecker Straße ist nur noch für Linienverkehr frei, sprich für Busse. Für die Mainkleiner, die aus dem kleinen Ortsteil Weidenburg (von Burgkunstadt kommend links) in den Kernort wollen, gilt eine Ausnahmeregelung. Nicht aber für die Berufspendler. Oder für Landwirte. Die kilometerlange Umwege zerren am Nervenkostüm.

Bereits in Burgkunstadt wird er Autofahrer seit einigen Tagen darauf hingewiesen, dass der Bahnübergang Mainklein gesper... Foto: Markus Drossel

Während die Bahnübergänge Mainklein West und Mainroth West derzeit komplett gesperrt sind, sind die Wartezeiten an den Übergängen Mainklein Ost (Richtung Maineck), Mainroth und Theisau oft enorm. Der Grund: manueller Betrieb. Die Arbeiter vor Ort erhalten einen Anruf vom Fahrdienstleiter, wenn ein Zug Hochstadt oder Mainleus passiert und schließen dann die Schranken.

Zu Hauptverkehrszeiten kann es sein, dass mehrere Züge nacheinander die Bahnübergänge passieren. Dann staut es sich vor ... Foto: Markus Drossel

Bis zu einer Viertelstunde kann es dauern, bis der Zug dann kommt. In Zeiten des Berufsverkehrs, wenn also viele Autos unterwegs sind, gibt es auch besonders viele Züge im Einsatz. Und dann bleibt die Schranke auch mal länger zu. Gefährliche Rückstaus bis auf die Bundesstraße 289 blieben nicht aus. Und die Gemüter erhitzen sich.

In Theisau ist die alte Schrankenanlage bereits teilweise abgebaut. Eine mobile Schrankenanlage mit manuellem Betrieb re... Foto: Markus Drossel

„Seit Anfang Mai erneuert die Deutsche Bahn zwischen Burgkunstadt und Mainleus die technischen Sicherungsanlagen an sechs Bahnübergängen“, erklärt ein Bahnsprecher. „Diese sechs Übergänge waren signaltechnisch in Abhängigkeit, dass heißt die Erneuerung kann nicht einzeln ausgeführt werden, sondern nur gemeinsam.“ Einige Übergänge seien entsprechend ihrer verkehrlichen Bedeutung komplett geschlossen worden, andere und mit erwähntem Bahnübergangsposten und einer mobilen Bahnübergangssicherungsanlage gesichert und bewacht.

Mainklein-Ost: Kaum einer hält sich an die Sperrung

Der Schlüssel wird gedreht, die Schrankenarme senken sich. Foto: Markus Drossel

Für den Bahnübergang Mainklein Ost ist der Landkreis zuständig. „Wir wurden Anfang des Jahres von der Bahn über die geplanten Baumaßnahmen an Bahnübergängen entlang der Strecke Burgkunstadt- Kulmbach informiert“, so Andreas Grosch, der Pressesprecher des Landkreises Lichtenfels, gegenüber dieser Redaktion. „Und wir wurden am 6. Mai erstmalig darauf aufmerksam gemacht, dass es zu größeren Rückstauungen und in der Folge zu teils gewagten Überholmanövern auf der B 289 kommt.“

Die Landkreisverwaltung wurde tätig. Seither gibt es die Umleitung, seither ist der Bahnübergang Maineck-Ost gesperrt, nur Linienverkehr darf passieren. Doch wie Recherchen vor Ort zeigen, hält sich kaum jemand daran. „Da es teilweise weiterhin zu Rückstauungen und gefährlichen Verkehrssituationen kam, nimmt die Polizei nun regelmäßige Kontrollen in diesem Bereich vor“, so Grosch. So auch während der Recherche vor Ort. Nachts ist im übrigen komplett zu.

Vollsperrung am Bahnübergang Mainroth-Horlache. Foto: Markus Drossel

Für die Hilfsorganisationen bringt die Sperre der Bahnübergänge diverse Herausforderungen mit sich. Nicht nur für die Mainkleiner Wehrleute, die in der Mehrzahl im Kernort wohnen und deren Ausrüstung im Gerätehaus im Ortsteil Weidenburg ist, auch für alle anderen Retter. Soll die Feuerwehr also auch kilometerlange Umwege fahren? „Geht nicht, wir Blaulichtorganisationen müssen streng vorgegebene Hilfsfristen einhalten“, sagt Kreisbrandrat Timm Vogler.

Ob der Schein trügt? Mancherorts wirkt es, als werde nicht unbedingt mit Hochdruck an den Baustellen gearbeitet. Foto: Markus Drossel

„Wir fordern, dass mindestens ein Bahnübergang immer passierbar sein muss, um die Hilfsfrist einhalten zu können.“ Burgkunstadt ist schließlich Drehleiter- und Notarztstandort, von dort aus werden Einsätze auch in Maineck und Mainklein gefahren – und irgendwie müssen die Retter dorthin kommen, wo sie benötigt werden. Doch auch dann gilt: Ist die Schranke zu, müssen auch Feuerwehr, Rettungsdienst und Technisches Hilfswerk prinzipiell erst einmal warten. Doch bei akuter Gefahr im Verzug wird sich der Maschinist am Steuer dann doch vorsichtig vortasten – und eventuell das Überqueren wagen.

Direkt am Bahnhalt Mainroth gibt es einen Bahnübergang. Auch dieser ist derzeit Baustelle. Foto: Markus Drossel

Während der Landkreis für Mainklein-Ost zuständig ist, ist es für die Bahnübergänge Theisau, Mainklein-West, Mainroth-West und Mainroth-Horlache die Stadt Burgkunstadt. „Die Sperrung wurde bereits vor Monaten von der Bahn angekündigt und mit der Stadt Burgkunstadt abgestimmt“, sagt Sven Dietel, der geschäftsleitende Beamte, dieser Redaktion.

Komplett dicht: der Bahnübergang Mainklein-West. Foto: Markus Drossel

„Der Stadt Burgkunstadt war nur bekannt, dass die Signaltechnik der DB außer Betrieb genommen werden muss und dass der Bahnübergang Mainklein bewacht wird und damit befahrbar bleibt. Dass durch die Bewachung längere Schließzeiten erforderlich werden war der Stadt Burgkunstadt nicht bekannt.“ Erst nach Einrichtung der Baustelle durch die Bahn „ist der Missstand deutlich geworden“.

Bauarbeiten an den Bahnübergängen dauern teils bis in den September an

Die Schrankenanlage in Theisau wird dieser Tage manuell betrieben. Kommt der Anruf vom Fahrdienstleiter, werden die Schr... Foto: Markus Drossel

Die Nerven der Verkehrsteilnehmer und Anwohner werden noch etliche Wochen auf die Probe gestellt. Nach aktuellem Kenntnisstand der Stadt Burgkunstadt ist der Bahnübergang Mainklein West noch bis 24. Juli gesperrt, Mainroth West bis 7. August, Mainroth Horlache (nahe Bahnhalt) ab kommender Woche und bis 29. Mai (Fußgänger und Radfahrer frei) und Theisau vom 2. bis 25. Juli. Und Mainklein Ost? „Die Arbeiten sollen sich bis in den September hinziehen“, antwortet Landkreis-Pressesprecher Andreas Grosch.

Derzeit laufen Bauarbeiten an den Bahnübergängen in Theisau, Mainroth (Bild) und Mainklein. Foto: Markus Drossel

 

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