WEISMAIN

Acht kleine Igel als Untermieter in einem Weismainer Garten

Hungrig stürzen sich die acht jungen Igel im Garten von Johanna Fischer in Weismain auf das Futter. Foto: Roland Dietz

Naturbelassen ist der Garten von Johanna Fischer in der Pater-Otto Gäbelein-Straße in Weismain. Hier haben sich Bewohner einquartiert, die es in Hausgärten nicht mehr oft gibt. Zwischen vielen Hecken, Gebüsch und einem kleinen Gartenhäuschen fühlt sich eine Igelfamilie sichtlich wohl. Da sie in diesem Jahr wenig Futter finden, füttert Johanna Fischer die possierlichen Gartenbewohner regelmäßig.

Marion Damm zeigt ein unterernährtes Igelkind, das sie in ihrem ehemaligen Kuhstall in Neudorf aufpäppelt. Foto: Josef Schröder

Als sie eine Schale mit Katzenfutter abstellt, sieht es zunächst nicht so aus, als ob die stacheligen Untermieter aus ihrem Unterschlupf kommen wollen. Doch nach einigen Minuten raschelt es im Gebüsch, der erste kleine Igel taucht vorsichtig auf und marschiert auf seine Mahlzeit zu. Nach und nach kommen auch seine Geschwister mit gehörigem Abstand. Acht Stück sind es, die sich um die Futterschale drängen. Jedes der Tierchen versucht den bestmöglichen Platz zum Fressen zu ergattern. Nachdem sie ihr Mahl gehalten haben, verschwinden sie wieder.

Katzenfutter mögen Igel gerne, Obst fressen sie nicht

Johanna Fischer hat ihre Freude daran, dass sich die Igel in ihrem Garten wohl fühlen. Daher achtet sie auf das richtige Futter. Falsch ist die Annahme, dass ihnen Milchprodukte bekommen, doch das würde ihre Verdauung stören, weiß sie. Ein wenig sorgt sich „Igelmama“ Johanna Fischer dennoch um die Kleinen, denn sie hat noch kein Muttertier gesehen.

Doch Expertin Marion Damm, Kreisvorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz, beruhigt sie. Das Muttertier trennt sich oft schon nach vier bis sechs Wochen vom Nachwuchs. In dieser Zeit lernen die Kleinen die selbstständigeNahrungssuche. Die Igeljungen werden rund 42 Tage gesäugt. Kurz danach sind sie selbstständig und bei der Futtersuche auf sich selbst angewiesen.

Acht kleine Igel als Untermieter in einem Weismainer Garten
Katzenfutter schmeckt den jungen Igeln besonders gut. Foto: Roland Dietz

Auch die Frage, ob die kleinen Igel in ihrem Platz hinter dem Gebüsch ihren Winterschlaf antreten werden, beschäftig Johanna Fischer angesichts der kälter werdenden Tage. Igel kommen gerne in Ortschaften. Sie haben eine feine Nase und ein Mistbeet oder eine umgestürzte Mülltonne sind ein gefundenes Fressen für die hungrigen Tierchen. „Ein Igel geht gerne immer wieder dahin, wo er sich wohlfühlt“,erklärt Marion Damm.

Igel halten Winterschlaf. Dazu suchen sie meist im November bei Bodentemperaturen um den Gefrierpunkt ein Winterquartier, zum Beispiel Laub- und Reisighaufen. Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit sind Igel im beginnenden Herbst auch tagsüber aktiv, denn insbesondere die Jungtiere müssen sich für den bevorstehenden Winterschlaf noch Fettreserven anfressen, erklärt Marion Damm. Während des Winterschlafs verlieren Igel 20 bis 40 Prozent ihres Körpergewichts. Daher ist es durchaus sinnvoll Igel zu füttern. Feuchtfutter für Hunde oder Katzen oder eiweißhaltige Trockentiernahrung mit Getreide vertragen die Tiere gut. Entgegen der landläufigen Annahme fressen sie weder Obst noch Gemüse. Sie ernähren sich von Laufkäfern, Larven von Nachtschmetterlingen und sonstigen Insekten, Regenwürmern, Ohrwürmern, Schnecken, Tausendfüßlern sowie Spinnen.

„Der beste Igelschutz ist ein naturbelassener Garten.“
Marion Damm, Landesbund für Vogelschutz

„Der beste Igelschutz ist ein naturbelassener Garten“, sagt Marion Damm. Schächte sollten abgedeckt werden, damit sie für kleine Igel nicht zur tödlichen Falle werden.

Acht kleine Igel als Untermieter in einem Weismainer Garten
Regelmäßig füttert Johanna Fischer den Igel-Nachwuchs. Foto: Roland Dietz

Wiegen junge Igel Anfang November ab Mitte November weniger als ein Pfund auf die Waage, sind sie als hilfsbedürftig einzustufen, und eine Fütterung ist sinnvoll. Ihr Winterquartier nutzen sie bis in den April und Mai. Wichtig ist es, die Tiere im Winter in Ruhe zu lassen, rät Kreisgartenfachberater Michael Stromer. Werden sie aus ihrem Winterschlaf gerissen, kostet dies viel Energie, die erst wieder aufgebaut werden muss. Dies ist in der kalten Jahreszeit schwierig. Stromer rät Tierfreunden dazu, ihre Gärten möglichst natürlich zu belassen – mit Laub und Unterschlupfmöglichkeiten wie bei Johanna Fischer in Weismain.

 

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