BURGKUNSTADT

50 Jahre „klingende Seele“ Burgkunstadts

50 Jahre „klingende Seele“ Burgkunstadts
Die Blaskapelle im Jubiläumsjahr. Foto: red

Der weitläufige Proberaum des Musikvereins Burgkunstadt in den oberen Räumen der Stadthalle ist leer. Sogar das Schlagzeug steht etwas weiter hinten als sonst. Über der Schreibtafel hängt ein Schwarz-Weiß-Foto des viel zu früh verstorbenen Vorsitzenden Franz Schneider. Die Bilder und Collagen der Kapelle sowie die Erinnerungsteller von Musikfesten machen fast einen etwas verlorenen Eindruck.

Eigentlich hätten sich hier über 25 motivierte Musiker mit ihrem Dirigenten Thomas Bestand treffen sollen, um für das alljährliche große Weihnachtskonzert zu proben. Es wäre also richtig rund gegangen. Dass dies nicht möglich war, daran trägt die nicht enden wollende Corona-Pandemie Schuld.

Mit großartiger Serenade das Publikum begeistert

Besonders in diesem Jahr traf dies die Burgkunstadter Musiker doch sehr empfindlich. Denn neben diesem Weihnachtskonzert fielen schon das Lindenfest und auch ein großer Musik- und Ehrungsabend der Pandemie zum Opfer. In diesen Tagen wird der sympathische Verein – oder, wie er liebevoll genannt wird, „die klingende Seele der Stadt“ – 50 Jahre alt. Dies sollte natürlich gebührend gefeiert werden. Aber außer einem fast schon privaten Treff der aktiven Musiker beim Scheunenfest in Theisau war nur die großartige Serenade am Kirchweihsamstag in Burgkunstadt auf dem Marktplatz möglich.

Doch gerade hier war der tiefere Sinn eines solchen Vereins zu erleben. Die Musiker begeisterten ihr Publikum bei ihrem Auftritt mit ihrer Spielfreude. Großartige solistische Werke wie die „Post im Walde“ oder „Nessun Dorma“ wechselten sich mit moderner Blasmusik wie dem großen „Abba“-Medley oder der „Südböhmischen Polka“ ab.

Stadtpfeifer, Trommelschläger, Musikkorps und Türmer

Die Musiker haben im Jubiläumsjahr also Musik verschiedenster Sparten auf den Kasten. Dies mag schon zu früheren Zeiten so gewesen sein, denn Musik gibt es in Burgkunstadt natürlich schon länger als 50 Jahre. Dafür wurden Verein und Stadt im Jahre 1978 bereits mit der „Pro-Musika-Plakette“ ausgezeichnet.

Seit über 340 Jahren sind musikalische Einrichtungen nachweisbar. Die damals beschriebenen Stadtpfeifer, Trommelschläger, Musikkorps, Türmer und „Kirchenmusicasi“ zeugen bis heute von kleinstädtischem Kulturwillen.

Stadtkapelle erstmals 1872 schriftlich erwähnt

1857 erteilte das zuständige Landgericht Weismain Musikmeister Albert Zapf eine Lizenz, dass er in Burgkunstadt bei allen Festlichkeiten aufspielen dürfe. Dieser bildete dann auch Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus. Das königliche Landgericht bat aber den Musikmeister, wenn es für seine Kapelle notwendig sei, nur patentierte Spielleute zu verpflichten und musizieren zu lassen.

Von dieser ersten schriftlich erwähnten Stadtkapelle wird 1872 schon bald sehr positiv berichtet. Mit ihren Darbietungen gab sie dem gesellschaftlichen Leben der Stadt neue Impulse. Dabei wird von Taufen, Hochzeiten, Trauerfeiern, Anblasen des neuen Jahres und weiteren Veranstaltungen wie auch Kirchenfesten gesprochen. Bis 1920 erteilte dann Georg Rehhäuser, ein ehemaliger Regimentsmusiker, unzähligen Bürgersöhnen Musikunterricht und brachte ihnen die sprichwörtlichen Flötentönen bei.

Fest jeden Sonntag zwischen Mai und Allerheiligen auf einem Fest

Die Kapelle scheint sehr erfolgreich gewesen zu sein. Denn es wurde schriftlich festgehalten, dass sie sogar geteilt werden musste, um alle Spielwünsche zu erfüllen, gar Feste wurden so gelegt, dass die Musiker auch tatsächlich Zeit hatten. Fast jeden Sonntag spielte die Stadtkapelle von Mai bis Allerheiligen auf irgendeiner Kirchweih oder Tanzveranstaltung auf.

Nach 1920 übernahm Hans Neubauer das Amt des Dirigenten. Der Musikmeister hatte sich für dieses Amt bei der Stadt beworben, denn er brauchte die Genehmigung für sein Wirken von der Stadt. Dafür gab es sogar einen Arbeitsvertrag.

Klangkörper mit fast 50 Musikern und Verein mit über 150 Mitgliedern

Nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg fanden sich zunächst die meisten Musiker der Stadtkapelle wieder zusammen. In den Nachbarorten wurden in den 1960-er Jahren Musikvereine gegründet, in Burgkunstadt noch nicht. Die Musiker waren in ihren heimischen Kapellen aktiv, und einige waren nicht bereit, auch in Burgkunstadt einen Verein zu gründen. Es gab aber viele Interessierte, und so war es im Spätherbst 1971 dann doch so weit.

50 Jahre „klingende Seele“ Burgkunstadts
Trotz Corona-Pandemie im Jubiläumsjahr konnte der Verein verdiente Mitglieder ehren (v. li.): Vorsitzender Sebastian Kre... Foto: roland Dietz

Etliche Unentwegte der alten Stadtkapelle, wie Heinrich Paravan, die Stadt Burgkunstadt und ein nimmermüder Hans Keidel an der Führung sowie der Weismainer Herbert Maiwald als Dirigent, brachten in kurzer Zeit einen Klangkörper mit fast 50 Musikern und einen Verein von über 150 Mitgliedern auf den Weg. Elmar Bergmann, Martin Rehm, Hans Schardt, Josef Fehn und Adolf Manser sowie Bürgermeister Klaus Pfadenhauer waren die weiteren Hauptinitiatoren.

Renaissance der Weihnachtskonzerte mit großem Gemeinschaftsgeist

Mit 12 000 Mark der Stadt und Unterstützung weiterer Spender wurden Instrumente angeschafft und die Ausbildung gefördert. Die Firma Baur unterstützte die Anschaffung der Uniformen. Großartige Standkonzerte, Auftritte bei Festivitäten und Ausflüge wie die Teilnahme am Tänzelfest in Kaufbeuren bereicherten das Leben in der Schuhstadt. Selbst eine Akkordeon- und eine Gitarrengruppe wurde ins Leben gerufen.

Nach dem glanzvollen Fest zum 25-jährigen Bestehen begann endgültig eine neue Ära. Für diese zeichneten der viel zu früh verstorbene Vorsitzende Franz Schneider und der aus Kulmbach stammende Dirigent Thomas Besand verantwortlich. Es kam zu einer Renaissance der Weihnachtskonzerte, bei der sich der Gemeinschaftsgeist der Musiker zeigte. Mit ein paar Verstärkungen, über 30 Aktiven und wunderbaren alljährlichen Darbietungen wurde der Verein wieder zum Aushängeschild der Stadt, was auch Auftritte beim Lichtenfelser Schützenfest oder bei der Schusternacht belegen.

Der plötzliche Tod Franz Schneiders war ein harter Schlag. Weiter ging es mit dem jungen Vorsitzenden Sebastian Kremer. Er hofft, dass im nächsten Jahr wieder mehr möglich sein wird, um das 50-jährige Bestehen doch noch würdig zu begehen.

Ehrungen

50 Jahre „klingende Seele“ Burgkunstadts
Die Stadtkapelle Burgkunstadt im Jahre 1920 mit ihrem Dirigenten Hans Neubauer (sitzend mit Taktstock), dahinter sein Vo... Foto: red

Vorsitzender Sebastian Kremer freute sich, dass es nun doch noch möglich war, bei einer Zusammenkunft an das 50-jährige Bestehen des Musivkereins zu erinnern und verdiente Mitglieder zu ehren.

Kremer erklärte, dass von den passiven Gründungsmitgliedern nur noch Elmar Bergmann dabei ist. Für seine Mitgliedschaft und Tätigkeiten sei ihn der Musikverein zu Dank verpflichtet. Deshalb erhielt er als erster die Urkunde für 50 Jahre Treue.

Als einziger Musiker aus der Gründungszeit ist noch Flügelhornist Peter Schneider ununterbrochen aktiv geblieben. Er und sein Bruder Franz haben immer Durchhaltevermögen bewiesen, wenn es dem Verein nicht so gut ging. Er wurde mit der Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet.

Die Ernennung zum Ehrendirigenten erhielt für seine 25-jährige Tätigkeit der Kulmbacher Dirigent Thomas Besand. Er ist und war ein Glücksfall für den Verein betonten Vorsitzender Sebastian Kremer, sein Stellvertreter Stefan Gahn und Geschäftsführer Johannes Bergmann bei der Übergabe von Ernennungsurkunde und einem Bildergeschenk.

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Die Kapelle des neu gegründeten Musikvereins Burgkunstadt um 1973 auf dem Marktplatz mit dem immer noch aktiven Musiker ... Foto: red

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