MODSCHIEDEL/WEISMAIN

335 Stimmen gegen den Sendemast in Modschiedel

335 Stimmen gegen den Sendemast in Modschiedel
Viele Bürger demonstrierten im Vorfeld der Stadtratssitzung in Modschiedel gegen den Bau eines Mobilfunkmastes. Foto: Roland Dietz

Dass die jüngste Stadtratssitzung in Modschiedel im Tanzcenter Deuber stattfand, war wegen einiger Tagesordnungspunkte, die das Juradorf betrafen, eine richtige Entscheidung. So hatten sich Bürgermeister und Räte schon vor der Sitzung auf eine Ortsbegehung durch den Juraort gemacht.

Als sie am Tanzcenter angekommen waren, machten dort Gegner des geplanten Mobilfunkmastes mit Plakaten ihrem Ärger Luft. Dabei übergab Claudia Schmitt von der Bürgerinitiative eine Unterschriftenliste mit 335 Namen von Bürgern aus Modschiedel und Umgebung, die sich gegen den Bau des Mastes ausgesprochen hatten. Da das Thema auch auf der Tagesordnung stand, waren fast 100 Bürger zur Sitzung in den Tanzsaal gekommen.

Stadtgebiet von Weismain weist große Lücken auf

Nach den Ausführungen der Kommunalbeauftragten der Deutschen Telekom für Mobilfunk in Nordbayern, Jennifer Pohl, dürfte jedoch klar sein, dass ein Mobilfunkmast gebaut wird. Sie erklärte, dass mit dem Mast Versorgungslücken bei der Mobilfunkversorgung geschlossen werden. Schließlich habe die Telekom als Netzbetreiber den Auftrag vom Bundesverkehrsministerium erhalten, alle Kommunen flächendeckend zu versorgen. „Alle Standorte bilden zusammen das Netz, welches im Stadtgebiet Weismain große Lücken aufweist“, so Pohl.

„Alle freuen sich über perfekte Sprachqualität beim Telefonieren mit dem Handy, möchten überall erreichbar sein, oder surfen gern schnell durchs Internet. Den für den Empfang nötigen Funkmast wollen aber die wenigsten in ihrer Nähe haben“, so Jennifer Pohl.

Die Telekom habe im Vorfeld die Stadt Weismain mit dem damaligen Ersten Bürgermeister Udo Dauer wegen eines möglichen Standortes für den Mast in Modschiedel kontaktiert. Bei einer Ortsbegehung mit Dauer und Stadtrat Alfons Deuber (CSU) habe sich dessen Grundstück als geeignet erwiesen. „Es hat sich hier keine andere Möglichkeit eines Dachstandortes ergeben“, erklärte Jennifer Pohl und sagte: „So wurde seitens der Stadt, der Telekom und der Firma Deuber der endgültige Pachtvertrag beschlossen.“

335 Stimmen gegen den Sendemast in Modschiedel
Claudia Schmitt übergab 335 Unterschriften von Mobilfunkmastgegnern in Modschiedel an Ersten Bürgermeister Michael Zapf,... Foto: Roland Dietz

Allerdings sei es eventuell möglich, noch einmal das Thema Dachstandort zu prüfen. Hier müssten allerdings die Bürger und die Stadt aktiv werden. Klar sei, so Pohl, dass ein Mobilfunkmast, der im Übrigen auch von anderen Netzbetreibern genutzt werden könne, in irgendeiner Form aufgestellt werde.

Aus Emissionsschutzgründen bedeute ein Mast vor Ort, der einen sehr guten Empfang für das Endgerät gewähre, keinen gesundheitliche Nachteil, so Pohl. Natürlich würden die bestehenden Grenzwerte deutlich unterschritten. „Diese sorgen dafür, dass Kranke, Schwangere und Kinder geschützt werden“, sagte sie auf Nachfrage von Dritter Bürgermeisterin Julia Spörlein (CSU).

„Für jeden Bauantrag wurde ein Treffen anberaumt, und hier wurde der Stadtrat überhaupt nicht informiert.“
Michael Dreiseitel, SPD

Versorgt werden mit dem Sendemast Modschiedel und Seubersdorf. In Wunkendorf soll ein Dachstandort gefunden werden.

Ursula Gommelt (Grüne) forderte, dass der Netzbetreiber einen konstruktiveren Dialog mit den Bürgern führen müsse. Die Grenzwerte stellte sie als sehr fragwürdig dar. „Wir werden bestrahlt und wissen doch nicht, was so ein Strahlenmix mit uns macht.“ Wer wolle, sollte auch ein Leben ohne digitale Bestrahlung führen können. Dies sei nicht möglich, wenn die Strahlung in die Häuser hinein komme.

Michael Dreiseitel (SPD) und Janine Brunnecker (GUB) gaben ihre Verwunderung über das Vorgehen des ehemaligen Bürgermeisters Ausdruck. „Für jeden Bauantrag wurde ein Treffen anberaumt, und hier wurde der Stadtrat überhaupt nicht informiert“, meinte Dreiseitel sehr ärgerlich.

Alfons Deuber (CSU) sagte, er habe mit der Entscheidung für einen Mast auf seinem Gelände etwas Positives für die Mobilfunkabdeckung tun wollen. Ein finanzieller Vorteil habe dabei nicht im Vordergrund gestanden.

Erster Bürgermeister Michael Zapf bat Jennifer Pohl darum, nochmals mögliche Dachstandorte in Modschiedel als Alternativen zu prüfen. Die Telekom-Mitarbeitern sagte dies zu, wenn sich aber kein geeigneter Dachstandort finden lasse, bleibe man beim jetzigen Standort. Alternative Standorte außerhalb von Modschiedel lehnte sie ab.

 

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