LICHTENFELS

Anne Salzbrenner: Pfarrerin in Zeiten von Corona

Pfarrerin Anne Salzbrenner zündet die Kerzen im Gotteshaus an. Das Licht der Hoffnung weiterzugeben, ist in dieser Zeit besonders wichtig. Foto: Till Mayer

Corona ist eine Herausforderung für uns alle. Für manche jedoch eine Zeit von ganz besonderen Heruasforderungen. Wir lassen diese Menschen, die uns jetzt besonders helfen, zu Wort kommen: „Sie haben doch jetzt auch eine ruhige Zeit!“, so werde ich in letzter Zeit häufig angesprochen. Das stimmt, so dachte ich zuerst selbst. Schließlich darf ich keine Gottesdienste halten, weder am Sonntag, noch anlässlich von Trauungen oder Taufen. Auch der Konfirmandenunterricht entfällt.

Es dürfen keine Geburtstagsbesuche gemacht werden, Sitzungen fallen zumeist auch weg. Also viel Luft für das, was ich gerne schon mal machen wollte. Ich freute mich darauf meine Umzugskartons im provisorischen Büro im Myconiushaus auszuräumen und ich freute mich darauf neben der Fachzeitschriften vielleicht doch auch wieder ein Fachbuch von vorn bis hinten durchzulesen. Rasch wurde ich eines anderen belehrt. Pfarrerinnen und Pfarrer haben auch in der Corona Krise genug zu tun.

Das Leben geht weiter. Aber durchaus sonderbar

Es ist nicht weniger, nur anders. Denn das Leben geht weiter, aber durchaus sonderbar. Die Frage stand im Raum, wie kann man die Menschen in der Gemeinde unterstützen, als Gemeinde und als Pfarrerin. Was sind jetzt eigentlich die Sorgen und Nöte und wie kann ich helfen, wenn ich nicht direkt zu den Menschen kann. Das quälte mich einige Tage, und es ist tatsächlich mein erster Gedanke an so ziemlich jedem Tag dieser verrückten Zeit. Relativ schnell war die Unterstützung für Einkäufe und Botengänge aus der Taufe gehoben.

Es war eine Freude zu erleben, wie schnell sich Helferinnen und Helfer fanden, die bereit waren und bereit sind fremde Menschen zu unterstützen. Und so konnte schon so mancher Kühlschrank gefüllt werden, mancher Balkon bepflanzt, selbst eine kaputte Brille rasch repariert werden. Mancher Mensch lebt beruhigter, weil es eine Anlaufstelle gibt, wenn es über Nachbarschaft oder Familie nicht klappt.

Ein Hilfsbereitschaft, die einfach fantastisch ist

Auffallend ist die fantastischen Hilfsbereitschaft, die mich riesig freut. Ich hatte, beziehungsweise habe bis heute mehr Telefonnummern von helfender Bereitschaft, als von Menschen, die Unterstützung brauchen. Das zeigt mir, dass auch die „stille“ Nachbarschaft bei uns weitestgehend intakt ist und man einander hilft. Ich hätte es nicht gedacht.

Als nun diese Aktion auf den Weg gebracht war, spürte ich schnell, dass auch der Kontakt zu den Menschen irgendwie erhalten werden muss. So gibt es bei mir mittlerweile eine Telefonliste. Täglich nehme ich mir zwei bis drei Stunden Zeit, zu telefonieren. Da viele soziale Kontakte wegfallen, ist es für Menschen, die alleine leben, schön mal am Telefon zu plaudern. Da geht es nur selten um tragische Fragen, sondern viel eher um einen Kontakt, den der Mensch eben braucht und der sonst beim Einkaufen oder Spazieren gehen, in Gruppen und Kreisen, im Kaffee oder beim Treffen mit Freunden stattfindet.

Andachten auf Youtube und im Lokalradio

Irgendwie wurde dann auch die Radioandacht bei Radio EINS kurz nach 18 Uhr geboren, die nun zusammen mit anderen Kolleginnen und Kollegen bestückt werden will, ebenso wie die `Guten Gedanken zum Mitnehmen?, die es bei uns am Gemeindehaus gibt. Außerdem ein Gottesdienst, der am Karfreitag um 15 Uhr aus der Kirche in Heilgersdorf auf You Tube ausgestrahlt wird. Sitzungen finden in Zeiten von Corona per Internet statt, wo ich mich auch erstmal rein fieseln musste.

Was nicht zu unterschätzen ist, ist der Faktor der Information. Am Anfang gab es täglich Seitenlange Informationen über den Virus und die aktuelle Lage von Staat und Kirche, über das, was wir dürfen und das, was wir nicht dürfen und das was mit unseren Mitarbeiterinnen in den Kitas passiert, wie wir die Notgruppen sicher stellen. Dabei muss man auch als Pfarrerin auf sich selbst achten, dass man nicht in Panik gerät. Respekt vor dem Virus ist dringend geboten, aber Panik alles andere als sinnvoll. Da tut zuweilen die normale Verwaltung gut, das, was halt weiter laufen muss.

Nicht weniger Arbeit, sondern andere

Im Großen und Ganzen gibt es nicht weniger Arbeit, sondern eben andere und ich achte mehr auf mich selbst, dass ich nicht durch Überbelastung mein Immunsystem unnütz für den Virus öffne.

Und so nehmen meine Umzugskartons im provisorischen Büro nur langsam ab. Doch das kümmert mich wenig. Pfarrerin bin ich geworden, um für die Menschen da zu sein und das gilt erst recht in Zeiten von Corona.

Die Kirche steht offen, aber Gottesdienste gibt es keine mehr. Deswegen nützt die Lichtenfelser Pfarrerin Anne Salzbrenner You Tube. Foto: Till Mayer
Erschreckende Leere herrscht in den Gotteshäusern am Obermain. Es gibt keine Gottesdienste, doch die Türen stehen für das Gebet offen. Foto: Till Mayer
Die Bibel gibt einer Geistlichen immer Kraft. Auch wenn die Bankreihen in der Kirche leer sind. Foto: Till Mayer