SCHWARZACH

Demokraten wollen Rechte umzingeln

Demokraten gegen rechts: Am 15. Juni will die NPD ihren Landesparteitag in Schwarzach abhalten. Das ruft Widerstand auf den Plan: Bürger aus Nah und Fern werden wieder Flagge zeigen gegen Fremdenhass, Intoleranz und Menschenverachtung, wie bereits vorher in dem Dorf geschehen (Ar... Foto: Privat

„Land unter!“, heißt es derzeit in vielen Teilen des Freistaats. Auch die Mainauen bei Schwarzach im Landkreis Kulmbach gleichen noch immer einer Seenlandschaft. Dort möchte die NPD am Samstag, 15. Juni, zum wiederholten Male auf einer Wiese ihren Bayerntag veranstalten. Als wäre das nicht schon genug, will die Rechtsaußen-Partei in dem Mainleuser Ortsteil auch noch ihren Landesparteitag mit Listenaufstellung abhalten.

Dagegen regt sich Widerstand: „Soll er doch versumpfen, der braune Sumpf, im Mainauensumpf“, poltert die Schwarzacher Ortssprecherin Tina Kummer in Anspielung auf das Wetter. Das Aktionsbündnis „Schwarzach ist bunt“, in dem sich Bürger gegen die Treffen der rechtsextremistischen Partei in ihrer Heimat engagieren, zeigt im Schulterschluss mit dem DGB zum wiederholten Male Flagge gegen Fremdenhass, Intoleranz und Menschenverachtung.

Der beschauliche Ort an der Grenze zum Landkreis Lichtenfels war seit 2011 bereits mehrfach Schauplatz rechter Umtriebe. Das „Freie Netz Süd“ feierte hier ihren Frankentag, die NPD zweimal ihren Bayerntag. Und immer wieder regte sich lautstarker Protest. Allerdings in gebührender Distanz zum Veranstaltungsgelände, das ein heimischer Landwirt den Neonazis immer wieder zur Verfügung stellt. In diesem Jahr soll alles anders sein, wollen die Gegendemonstranten die NPD und ihre Anhänger am Nachmittag ab 15 Uhr quasi umrunden. „Unter dem Motto ,Demokratie wahren, hinschauen und handeln – gegen Rechtsextremismus‘ wollen wir die Wiese, auf der die Rechten feiern, mit einer Menschenkette einkreisen“, kündigt die Sprecherin des Bündnisses, Tina Krause, bei einer Pressekonferenz in Schwarzach an. Am Vormittag werde man mit Mahnwachen an die Machtergreifung Hitlers vor 80 Jahren erinnern.

„Davon werden wir uns nicht abbringen lassen. Denn einen Mindestabstand gibt es nicht.“
Klaus Knorr, „Schwarzach ist bunt“

Beim Bündnis ist man überzeugt, in Hör- und Sichtweite demonstrieren zu dürfen. „Davon werden wir uns nicht abbringen lassen. Denn einen Mindestabstand gibt es nicht“, unterstreicht Klaus Knorr vom Aktionsbündnis, der sich über die rechtliche Situation informiert hat. Laut NPD wollen 150 Personen nach Schwarzach kommen. Aus der Erfahrung der vergangenen Jahre heraus schätzt Kummer, dass es weniger sein werden.

Die Demokraten wollen der rechtsextremen Partei und ihren Anhängern so viele Stolpersteine in den Weg legen, wie es nur geht. Den Ausführungen Kummers zufolge soll den rechten Besuchern kein öffentlicher Parkraum zur Verfügung gestellt werden. Begrüßt wird die Tatsache, dass ein Bauer in unmittelbarer Nähe zum Veranstaltungsgelände seinen Grund und Boden nicht mehr für einen Parkplatz zur Verfügung stellt.

Für Reinhard Englert aus dem Nachbarort Mainroth, der noch zum Landkreis Lichtenfels gehört, ist es ein Unding, dass die NPD alljährlich eine Ausnahmegenehmigung erhalte, den Radweg mit schweren Lastkraftwagen zu befahren. „Das muss ein Ende haben“, fordert er. „Sie sollen die technische Ausrüstung für die rechten Bands, die dort spielen, gefälligst zu Fuß auf das Veranstaltungsgelände bringen“, pflichtet ihm Kummer zu. In den vergangenen Jahren habe man den Rechtsextremen zu viele Zugeständnisse gemacht, kritisiert die Schwarzacherin.

Am liebsten wäre es den Bürgern und Gewerkschaftern, wenn die Veranstaltung der Rechten erst gar nicht stattfinden würde. Sie sehen den Markt Mainleus und das Landratsamt Kulmbach in der Pflicht. Ersterer hat bereits reagiert: Der Gemeinderat forderte die Verwaltung des Marktes und das Landratsamt dazu auf, alle rechtlich möglichen Hebel in Bewegung zu setzen, um die Versammlung zu unterbinden.

„Soll er doch versumpfen, der braune Sumpf, im Mainauensumpf.“
Tina Kummer, Schwarzacher Ortsprecherin

Die Räte entsprachen damit dem Eilantrag des Schwarzacher Aktionsbündnisses. Die wehrhaften Demokraten sehen durchaus Chancen für ein Verbot der Veranstaltung. Sie werfen den Rechtsextremen vor, in den vergangenen Jahren die Pressefreiheit mit Füßen getreten zu haben, in dem sie Journalisten den Zutritt zu ihrem Gelände verwehrt hätten, berichten von „Sieg-Heil“-Rufen, die angezeigt wurden, und sprechen die Musikgruppen an, die auch in diesem Jahr wieder menschenverachtende, gewaltverherrlichende und antisemitische Musik spielen wollen. Die Schwarzacher wünschen sich nichts sehnlicher, als dass der braune Spuk in ihrem Dorf endlich ein Ende habe. „Wir wollen wieder in Frieden leben“, spricht Angelika Seuß allen aus der Seele.