BAYREUTH/HOF

Nazi-Netzwerk reicht bis Franken

Rechtsextreme Netze reichen bis in bayerische Gefängnisse – auch nach Hof. Dort gab es in der JVA die ersten Konsequenzen: Einem Gefangenen wurden die Hafterleichterungen gestrichen. Nach Recherchen des Kurier handelt es sich um Tony Gentsch (29). Wegen angeblicher Kontakte zu einem Gesinnungsgenossen in Hessen, der ein Neonazi-Netzwerk plante.

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass von einem hessischen Gefängnis aus ein Verein gegründet werden solle, der Gesinnungsgenossen in Haft helfen will. Der Gründer, der bekannte Rechtsextreme Bernd Tödter, sitzt zurzeit in der JVA Hünfeld. Er warb nicht nur mit einer Anzeige in der Motorradzeitschrift „Bikers News“ für seinen Verein „AD Jail Crew (14er)“, er schickte auch Briefe an inhaftierte Gesinnungsgenossen. Einer ging an die JVA in Hof.

Dort sitzt seit April 2011 der Hofer Tony Gentsch, eine Führungsfigur der ultrarechten Szene, nicht nur in Franken. Gentsch gilt als sehr gefährlich, er wurde unter anderem wegen Körperverletzung und der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole verurteilt. In Oberprex im Landkreis Hof gehört seiner Familie eine ehemalige Gaststätte, die sich zu einem rechten Szenetreffpunkt entwickelt hat.

Den Widerruf von Lockerungen beim Vollzug in einem bayerischen Gefängnis bestätigte das bayerische Justizministerium: „Einem Gefangenen gewährte Vollzugslockerungen wurden nach Bekanntwerden der Erkenntnisse aus Hessen widerrufen“, heißt es schriftlich auf Nachfrage. Dass es sich um Gentsch handele, wollte der Sprecher nicht bestätigen. Die Leitung der JVA in Hof gibt grundsätzlich keine Auskünfte über Häftlinge, „aus Gründen des Datenschutzes“.

Die Strenge des Justizministeriums zeige, dass man das Thema „sehr ernst“ nehme, sagte ein Sprecher der Behörde. Den hessischen Behörden wurde vorgeworfen, dass sie die Anzeige und die Gründung des Vereins viel früher hätten erkennen müssen.

Gentsch hatte schon seit einiger Zeit Hafterleichterung. In wenigen Wochen steht die Entlassung des Familienvaters an, Freigang war schon normal. Bis die Behörden einen Brief aus Hessen fanden. Und mit Strenge reagierten.

Aber warum so spät? Haben auch die bayerischen Behörden geschlafen? Dazu schweigt das Justizministerium. Nicht bekannt geben will es, wie lange Tony Gentsch schon Kontakt mit dem hessischen Rechtsradikalen hatte. Und auch nicht, ob man in Hof die Bedeutung des Kontaktes etwa unterschätzt habe. Die Stille erklärt ein Ministeriumssprecher mit Gründen des Datenschutzes, der Sicherheitsrelevanz und der Ermittlungstechnik.

Aber bereits Mitte März sollen nach Medienberichten aus dem hessischen Justizministerium Informationen zu einem geplanten Netzwerk gekommen sein. Auch nach Bayern, wo nur in einem Gefängnis ein Beweis gefunden wurde: in Hof. Nach Informationen des Kurier soll Gentsch den Brief aus Hessen allerdings nicht beantwortet haben.

In den Gefängnissen in Hof und Bayreuth sitzen derzeit sieben Männer wegen der Verwendung verfassungswidriger Zeichen und einer wegen Volksverhetzung. „Und dann gibt es diejenigen, die wegen anderer Straftaten da sind, aber einen rechtsradikalen Hintergrund haben“, sagt Dieter Waas, Leiter der JVA in Bayreuth und Hof. „Wir haben da ein paar Leute im Blick.“

Ein Blick in die Vorstrafen, auf Tätowierungen – das reiche schon längst nicht mehr. Waas räumt ein, dass es „gewisse Zeitungen“ gibt, die sich das Personal anschaue. Bis zu drei Zeitschriften kann ein Gefangener im Abo erhalten. „Da wissen Sie schon, welche man sich anschaut.“ Aber Zellenkontrolle, die finde nur einmal pro Woche statt. „Den Aufwand kann niemand treiben, dass alle wissen, was im Haftraum ist“, sagt JVA-Leiter Waas. Und bei der Menge könne man Briefe oft nur „diagonal“ lesen.

Rechte Symbolik

In der Oktoberausgabe 2012 des Motorrad-Magazins „Biker News“ schaltet ein in Hessen inhaftierter Rechtsextremist eine Anzeige. Er will einen Verein gründen, der Gesinnungsgenossen im Gefängnis helfen soll. Die Behörden übersehen die rechtsradikalen Symbole: ein Adler, der eine 14 in den Krallen hält. Bei Rechtsextremen bedeutet das „arische Abwehr“.