BAMBERG

Zündstoff in der Welterbestadt

Jede Menge Wohnraum: Im September ziehen die letzten US-Soldaten aus Bamberg ab. Auf dem Kasernengelände steht dann viel... Foto: Hajo Dietz

Nach einem städtebaulichem Entwicklungskonzept sollen viele Wohnungen auf dem Bamberger Kasernengelände abgerissen werden – das sorgt für Zündstoff in der Welterbestadt. Dort herrscht Wohnungsmangel. Doch der Abzug der US-Truppen und die damit einhergehende Konversion des Kasernengeländes werden wohl die Wohnungsnot in Bamberg nicht kurzfristig beheben können. Das führt derzeit zu Argwohn und Enttäuschung bei so manchem Bürger. Besondere Empörung rief nun ein Beschluss der Stadtverwaltung hervor, der den Abriss von mehreren hundert gut erhaltenen Wohnungen auf dem Gelände der Warner Baracks plant. Auf dem Areal der Pödeldorfer Straße, nahe des Bambados, wo sich derzeit Kasernenwohnungen befinden, soll bis zum Jahr 2035 ein Waldgebiet entstanden sein.

Ein Vorhaben, welches den Bürgern einer Stadt mit hohen Mietpreisen und Wohnraummangel erst einmal aufstößt. Doch Harald Lang, Leiter des Konversionsmanagements in Bamberg, wiegelt ab: „Es wird erst einmal überhaupt nichts abgerissen. Wir haben einen Zukunftsplan für das Jahr 2035 erstellt, um zu ermitteln, wie die Stadt zu diesem Zeitpunkt aussehen könnte. Es gibt keinen Abrissplan – schon allein deshalb nicht, weil wir vom Eigentümer bisher nicht einen einzigen Plan erhalten haben.“

Momentan ist die gesamte Fläche von 448 Hektar noch in US-Hand und wird erst Ende September diesen Jahres an den Bund übergeben. Sobald die Amerikaner ihre Türen schließen, ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) für das Gebiet verantwortlich. Bis das Areal in den Besitz der Stadt Bamberg übergeht, kann es bis zu drei Jahre dauern. Eine schnelle Lösung für das Wohnungsnotproblem in Bamberg wird der Abzug der amerikanischen Truppen also nicht bringen.

„Es wird erst einmal überhaupt nichts abgerissen. Wir haben einen Zukunftsplan für das Jahr 2035 erstellt, um zu ermitteln, wie die Stadt zu diesem Zeitpunkt aussehen könnte.“
Harald Lang Leiter Konversionsmanagement

„Obwohl wir bereits dran sind, rund 100 Wohnungen für Familien bereitzustellen“, so Lang. Die Wohnungen sind zwischen 100 und 150 Quadratmeter groß und bieten vor allem Familien ein neues Zuhause. „Wir haben für die 100 Wohnungen rund 100 Anfragen. Also kann man in Bamberg aus meiner Perspektive nicht von einem Wohnraummangel sprechen“, so Lang.

Doch neben großen Familien sind es gerade Studenten, die in Bamberg nur schwer bezahlbaren Wohnraum finden. „Das ist richtig und diesbezüglich hätte das Studentenwerk Würzburg längst etwas tun müssen. Das halte ich auch für eine Frechheit. Doch die Konversion des Kasernengeländes wird in diesem Falle nichts nützen, denn wir erwarten, dass die Studentenzahlen rückläufig sind, der Geburtenknick wird die Hochschulen in den nächsten Jahren erreichen“, erklärt der Leiter des Konversionsmanagements.

Würde man das Militärgelände mit den in den 1950-er Jahren errichteten Wohnungen eins zu eins übernehmen, wäre das Gebiet zu groß für Bamberg. „Wir haben ein Gelände von der Größe XXL zur Verfügung, Bamberg braucht aber nur Wohnungen für einen Zuwachs von der Größe XS. Da liegt ein großes Delta dazwischen. In den letzten zehn Jahren ist Bamberg von 69 500 Einwohnern auf 71 000 Einwohner gewachsen. Jetzt ziehen 8000 Soldaten ab. Wir haben deshalb einen Gutachter gefragt, wie es sich entwickelt, selbst wenn Bamberg besser wächst. Da kommt man sehr schnell zu dem Ergebnis, dass nicht mal die vorhandenen Bestandswohnungen auf dem Markt abzusetzen sind“, so Lang. Zudem muss das Gelände wie eine Neuerschließung behandelt werden. Beispielsweise haben die Amerikaner Chlor in ihr Wassersystem eingespeist – ein übliches Vorgehen in den USA - aber in Deutschland unzulässig. Dementsprechend muss das gesamte Wasserleitungssystem ersetzt werden. Auch die Infrastruktur ist denkbar schlecht ausgelegt und der angedachte Bau der neuen ICE- Strecke macht in dem Bamberger Stadtteil zudem große Probleme.

„Nach über 50 Jahren haben sich durch die vielen Umzüge Rückstände von Giftstoffen in den Wänden, in den Bodenleisten und überall sonst in den Wohnungen abgesetzt.“
Harald Lang Leiter Konversionsmanagement

„Die Wohnungen können nicht einfach übernommen werden. Es ist für den Amerikaner üblich, dass nach seinem Auszug der Kammerjäger kommt und einmal die ganze Wohnung ausräuchert. Die Wohnung bleibt dann zwei Wochen lang verschlossen und dann zieht eine neue Familie ein. Nach über 50 Jahren haben sich durch die vielen Umzügen Rückstände von Giftstoffen in den Wänden, in den Bodenleisten und überall sonst in den Wohnungen abgesetzt. In Deutschland kann man dafür verklagt werden, wenn man so eine schadstoffbelastete Wohnung an Mieter übergibt“, sagt Harald Lang. Der Konversionsprozess im Bamberger Osten steht also noch vor vielen Unwägbarkeiten und Hindernissen. Voraussichtlich wird das Konversionsgebiet erst in vielen, vielen Jahren als neuer Stadtteil in der Welterbestadt aufgehen.