BAMBERG

Kaserne in zehn Monaten geschlossen

Viel Platz: Die US-Amerikaner hinterlassen eine Fläche von 448 Hektar – größer als die Bamberger Altstadt. Foto: Hajo Dietz

Bereits seit Februar 2012 ist bekannt, dass die US-Armee ihre Soldaten aus dem Standort im Bamberger Osten abziehen wird. Der Termin steht nun fest: Am 30. September 2014 schließt die Kaserne ihre Pforten. Bereits zwei Drittel der Soldaten sind aus Bamberg abgezogen, bis spätestens Mitte nächsten Jahres werden alle Soldaten die Welterbestadt verlassen haben. Die US-Amerikaner hinterlassen dann eine Fläche von 448 Hektar – größer als die Bamberger Altstadt. Zum Vergleich: Das Gelände der Landesgartenschau hat eine Größe von gerade einmal 18 Hektar.

Die Stadt Bamberg steht nun vor der Herausforderung, sich dieses neugewonnene Gebiet zu Nutze zu machen. Schließlich hat es sich die Stadt Bamberg zum Ziel gesetzt, das Kasernengelände als neuen Stadtteil in die Welterbestadt zu integrieren. Doch bevor das geschehen kann, sind noch einige sehr große Hürden zu meistern. „Auch wenn das Gelände jetzt bewohnt ist, müssen wir es wie eine völlige Neuerschließung behandeln“, erklärt Harald Lang, Leiter des Konversionsamts Bamberg. Das allergrößte Ärgernis, dem Harald Lang gegenüber steht, sind die langen Verhandlungen mit dem Bund, die auf die Stadt zukommen werden. Sobald die Amerikaner ihre Türen schließen, ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) für das Gebiet verantwortlich. „Dann kommt es darauf an, wie lange um das Grundstück verhandelt wird“, erklärt Harald Lang. „Die Stadt Würzburg hat mit dem Bund über drei Jahre verhandelt, in Mannheim ging das Konversionsgelände sofort in den Eigentum der Stadt über. Es ist also schwer abzuschätzen, was passieren wird.“

Der Verfall geht schnell

Die Stadt muss also gezwungenermaßen eine Warteposition einnehmen, die nicht von Vorteil für die Entwicklung des zukünftigen Stadtgebietes ist.

„Auf dem Kasernengelände befinden sich viele wunderschöne Spielplätze. Werden die drei Jahre lang nicht gepflegt, kann man sie vermutlich abreißen“, so Lang. Doch viel prekärer ist die Situation um eine hochmoderne Sporthalle auf dem US-amerikanischen Gelände.

„Da sind wir in Sonderverhandlungen mit dem Bund. Es wäre der absolute Wahnsinn solch eine Turnhalle über Jahre Leerstehen zu lassen. Außerdem brauchen wir die Halle dringend“, erklärt Lang.

Regelrecht verpufft

Auch bezüglich der schwierigen Wohnsituation in Bamberg könnte ein neues und so großes Stadtgebiet Abhilfe schaffen. Der Abzug der Amerikaner zeigt, wie dramatisch die Wohnungssuche rund um Bamberg tatsächlich ist: Rund 750 Wohnungen in der Stadt und in Bamberg waren privat von amerikanischen Soldaten angemietet. „Diese Wohnungen sind alle längstens neu vermietet. Sie sind regelrecht am Markt verpufft. Die Nachfrage in Bamberg ist so groß, dass diese Wohnungen keinerlei Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt hatten“, erklärt Harald Lang. Nach dem Zeitplan der BIMA sollen die ersten Wohnungen in der ehemaligen Kaserne frühestens im Jahr 2017 bezogen werden können. „Wir sind aber auf jeden Fall bemüht, das schneller hinzubekommen“, sagt Harald Lang dazu.

Schlechtes Image

Doch wenn die Verhandlungen mit der BIMA abgeschlossen sind, wird die Arbeit vor Ort erst richtig losgehen: Die Bamberger Osten hat kein besonders gutes Image, hier sind Marketingmaßnahmen nötig, um den Bambergern die Attraktivität des neuen Stadtviertels bewusst zu machen. „Zudem ist die Infrastruktur denkbar schlecht ausgelegt und der Bau der neuen ICE-Strecke macht in dem Stadtteil zudem große Probleme“, erklärt Lang. Auch auf dem Kasernengelände kann kaum etwas übernommen werden, wie es von den US-Amerikanern gestaltet wurde. Beispielsweise haben die Amerikaner Chlor in ihr Wassersystem eingespeist – ein übliches Vorgehen in den USA - aber in Deutschland unzulässig. Dementsprechend muss das gesamte Wasserleitungssystem ersetzt werden.

Darüber hinaus entsprechen viele der auf dem Kasernengelände befindlichen Wohnungen nicht mehr den heute üblichen Energiestandards. „Die meisten Wohnungen auf dem Gelände sind außerdem typisch amerikanisch geschnitten, man kommt herein und steht mitten im Wohnzimmer – das wird nicht vielen deutschen Familien gefallen“, sagt Lang.

Der Konversionsprozess im Bamberger Osten steht also noch vor vielen Unwägbarkeiten und Hindernissen. Harald Lang schätzt ab, dass erst in 20 bis 25 Jahren das Konversionsgebiet ganz und gar als neuer Stadtteil in der Welterbestadt aufgehen wird.