LICHTENFELS

(K)ein „leichter“ Sieg für den ACL

Tut gut: So ein Mannschaftsvierer im vorletzten Kampf des Abends tut einer jeden Staffel gut. Simon Pilzweger (ACL, rech... Foto: Christian Voll

1. Ringer-Bundesliga Nord

Es war ein Herzschlagfinale, das der AC Lichtenfels am Samstagabend beim TV Aachen-Walheim an der holländisch-belgischen Grenze nach 500 Kilometern Anreise lieferte. Doch dies mit gutem Ausgang, denn nach wechselhaftem Verlauf siegten die Korbstädter hauchdünn mit 16:15.

Trainer Ali Hadidi musste – größtenteils ungewollt – schon im zweiten Saisonkampf die Rotationsmaschine anwerfen und seine Staffel im Vergleich zum Vorwochenende gehörig umkrempeln: Tobias Schütz fehlte erkrankt, Marthin Nielsen und Andrei Frant genauso wie Dato Kerashvili wegen der WM-Vorbereitung in ihrem Heimatland. Zudem ersetzte Neuzugang Tomas Sobecky diesmal Andi Eichheimer, doch gerade dieser freiwillige Personalwechsel erwies sich letztlich als goldrichtig, denn Sobecky brachte trotz beziehungsweise wegen einer „6:6-Niederlage“ (wegen der höheren Wertung) den Ein-Punkte-Sieg für den ACL gerade so eben ins Ziel.

Der Kampfabend selbst verlief nach einem bemerkenswerten Strickmuster: Einem Einzelsieg des ACL folgte jeweils einer der Hausherren, sodass am Ende die Gäste die fünf „leichten“, die Gastgeber die fünf „schweren“ Gewichtsklassen gewonnen hatten.

„Glücksgriff“

Welch ein Glücksgriff seine Verpflichtung für die Korbstädter bedeutet, zeigte der 20-jährige Ungar Juhasz Bence (55 Kilo, Freistil) ein weiteres Mal. Den starken, aber recht passiven Dumitri-Alin Spiridon hatte er bis zum Zwischenstand von 7:0 jederzeit im Griff, ehe er nach knapp vier Minuten mit einer Kopfklammer sogar einen Schultersieg erreichte. (0:4)

Die anschließende 0:2-Punktniederlage von David Vala (ACL, 120 Kilo, griechisch) gegen den ehemaligen Junioren-Vizeweltmeister Kasim Aras war aus Gästesicht durchaus in Ordnung, denn mit gut 20 Pfund weniger Masse waren hier keine Wunderdinge zu erwarten. (2:4)

Bei seinem ersten Auftritt im Trikot des ACL hatte der Pole Michal Tracz (60 Kilo, griechisch) mit dem Kirgisen Aleksei Ialoma gleich einen beinharten Kontrahenten. Sehr erfreulich deshalb, dass Michal die Ruhe bewahrte, hoch konzentriert auf seine Chance wartete und mit einem tollen Kopfhüftschwung 15 Sekunden vor Schluss seinen 5:2 Punktsieg sicherstellte. (3:6)

Vielleicht den Kampf seines Lebens, leider nur über die erste von zwei Runden, lieferte der abermals bereitwillig eingesprungene Christoph Meixner (96 Kilo, Freistil) gegen den WM-Fünften und Olympia-Neunten Armands Zvirbulis aus Lettland. Ausgezeichnet setzte er die Anweisungen seines Trainers Ali Hadidi („ohne Kontakt ringen“) um. Ein Blick in den Live-Ticker auf der ACL-Homepage lässt die Atmosphäre erlebbar werden: „Mixi macht einen Wahnsinns-Kampf. Wow, das solltet ihr sehen! In der der ersten Runde steht es zwar 5:4 für den Aachener, aber Mixi ist dran ...“. Letztlich aber rückte Zvirbulis die Verhältnisse doch gerade und siegte noch technisch überlegen mit 15:4. (7:6)

Hart an der Grenze des Zulässigen kämpften die beiden alten Rivalen Yaschar Jamali-Esmaeili-Kandi (TVA) und Tim Müller (ACL). Mit seiner klug eingesetzten Energie und seinem sichtlich gereiften Stil zog Tim nach 0:2-Rückstand den Fight in Runde zwei noch mit 6:3 auf die ACL-Seite. Pausenstand: 8:8.

Gewichtsnachteil

Kurzfristig für Tobias Schütz war Hannes Wagner (84 Kilo, griechisch) eingesprungen. Gegen seinen Junioren-Nationalmannschaftskollegen Nico Brunner waren es allein der sechs-Kilo-Gewichtsnachteil des eigentlich aktiveren AC-lers und ein kleiner Heimvorteil seines Gegenübers, die zu einem 5:0 führten. (11:8)

Dem Gesetz der Serie folgend, war nun wieder ein Sieg der Gäste aus Lichtenfels dran, den Neuzugang Benjamin Hofmann in hervorragender Weise und mit starker Kondition auch bewerkstelligte. 3:0 hieß es nach sechs Kampfminuten gegen den faktisch chancenlosen Bulgaren Nikolay Georgiev. (11:10).

Auch Serghei Siscov (ACL, 84 Kilo Freistil) brachte zehn Kilo weniger auf die Waage, und auch diese waren entscheidend, denn seine eigentlich gut vorgetragenen Beinangriffe konnte Waldemar Peil (TVA) jeweils mit überlegener Physis kontern. Dennoch ein Lob für Serghei, dass er mit dem Schlussgong noch auf 3:6 verkürzte und somit einen wichtigen Mannschaftszähler rettete. (13:11)

Zumal auf Simon Pilzweger (ACL, 74 Kilo Freistil) wieder einmal Verlass war. Punkt um Punkt zermürbte er Peter Otto mit seinen Attacken und brauchte schließlich doch eine Energieleistung, um seine 11:1-Führung mit dem Schlussgong zur 13:1-Überlegenheit und zu den erhofften vier Mannschaftszählern auszubauen. (13:15)

Für den tschechischen ACL-Neuzugang Tomas Sobecky (74 Kilo, griechisch) galt es nun, allenfalls knapp gegen Laslo Szucz zu verlieren. Nach einer unerwartet schnellen 4:0-Führung wurde er allerdings etwas zu angriffslustig und leichtsinnig und geriet dadurch in so manch knifflige Situation. Am Ende aber reichte der 6:6-Punktestand aus Sicht der Gastgeber wegen der höheren Wertung zwar zum 2:1-Einzelerfolg, insgesamt gerechnet jedoch durfte der ACL unter dem Jubel des wieder lautstark vertretenen Fanclubs den zweiten Sieg im zweiten Kampf der Saison feiern.

Wichtiger Erfolg: Unbeeindruckt zeigte sich Benjamin Hofmann (ACL, rechts) von der ruppigen und passiven Ringweise seines Kontrahenten Nikolay Georgiev. Am Ende stand ein wichtiger 3:0-Punktsieg für den ACL-Neuzugang zu Buche.