BAMBERG

Waren die Schiris schuld?

EuroLeague 2017/18, Hauptrunde, Spieltag 1, Brose Bamberg - Maccabi Tel Aviv
Etwas auf die Nase gab es am Ende für die Bamberger, auch wenn hier Tel Avivs spielentscheidender Mann, Pierre Jackson... Foto: Archiv/Daniel Löb

Basketball

(us) Die großartigen Siege über Barcelona, Valencia oder Piräus sind verblasst. Fünf Niederlagen in Folge stehen für die Bamberger Brose-Basketballer in der Euroleague zu Buche. Die letzte – eine ganz bittere – musste die Mannschaft von Trainer Andrea Trinchieri am Donnerstagabend einstecken. Nach einem spannenden Kampf unterlagen die Oberfranken vor 10 500 Zuschauern in der Menora-Mivtachim-Arena mit 88:90 (41:39) bei Maccabi Tel Aviv.

Beim Blick auf die Statistik fällt die hervorragende Dreierquote der Bamberger auf. 13 Distanzwürfe fielen in den Maccabi-Korb – bei 26 Versuchen. Nach schwacher erster Hälfte erinnerte sich Ricky Hickman offenbar daran, dass er 2014 Tel Aviv zum Euroleague-Titel geführt hatte und die Menora-Mivtachim-Arena sein „Wohnzimmer“ gewesen war. Der Brose-Guard drehte jedenfalls auf und netzte insgesamt fünf Dreier ein. Für seine 23 Punkte benötige Hickman allerdings 17 Feldwurfversuche (7 Treffer).

Bei den Zweiern hatte Tel Aviv mit einer 54-prozentigen Quote (Bamberg 38 Prozent) klar die Nase vorn. Den Bambergern nutzte auch ihre Genauigkeit von der Freiwurflinie (19 von 20 Versuchen, 95 Prozent) nichts, denn die Gastgeber durften 15-mal öfter an die Linie (26 von 35, 74 Prozent), was am Ende auch den Ausschlag gab.

Trinchieri: Ungleiche Kriterien

In der Anzahl der Fouls (Bamberg 26, Tel Aviv 20) sah Bambergs Coach Andrea Trinchieri einen Grund für die Niederlage seines Teams. „Wir hätten den Sieg verdient, aber die Schiedsrichter haben uns nicht gelassen. Wenn man jeden Pfiff für Pierre Jackson gibt, dann sollte man zumindest auch einmal einen auf der anderen Seite verteilen“, sah Andrea Trinchieri den 1,78 m großen Maccabi-Wirbelwind im Vorteil. Der Gästecoach gratulierte Tel Aviv um Topscorer Michael Roll (23) zum Sieg, „aber meine Mannschaft hätte es verdient, zu gewinnen“.

Und der Italiener legte nach: „Wenn man gegen Tel Aviv spielt, erwartet man von vorneherein nicht viele Pfiffe für einen, aber das war ein bisschen zu viel des Guten. Ich habe mich sehr gefreut, wie mein Team in dieser Arena gespielt hat, wo viele andere große Mannschaften verloren haben.“

Und eine Botschaft schickte der Italiener in Richtung Euroleague-Zentrale nach Barcelona: „Jeder sollte sich fragen, wie diese Euroleague aussehen soll, wie sie sich entwickeln soll, um einfach tollen Basketball zu sehen, der von Spielern entschieden wird.“

Kritik nicht auf Euroleague-Website

Ob diese Kritik bei Ligaboss Jordi Bertomeu ankommt? Auf der Euroleague-Homepage fielen die auf der Pressekonferenz geäußerten Sätze Trinchieris jedenfalls unter den Tisch.

Die Aussagen des italienischen Zampanos an der Seitenlinie klingen zunächst nach schlechtem Verlierer. Der Coach weiß aber, was er von sich gibt, und redete sich nach dem Spiel keineswegs in Rage.

Ob seine Entscheidung, im letzten Viertel seine Guards Nikos Zisis, Daniel Hackett und Ricky Hickman nahezu durchspielen zu lassen und nur auf den großen Positionen zu wechseln, richtig war? Jedenfalls saßen Lucca Staiger (3 Dreier) und Maodo Lo (5 Punkte), die zuvor Akzente gesetzt hatten, auf der Bank, ebenso wie in den Schlussminuten Center Dejan Musli (20 Punkte/7 Rebounds).

Trinchieri baute auf Routine und unter dem Korb auf die in der Abwehr beweglicheren Augustine Rubit und Leon Radosevic. Diese Taktik ging jedoch (erneut) nicht auf. Die letzten vier Würfe in den letzten 100 Sekunden verfehlten ihr Ziel. So markierte Deshaun Thomas bereits eineinhalb Minuten vor dem Ende mit einem schwierigen Halbdistanzwurf den 90:88-Endstand für Maccabi.

Für Bamberg ist nach dieser Niederlage der Zug in Richtung Viertelfinale wohl abgefahren. Im vergangenen Jahr hatte der Tabellenachte eine Siegesbilanz von 16:14. Das Brose-Team steht nun bei 6:11. Bis Anfang April stehen noch 13 Partien aus.

An diesem Wochenende haben die Bamberger frei, bis auf Maodo Lo, der beim Bundesliga-All-Star-Game in Göttingen für das Teams „National“ aufläuft.