BAYREUTH

Bayreuth feiert historischen Derbysieg über Bamberg

Fotos Basketball medi Bth gegen Brose Bamberg
Oft hatte der Bamberger Daniel Hackett (rechts) das Nachsehen gegen den Bayreuther Topscorer Gabe York. Foto: Peter A. Mularczyk

Basketball-Bundesliga

(ps) Der Bayreuther Hallensprecher glaubte wohl selbst nicht so recht daran, als er beim 9:24-Rückstand fast schon trotzig ins Mikrofon brüllte: „Jetzt geht's los!“ Aber Christian Höreth sollte recht behalten. Mit 15 Punkten hinten liegend, startete das Medi-Team im 75. Oberfrankenderby gegen Brose Bamberg eine fulminante Aufholjagd, die in einem historischen Sieg gipfelte. Mit 85:75 (38:35) behielten die Bayreuther gegen ihren Nachbarrivalen erstmals seit März 1996 in eigener Halle wieder die Oberhand.

„Unfassbar, das war ein Wahnsinnsspiel“, jubelte Bastian Doreth. Der Bayreuther Kapitän hatte sich unmittelbar nach dem Triumph in der mit 3300 Zuschauern ausverkauften Oberfrankenhalle das Mikrofon geschnappt und teilte den begeisterten Medi-Fans mit, dass er seinen Vertrag um drei Jahre verlängert hat. Während es daraufhin in der Halle noch lauter wurde und die Bayreuther mit ihren Anhängern zur „Humba“ ansetzten, schlichen die Bamberger Spieler mit hängenden Köpfen in die Kabine.

„Wir waren schlecht an beiden Enden des Feldes und hatten den Sieg nicht verdient“, konstatierte der Bamberger Trainer Andrea Trinchieri. Der Italiener hatte sein Team nach der Euroleague-Niederlage in Istanbul, wo es am vergangenen Freitag einen 15-Punkte-Vorsprung verspielt hatte, intensiv trainieren lassen. Doch folgte am Dienstagabend in Bayreuth ein Déja-vu-Erlebnis. Wieder lag das Brose-Team mit 15 Punkten vorne, wieder reichte diese Führung nicht zum Sieg.

John Cox dreht auf

Dabei waren die Bamberger hochkonzentriert ins Derby gestarteten und hatten ihren Gegner in den ersten zehn Minute voll im Griff. Doch dann drehte John Cox auf. 14 Punkte erzielte der 36-jährige Venezolaner in sechs Minuten und riss seine Teamkollegen mit. Mit jedem Bayreuther Korberfolg wuchs die Verunsicherung bei den Gästen. Zwar holten sie sich beim 68:66 (36. Min.) noch einmal kurzzeitig die Führung zurück, doch in der Schlussphase übernahm Gabe York (23 Punkte) das Kommando. Mit drei Dreiern sorgte der Medi-Topscorer für die Entscheidung.

Beim Verlierer herrschte nach der zweiten bitteren Niederlage in Folge Ratlosigkeit. „Wir haben den Faden verloren, ich weiß auch nicht, woran es lag. So dürfen wir ein Spiel auf jeden Fall nicht beenden“, meinte Patrick Heckmann, der eine starke Leistung zeigte, in der Schlussphase aber ebenso nicht mehr zum Einsatz kam wie sein Nationalmannschaftskollege Lucca Staiger.

Schwache Wurfquoten

Festzuhalten bleibt, dass den Bambergern Spieler fehlen, die in den entscheidenden Momenten zur Stelle sind. Ricky Hickman war zwar mit 13 Punkten wieder einmal erfolgreichster Bamberger, traf aber nur vier seiner elf Würfe. Auch die Trefferquoten von Dorell Wright (drei von neun) und Maodo Lo (zwei von sieben) waren schwach. Und in der Abwehr überzeugte lediglich Daniel Hackett. Dejan Musli (10 Punkte) war unter den Körben auf sich alleine gestellt, weil Augustine Rubit (2) und Leon Radosevic Ausfälle waren.

Trotz der Niederlage haben sich die Bamberger für den Pokalwettbewerb qualifiziert. Die Bayreuther erreichen das Cup-Viertelfinale ebenfalls, wenn sie am Freitag in Göttingen gewinnen. An diesem Tag ist das Brose-Team bereits wieder in der Euroleague gegen Khimki Moskau (20 Uhr) gefordert, bevor es zwei Tage später, ebenfalls zu Hause, gegen Ulm geht – zwei Teams, gegen die es für den deutschen Meister in der aktuellen Verfassung schwer wird, in die Spur zurück zu finden.

Die Statistik

Medi Bayreuth – Brose Bamberg 85:75 (9:21, 29:15, 23:19, 24:20) Bayreuth: York (23 Punkte/6 Dreier), Cox (14/2), Brooks (11/1), Robinson (10/1), Marei (10), Doreth (7/1), Seiferth (4), Amaize (4), Linhart (2), Wachalski / Bamberg: Hickman (13/1), Hackett (12/1), Wright (11/3), Musli (10), Zisis (8), Heckmann (7), Staiger (6/1), Lo (6), Rubit (2), Radosevic