LICHTENFELS

Die schönste Pleite der Saison

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Ausgelassen feierten die Ringer des AC Lichtenfels den Aufstieg in die Oberliga (v. l.): Christoph Meixner, Christian Me... Foto: Stefan Mehl

Ringen

„Wir sind alle ausgeflippt! Die Stimmung war gigantisch. Die Mannschaft hat 100 Prozent Willen gezeigt und diesen Erfolg erzwungen“, sagte ACL-Vorsitzender Oliver Dürr, der selbst zwölf Stunden nach der 12:14-Niederlage des AC Lichtenfels in Unterföhring noch euphorisiert war. Verständlich, denn nach dem 15:9 im Vorkampf erreichten die Korbstadt-Ringer mit dieser schönen Niederlage aufgrund des besseren direkten Vergleichs die ersehnte Bayernliga-Meisterschaft und den Aufstieg in die Oberliga.

In der 95-jährigen Vereinsgeschichte des Athleten-Clubs Lichtenfels hat es schon zahllose Siege und Niederlagen gegeben – viele davon höchst emotional. Aber eine solche Pleite wie am vergangenen Wochenende, die mehr bejubelt wurde als viele Erfolge, die gab es vermutlich noch nicht .

„Das hat damit zu tun, dass nach dem knappen Scheitern im letzten Jahr die Titel-Sehnsucht noch gestiegen ist und dass wir uns seit Anfang der Saison bis zum letzten Kampf wirklich nicht die geringste Schwäche geleistet hatten“, sagte ACL-Trainer Ali Hadidi. Ähnlich klang Mannschaftsführer Heiko Scherer: „Ich bin so stolz auf die Kerle. Die haben eine riesen Saison gerungen und sowas von verdient die Meisterschaft geholt.“

Wenn man in Bezug auf den Kampf in Unterföhring von einem harten Stück Arbeit sprechen würde, wäre das maßlos untertrieben. Es trafen die beiden mit Abstand besten und mit 26:2 Zählern punktgleichen Staffeln der Ringer-Bayernliga aufeinander. Die Gastgeber hatten personell alles in die Waagschale geworfen und mit der spitzzüngigen Aussage, „alles dazu beizutragen, dass die Lichtenfelser eine weitere Saison in der Bayernliga bestreiten können“ die Stimmung noch zusätzlich angeheizt.

Doch zunächst lief es vor allem für die Gäste. Angefeuert von gut 100 lautstarken AC-Fans in blauen Nikolausmützen lieferte Mario Petrov (ACL, 57 Kilo, griechisch) wohl den Kampf seines Lebens gegen den heuer unbesiegten SC-Vierergaranten Abdul Basir Ibrahimi. Zwar unterlag er nach Punkten mit 6:10, überließ seinem Kontrahenten damit aber nur zwei Mannschaftspunkte statt wie im Vorkampf vier. In Sachen Motivation fürs gesamte Team also ein gefühlter Sieg für den ACL.

Dauerjubel bei den Fans

Nach dem 5:1 des souveränen Christoph Meixner (130 Kilo, Freistil) gegen Alessandro Punzo und dem 4:12 von Dominik Sohn (61 Kilo, Freistil) gegen Vincent Kurth stellte Nikolay Dobrev (ACL, 98 Kilo, griechisch) mit einem feinen 10:0 über den bayerischen Meister Richard Mahn den Gleichstand her. Und Venelin Venkov, der wie Rumen Savchev und Tobias Schütz die gesamte Runde über ohne Niederlage blieb, sorgte sogar für die 9:5-Halbzeitführung des ACL nach einer ringerischen Demonstration aus Wurftechniken und Schultersieg über Siegfried Jonak.

Doch der ACL geriet noch einmal in Bedrängnis als Christian Merkel (86 Kilo, Freistil) kein Rezept gegen Christian Axenbeck fand und klar mit 0:10 unterlag – und vor allem als Chris-tian Lurz (66 Kilo, Freistil) nach toller Gegenwehr gegen den Spanier Juan Pablo Gonzales Crespo eine Oberschenkelverletzung erlitt, die ihn zur Aufgabe zwang. Beim Stand von 12:9 hatten die Unterföhringer also das Vorrundenresultat schon fast egalisiert. Umso wichtiger, dass ACL-Routinier Tobias Schütz (86 Kilo, griechisch) im letzten Kampf seiner Karriere Ruhe bewahrte.

Es lag an Rumen Savchev (75 Kilo, griechisch). Mit all seiner Erfahrung errang er ein 5:0 über Julian Stadelbauer. Beim Stand von 12:12 war dem ACL der Titel nicht mehr zu nehmen, und das 0:4 von Johannes Lurz (75 Kilo, Freistil) gegen Michel Riesterer ging im Dauerjubel der ACL-Fans unter.