LICHTENFELS

Ein Festival der Schultersiege

„Trainer, passt das so?“, könnte man den Blick von Dominik Sohn deuten. Sein Coach Ali Hadidi hatte ihm die Marschroute ... Foto: Christian Voll

Ringer-Bayernliga

Nach fünf von zehn duellen im Kampf zwischen dem AC Lichtenfels und dem TV Traunstein waren bereits „alle Messen gelesen“, wie es manchmal in der Sprache des Sports heißt. Denn da stand es schon 18:0 für den verlustpunktfreien Spitzenreiter der Ringer-Bayernliga, der letztlich unerwartet deutlich mit einem 30:6 seine Titelansprüche einmal mehr untermauerte.

„Ohne große Ambitionen nach Lichtenfels“, war bereits in der Vorschau auf der Homepage des zuletzt so erfolgreichen Tabellendritten TV Traunstein zu lesen, der diesmal jedoch personell nicht aus dem Vollen schöpfen konnte. So ließen die Gäste mehrere Athleten eine Gewichtsklasse aufrücken und die 130-Kilo-Freistil-Kategorie (kampfloser Sieger Christoph Meixner) sogar unbesetzt. „Dadurch wusste ich schon nach dem Abwiegen, dass wir wohl sicher gewinnen werden“, erläuterte ACL-Trainer Ali Hadidi, „was jedoch unsere abermals gute Leistung nicht schmälern soll.“

Lediglich das talentierte Brüderpaar Artur und Eduard Tatarinov (75 Kilo, griechisch bzw. 86 Kilo Freistil) stemmte sich auf Traunsteiner Seite mit Erfolg gegen die drohende Klatsche. Der junge Marius Geuß hatte als einziger ACler gar keine Chance gegen den Kaderringer Artur Tatarinov und wurde nach knapp zwei Minuten ausgepunktet. Christian Merkel dagegen lieferte dem ungemein flinken Eduard nach eher verbummelter erster Runde ein packendes Duell, das erst in den letzten Sekunden beim Stand von 8:9 auf die Seite von Tatarinov kippte – Endstand 8:13.

Ansonsten konnte die Geschichte dieses Kampfabends betitelt werden mit der Beschreibung „kurz, aber sehenswert“. Sechs Schultersiege für die „Roten“, drei davon noch in der ersten Kampfminute, dazu jede Menge Vierer- und Fünferwertungen. All das sprach für sich.

Mario Petrov (57 Kilo, griechisch), Venelin Venkov (66 Kilo, griechisch) und Krum Chuchurov (66 Kilo, Freistil) hatten dabei ihre jungen Kontrahenten Andreas Dik, Philipp Schrag und Saber Mansuri in weniger als 60 Sekunden auf „den Ast“ gelegt.

Johannes Lurz (75 Kilo, Freistil) zeigte bis zu seinem Schultersieg über Mahsun Ersayin eine feine Mischung aus Technik und Lässigkeit. Nikolay Dobrev (98 Kilo, griechisch) und Tobias Schütz (86 Kilo, griechisch) demonstrierten ihren überforderten Kontrahenten Andreas Boschko und Ahmad Quaderi die wahrhaft „hohe Kunst“ des klassischen Ringkampfs mit einer Reihe spektakulärer Würfe.

Spannung gab es so gesehen nur noch einmal, und zwar zwischen Dominik Sohn (61 Kilo, Freistil) und Luca Zeiser. Dass aber auch hier der tüchtige ACL-Ringer nach 2:4-Rückstand noch mit 8:4 siegreich blieb, verdankte er unter anderem dem taktischen Scharfblick seines Coaches: „Der Ali gab mir die Anweisung, keine Beinangriffe zu starten, sondern sogar mein Bein anzubieten, um dann zu kontern.“ Was man daraus lernt? Mitunter muss man es beim Kampfsport auch mal vorziehen, sich etwas zurückzuhalten.